S-Bahn-Tunnelsperrung in Frankfurt am Main – Sperrung in den Sommerferien 2015 ist vorüber – weitere werden folgen – was hat geklappt, was nicht?

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Halbzeit der Tunnelsperrung in Frankfurt Main
Das große Chaos blieb aus – Informationen der Reisenden noch verbesserungsfähig

Jetzt fahren wieder S-Bahnen über die Stammstrecke und durch den Tunnel unter Frankfurts Innenstadt. Zeit für ein kurzes Resümee.

Der Ersatzfahrplan brachte nicht nur mit den geänderten Fahrplänen der U- und Straßen-Bahnen Ungewohntes mit sich, sondern auch durch teilweise angepasste Linienwege. So fuhr die U5 nur auf der Teilstrecken damit die U4 jeweils mit zwischenzeitlich 10 im Einsatz befindlichen 4 Wagenzügen dauernd und in engem Takt alle 5 Minuten den U-Bahn Tunnel nutzen und die Hauptlast des Verkehrs in die Innenstadt tragen konnte. Auch Straßenbahnen sollten Verkehre aufnehmen, von der Galluswarte (Endpunkt des Nordastes der S3/S4) fuhren die Linien 11 & 21 öfter um den Anschluss, zusätzlich zur in den Hauptbahnhof durchfahrenden S6/S5 an den Regional und Fernverkehr sicherzustellen.

Alle diese Ersatzmöglichkeiten waren in den Hauptverkehrszeiten schlicht überfüllt, längere Fahrgastwechsel brachten die verengten Takte durcheinander. In dieser Situation wurden die Schwachpunkte des bestehenden, sternförmigen S- & U-Bahnnetzes offensichtlich, wurde die Notwendig für die Nordwesttangente und eine zusätzliche Ringbahnlinie der Tram überdeutlich. Das existierende Netz ist voll, in diesen Situationen sogar massiv überlastet.

Jedoch nicht nur die Baustelle im Tunnel Frankfurt sondern auch mehrere weitere, die Ferienzeit nutzende Baumaßnahme, die mit Verlegung oder Ausfall von Bushalten aber auch U-Bahnteilabschnitten (U3 Oberursel/U2 Bad Homburg) einhergingen, machten den Pendlern in Frankfurts Metropole das Leben schwer.
Damit verlängerten sich für viele Pendler die Fahrtzeiten um bis zu einer Stunde für den täglichen Weg ins Büro mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Beschäftigte in der Bürovorstadt und an den anderen Standorten am Stadtrand wichen verstärkt auf das Auto aus und profitierten vom geringeren Straßenverkehr wochentags in der Ferienzeit.

Große Firmen haben streckenweise selbst reagiert und ihre Mitarbeiter mit Aushängen ausführlich über alternative Fahrtmöglichkeiten an ihre Arbeitsstätten mit Bus und Bahn informiert oder sogar eigene Pendelverkehre zwischen Ihren Standorten in der Innenstadt und am Stadtrand eingerichtet. Auch wurde von zusätzlich organisiertem Parkraum für die Mitarbeiter berichtet.

Zusätzlich erschwert wurden den Pendlern das Leben durch die Hitze und deren Folgen. Am Wochenende 08./09.08.15 fielen Bahnen im Regional- und Fernverkehr wegen hitzebedingter Gleisverwerfungen an der Galluswarte und der Mainneckarbrücke aus, der Fernverkehr lief zum Teil über den Südbahnhof, der Regionalverkehr Richtung Süden war stark behindert, die S–Bahn nach Kronberg entfiel am Sonntag ganz.

Größtes Problem war wieder einmal, trotz guter Ansätze, die Fahrgastinformation vor Ort und im Detail. Eine extra Webseite und die Onlineauskunft des RMV sind schlicht nicht ausreichend. Leider leistete sich die DB hier wieder besondere Schwächen. Die Bahn schaffte es zum Beispiel nicht in den S3/S4 Zügen den korrekten Endpunkt Galluswarte der Züge in der dynamischen Zugzielanzeige darzustellen, stattdessen wurde der Hauptbahnhof als Fahrtziel ausgewiesen. Erst am Westbahnhof und der Messe wiesen die Triebfahrzeugführer die Fahrgäste auf die weiteren Umstände und den Ersatzverkehr hin. Bei der S4 erfolgte am Südbahnhof nur die Standardansage: der Zug endet hier.
Beim Thema Ansagen in der S-Bahn – wie man denn nun weiterkommt – weitgehende Fehlanzeige.
Teilweise wurden vom Ersatzverkehr Stationen (Ostendstraße) gar nicht erst angefahren, ein Problem besonders für gelegentliche Nutzer und Ortsfremde.
Die „dynamischen“ Anzeigen an Bahnsteigen zeigten nur lapidar „Kein S-Bahnbetrieb“. Wer das las konnte meinen, dass generell keine S-Bahnen fahren. Zur schnellen Information wäre es ein leichtes gewesen ergänzend zu schreiben „S-Bahnen verkehren ab Frankfurt Hbf, Frankfurt-Süd und Kaiserlei – bitte Aushänge beachten“.

Mehr Informationen, Ersatzlinienpläne und Fahrpläne usw. wären angebracht um den Fahrgästen die Entscheidung über das weitere Fortkommen zu erleichtern – wie sollte man wissen ob es jetzt günstiger ist an der Galluswarte auf die S5/S6 in Richtung Hauptbahnhof zu warten oder besser mit der Tram weiter zu fahren um den Anschluss noch zu erwischen oder in Offenbach Ost die Weiterreise mit den Bussen zu prüfen ?
Wegweisungen zum Schienenersatzverkehr fehlten teils, da war der nette, groß und häufig plakatierte Maulwurf kein Ersatz
Akustische Informationen auch im Zug akustisch waren Mangelware, selbst die kostengünstig zur Verfügung stehenden Kanäle, wie automatische Ansagen in den Zügen (z.B. alle 10 Minuten oder vor der Einfahrt in den Tunnel) oder Anzeigen auf den Displays in den S-Bahnzügen statt der immer gleichen Werbebanner wurde nich genutzt – absolut unverständlich !

Das es anders geht bewiesen die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB): Hinweise auf die S-Bahntunnelsperrung mit Umsteigeempfehlungen wurden in ihre Haltestellenansagen integriert. Überall wo sonst in die S-Bahn umgestiegen werden kann gab es den Hinweis auf die Sperrung. Zudem wurde auf den Offenbacher DFI-Anzeigen mit Laufschriften auf die Tunnelsperrung und die zusätzlichen Ersatzbuslinien informiert.

Eine gute Idee war das eingesetzte Personal, insbesondere am Hauptbahnhof , in den ersten Tagen auch z.B. an der Galluswarte – als „Fahrgastlenker“ / Auskunft an den Bahnsteigen. Gerade am Hauptbahnhof hatte die Bahn wieder einmal an der Beschilderung gespart, Klappschilder am Querbahnsteig waren im Gedränge verloren, Hinweise insbesondere auf die aus der Halle verkehrenden S-Bahnen zum Flughafen und den sonstigen Ersatzverkehr fehlten auf den Fernbahnsteigen um insbesondere den Fernreisenden aber auch umsteigenden Pendlern aus der Region schnell weiterzuhelfen. Das ist insbesondere wegen des langen Vorlaufes für die Baustelle unverständlich.

Den Forderungen aus Teilen der lokalen Politik, während der Bauzeit nur den halben Fahrpreis zu verlangen oder Jahreskarteninhabern einen Monatspreis zu erstatten stand die „Entschuldigung“ des RMV an Jahreskartenbesitzer der Wabe 50 / Frankfurt mit Taxigutscheinen zu 15€ entgegen. Es wurden insgesamt 65.000 Gutscheine verschickt.

Das Fazit bleibt also gespalten: während der Ersatzverkehr trotz Überfüllung und teilweise hakeliger Technik recht ordentlich funktioniert, gelang es den Verantwortlichen und Beteiligten am ÖPNV im Großraum trotz der langen Vorbereitungszeit nicht den Fahrgast wirklich umfassend und verständlich zu informieren. Dabei haperte es oft an leicht und kostengünstig zu behebenden „Kleinigkeiten“ wie aussagekräftige Schilder und informativen Aushängen am rechten Platz bzw. ging um es schnell zu behebende und unverständliche Versäumnisse wenn noch nicht mal die vorhandene Technik genutzt wird. In diesem Licht betrachtet sind die hohen Zugriffszahlen auf die Webseite sbahnbaustelle.de ein Lichtblick aber keine reine Erfolgsstory – sondern auch ein Zeichen, dass die übrigen Informationskanäle nicht ausreichend bedient wurden.

Information darf keine Holschuld des Fahrgastes sein, sondern eine Bringschuld der Verkehrsunternehmen !
Wir wollen hoffen, dass hier für das nächste Jahr die Lehren gezogen werden und anhand der jetzt gemachten Erfahrungen nachgearbeitet wird.

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