Schirmposse in Hanau

„Schöner Warten“ oder Funktionalität geht vor Design

Der Fahrgastverband kritisiert geplante Anschaffung von „Design-Warteständen “ am Freiheitsplatz Hanau anstatt funktionaler  Wartehäuser. In Zeiten knapper Kassen sollte jede Ausgabe zu allererst maximalen Nutzen bieten. Denn Witterungsschutz für den Fahrgast ist bei den vorgestellten „Paillettenschirmen“ aber zweifelhaft.Schirme sind in Hessen und derzeit ganz besonders in Hanau ein großes Thema geworden.

Eine Kommune nach der anderen schlüpft unter den finanziellen „Rettungsschirm“ des Landes Hessen und unterwirft sich damit einem strengen Sparregime.Auch Leistungen im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) fallen dabei angeblich unvermeidlich

unter die Sparauflagen. In Hanau aber soll in genau dieser Situation der neue Freiheitsplatz mit teuren Designunterständen von zweifelhaftem Nutzwert für die wartenden Fahrgäste möbliert werden, während andererseits Busfahrten ausgedünnt

werden. Für dieses Vorgehen fehlt dem Fahrgastverband PRO BAHN jedes Verständnis. Wie der primäre Nutzen für die Reisenden, also der Schutz vor Sonne,

Wind und Regen mit dieser abstrusen Konstruktion vernünftig erfüllt werden soll, erschließt sich dem Regionalverbandsvorsitzenden Thomas Schwemmer nicht:

Bei den fünf Meter hohen Schirmen bieten selbst zwei oder sogar drei Meter hohe Glaswände nicht einmal an der Rückseite der Sitzbänke einen passablen Witterungsschutz

.

Der Wind  wird Regen und Schnee auf die wartenden Fahrgäste treiben. Und im Sommer werden die verglasten Schirme keinen brauchbaren Schatten werfen. Die Forderung des Verbandes lautet: Fahrgastunterstände sollen in erster Linie den Zweck erfüllen, die Fahrgäste vor Witterungseinflüssen zu schützen, während sie auf

den nächsten Anschluss warten. Trocken stehen und sitzen zu können ist, entgegen der Meinung der Architekten, für den Wartenden also sicher das ausschlaggebende Kriterium für die Gestaltung eines Wartehäuschens. „Schönheit ist nicht das ausschlaggebende Kriterium, Funktionalität ist gefragt!“. Weiterhin bleiben die Architekten die Begründung für Ihre Aussage schuldig: „Buswartehäuschen aus

dem Katalog könnten schon aus technischen Gründen auf den sechs Meter breiten Bussteigen nicht aufgestellt werden“

.

Mancher Bürgersteig ist schmaler und das Wartehäuschen, für das es übrigens vom RMV und Hessen Mobil verbindliche Vorgaben gibt, die zudem Grundlage einer finanziellen Förderung sein können, finden anderorts ausreichend Platz.

 

2 Es bleibt zudem abzuwarten, wie lange die Glasdächer intakt bleiben. Für die teuren Unikate müssen ggf. kostenintensiv maßgeschneiderte Ersatzteile beschafft werden

.

Die Reinigung wird, Dank der überlappenden Schirme, äußerst aufwendig werden.

Ergänzungen durch weitere Schirme wären ebenfalls teuer anzuschaffende Sonderanfertigungen. Stattdessen sollten moderne, funktionale und trotz

dem ansehnliche Buswartehäuser aus dem Standardprogrammen der entsprechende Hersteller beschafft werden, meint PRO BAHN

.

Diese könnten dann, im Gegensatz zum Paillettenschirm, zusätzlich Werbung tragen und somit sogar noch Geld erwirtschaften! Und für die Platzgestaltung und das Stadtklima sind echte, lebendige Bäume sicher nützlicher als dieser mangelhafte künstliche Ersatz. Noch ist Zeit, das Gestaltungskonzept des Platzes anzupassen.

Der Fahrgastverband PRO BAHN wendet sich daher nachdrücklich gegen diese

absehbare Fehlinvestition und appelliert an die Verantwortlichen, die Bedürfnisse der

Fahrgäste und Bewohner der Stadt über Designfragen zu stellen.

 

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