PRO BAHN sieht für Mittelhessen nichts Besseres zum Fahrplanwechsel im Zugverkehr – Der Intercity-Fernverkehr, die Unterwegshalte zwischen Gießen und Marburg sowie die Sieg-Dill-Bahn sind besonders betroffen.

Mittelhessen wird mehr und mehr von Schienenverkehr abgehängt. Diese düstere Bilanz zieht erneut der Fahrgastverband PRO BAHN zum Fahrplanwechsel am 13.+14.12. Das dieses Resultat begründet ist, kann man an mehreren Fakten belegen, die nun bittere Realität werden.

Auch hier geht es von Gießen aus künftig nicht mehr so ohne weiteres direkt hin - ein IC auf dem Weg von Hannover in Gießen nach Konstanz.

Auch hier geht es von Gießen aus künftig nicht mehr so ohne weiteres direkt hin – ein IC auf dem Weg von Hannover in Gießen nach Konstanz.


Für den Fernverkehr bedeutet dies beim dem Intercity auf der Main-Weser-Bahn den Wegfall der Direktverbindungen auf längere Distanzen. In Richtung Süden ist nun, bis auf wenige Ausnahmen an Einzeltagen, nun generell in Karlsruhe Schluss. Die Verbindungen bis nach Konstanz sind gekappt. Will man künftig weiterfahren, ist man entweder auf den teureren ICE oder, wie im Fall Bodensee, auf den deutlich langsameren Schienennahverkehr angewiesen.

Ganz schmerzlich, der Wegfall der morgendlichen Direktverbindung von Gießen und Marburg über Kassel und Hannover nach Berlin. Seit der Wiedereinführung einer direkten Anbindung an die Bundeshauptstadt erfreute sich dieser Zug zunehmender Beliebtheit. Nun muss man entweder den 2-stündigen Doppelstock-Regionalexpress nehmen und in Kassel umsteigen. Der Regionalexpress kennt jedoch keine Sitzplatzreservierung und hat kaum Stauraum für Gepäckstücke. Die 2. Variante um nach Berlin zu kommen ist der Umstieg in Hannover. Dieser ist jedoch völlig unattraktiv, entweder zu kurz oder zu lang in der Umsteigezeit.

Der Intercity, welcher Mittelhessen durchkreuzt, fährt künftig nur noch seine starre Strecke Hamburg-Hannover-Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt-Karlsruhe. Eine Situation, wie sie, mit reduziertem Angebot, in zahlreichen Regionen Deutschlands anzutreffen ist.

PRO BAHN fordert, dass neben dem starren Netz auch noch Einzelverbindungen mit Hin- und Rückfahrten möglich sein müssen. So ist es indiziert, dass im Wettbewerb mit dem Fernbus aus Gießen bzw. Marburg umsteigefreie Direktverbindungen in die größten Städte Deutschlands eine Selbstverständlichkeit sein müssen. Zu diesen Städten zählen die Fahrgastvertreter Berlin, Hamburg, München, Köln, Stuttgart und das Ruhrgebiet. Um die Intercity (IC) attraktiver und belebter zu machen, muss der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) für die IC im Streckenabschnitt der Main-Weser-Bahn die Fahrt mit einem Nahverkehrsticket zulassen. Dies wird in vielen Regionen Deutschlands praktiziert, nur nicht in Hessen. Eine dadurch entstehende Mitfinanzierung des Fernverkehrs lehnt man unsinniger Weise ab.

Diese Situation stellt sich nun auch mit schlimmsten Einschnitt des Schienennahverkehrs in Mittelhessen. Die Orte zwischen Gießen und Marburg, expandierende Kommunen zwischen zwei Universitätsstädten, werden künftig von deutlich weniger Zügen angefahren. Die Züge der Hessischen Landesbahn, welche im Auftrag des RMV Teile der Zugfahrten übernommen hat, fahren ab Fahrplanwechsel bis auf eine nachmittägliche Abfahrtzeit, zwischen Gießen und Marburg durch. Dass die Züge der Hessischen Landesbahn beschleunigt werden, dies stellt der Fahrgastverband PRO BAHN nicht in Abrede. Nur kann es nicht sein, dass für die Haltestellen GI-Oswaldsgarten, Lollar, Friedelhausen, Fronhausen, Niederwalgern, Niederweimar und Marburg-Süd kein Ersatzangebot geschaffen wird. Neben einzelnen Verstärkerzügen in den werktäglichen Hauptlastzeiten sind die Menschen in den Orten, nunmehr ausschließlich auf den Mittelhessen-Express angewiesen. Aus Sicht von PRO BAHN eine Katastrophe. Man erneuert aktuell die seit langem erhobene Forderung, dass zumindest ein Ersatzzug für alle Unterwegshalte zwischen beiden Universitätsstädten verkehren muss, der nicht über Marburg bzw. Gießen hinausfährt.

Der Main-Lahn-Sieg-Express. Er hält nun nicht mehr zwischen Gießen und Marburg.

Der Main-Lahn-Sieg-Express. Er hält nun nicht mehr zwischen Gießen und Marburg.

Möglich sind aber auch Verlängerungen von in Gießen endenden Zügen, die darüber hinaus mit allen Unterwegshalten bis Marburg fahren könnten, so z.B. die aus Hanau kommenden Züge, die Gießen als Endbahnhof haben.

PRO BAHN kritisiert zum Thema der ersatzlosen Streichung zwischen Gießen und Marburg insbesondere die regionale Interessengruppe „Pro Bahn&Bus“, welche von Beginn die Absicht hatte, nur die schnelle Anbindung von Marburg im Blick zu haben. Mit dieser einseitigen Denkweise mit partikularer Ausrichtung habe man auf dem Feld die Zusammenarbeit aufgekündigt. PRO BAHN hat Mitstreiter in anderen Organisationen, welche sich für die Änderung der neuen Situation und damit für ein Gesamtkonzept Main-Weser-Bahn einsetzen. Die Interessengruppe Pro Bahn&Bus hat sich in der entscheidenden Frage isoliert.

Ein weiterer Einschnitt betrifft die nördlichsten Orte im Lahn-Dill-Kreis besonders hart. Auf dem Bahnstreckenabschnitt zwischen Dillenburg und Siegen verkehren an Sonntagen keine Regionalbahnen mehr, welche die kleinen Unterwegshalte bedienen. Lediglich der Main-Lahn-Sieg-Express, welcher zwischen Dillenburg und Siegen nur in Haiger hält, ist an den roten Kalendertagen noch unterwegs. Insbesondere die Ortsteile von Haiger sind somit vom Öffentlichen Personennahverkehr abgehängt. Als Grund der Leistungsabbestellung wird seitens des RMV die sehr sehr geringe Auslastung ins Feld geführt. Warum die Situation nur so ist, dies wird nicht näher betrachtet. Die Menschen, die in Dillenburg ankommen, um in Richtung Gießen-Frankfurt weiterzufahren, haben hier keinen Anschluss. Diese Züge haben dann gerade den Bahnhof Dillenburg verlassen. Die logische Konsequenz ist seit langem, dass insbesondere Pendler gleich mit dem PKW direkt nach Dillenburg fahren und erst dort in den Zug Richtung Süden einsteigen. Bei einem attraktiven integralen Taktverkehr mit akzeptabler Umsteigezeit wären die Züge der Sieg-Dill-Bahn ab Dillenburg auch wesentlich besser ausgelastet.

Auch die Lahntalbahn weist keine Verbesserungen aus. Die Neuvergabe der Konzession für die Regional-Express-Züge zwischen Gießen und Koblenz bedeutet auch den Abschied der Neigetechnik auf die entlang dem Fluss führenden Strecke. Das heißt, die Fahrtzeiten verlängern sich deutlich. Auch hier wird die Bahn unattraktiver und das nach den vor rund zwei Jahrzehnten erfolgten technischen Investitionen in die Bahnstrecke, die nun in den Wind zu schreiben sind.

Bei anderen Dauerbrennern ist auch keine Lösung in Sicht. Der seit der Einführung des neuen Fahrplans „Kurzzeitunterbrechung“ in Siegen geht man auch nicht nach. Die Menschen aus Mittelhessen müssen weiterhin mit 4 Minuten Umsteigezeit in Siegen den Zug wechseln, um nach Köln weiterzukommen. Dies gilt auch für Zugfahrten von Mittelhessen ins Ruhrgebiet. Hier beträgt die Umsteigezeit 7 Minuten. Wenn man hierbei eine deutliche Beschleunigung erzielen würde. Das passiert jedoch nicht. Es gibt mehr und mehr Langsamfahrstellen und fehlende Ausbaustufen auf dem Abschnitten zwischen Siegen und Troisdorf sowie zwischen Siegen und Hagen. Hier bedarf es einer Festschreibung des Ausbaus in den Bundesverkehrswegeplan.

Alles in allem also eine traurige Bilanz des Schienenverkehrs in Mittelhessen. Der Fahrgastverband PRO BAHN wird sich für die genannten Ziele weiterhin mit aller Macht einsetzen, dafür verbündete Organisationen suchen, um mit stärkeren Mitteln die Ziele durchzusetzen. Wenn dazu die IG Pro Bahn&Bus nicht gehört, dann müssen andere die Verantwortung für einen wirklich funktionierenden Öffentlichen Personennahverkehr übernehmen.

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