Neue Chance für stillgelegte Bahnstrecken landesübergreifend zwischen Hessen und Thüringen?

Bahnstrecke mit bewegter Geschichte zwischen Ost und West.

Der osthessische Raum im Landkreis Hersfeld-Rotenburg war aktuell das Ziel einer Exkursion des Fahrgastverbandes PRO BAHN. Im östlichen Teil des Landkreises, im Gebiet an der Landesgrenze zu Thüringen gibt es einige stillgelegte Bahntrassen. So inspizierte man auch den stillgelegten Teil der Bahnstrecke Gerstungen – Vacha, mit Beginn und Ende in Thüringen, die aber auch auf hessischem Gebiet verläuft.

Der Verlauf der Werratalbahn in der Topografischen Karte.

Der Verlauf der Werratalbahn in der Topografischen Karte.

Zwischen dem thüringischen Gerstungen und dem hessischen Werk Hattorf von Kali und Salz (K+S) gibt es noch einen umfangreichen Güterverkehr mit Salz-Zügen, der nur an Wochenenden ruht. Nach einer Anwohnerklage wurde die Zahl der Güterzüge allerdings auf vier pro Tag begrenzt. Zwischen dem Kaliwerk bei Hattorf und Vacha ist die Strecke stillgelegt.

Die PRO BAHN Aktiven Siegfried Wagenländer (PRO BAHN Bayern), Helmut Lind und Werner Filzinger (beide PRO BAHN Hessen) sowie Bernd Schlosser (PRO BAHN Thüringen) inspizierten zwischen dem hessichen Philippsthal und dem thüringischen Vacha die Gleisanlagen. Teilweise fehlen dort die Schienen. Es ist auch nicht klar, ob die Trasse auf hessischer Seite reaktivierbar ist. Sie ist zwar nicht überbaut, in Philippsthal stehen aber zwei neue Gebäude sehr nahe an der Trasse. Ob dort jemals wieder Züge fahren, ist ungewiss.

Der Stellv. Landesvorsitzende von PRO BAHN Hessen, zusammen mit Siegfried Wagenländer von PRO BAHN Bayern auf dem Gelände am alten Bahnhof von Philippstal.

Der Stellv. Landesvorsitzende von PRO BAHN Hessen, zusammen mit Siegfried Wagenländer von PRO BAHN Bayern auf dem Gelände am alten Bahnhof von Philippstal.

Die Strecke zwischen den thüringischen Gemeinden Gerstungen und Vacha war während der deutschen Teilung ein Politikum, da das etwa 16 Kilometer lange Mittelstück der insgesamt 22 Kilometer langen Strecke über hessisches Gebiet führt. Die westdeutsche Kaliindustrie fuhr ihre Züge über den DDR-Grenzbahnhof Gerstungen in die Bundesrepublik Deutschland ab. Diese Route wurde aus politischen Gründen aber immer wieder gesperrt. Dann wurden die Güterzüge über die bei Heimboldshausen abzweigende Strecke der Hersfelder Kreisbahn über Schenklengsfeld nach Bad Hersfeld geführt. Diese Verbindung gibt es inzwischen nicht mehr. Dort wurde der Verkehr in den 1990er Jahren eingestellt.

Dennoch darf auch mal visionär gedacht werden. Die industriell geprägte Region hat sicherlich weiteren Bedarf als nur die Stichverbindungen, so wie sie heute nur noch bestehen. Es gilt andererseits, dem Bevölkerungsschwund, wie er sich in der bundeslandübergreifenden Region aktuell entwickelt, entgegen zu treten. Der Raum Philippsthal, Vacha, Bad Salzungen hat keinen unmittelbaren Anschluss an schnelle Fernverkehrsstraßen. Da bietet die Bahn durchaus eine Alternative, sofern eine integriertes vernetztes Konzept ausgebaut und entwickelt wird. Das gilt aber auch über die Trasse der Werratalbahn hinaus, so z.B. über Bad Salzungen, das obere Werratal und Südthüringen bis nach Franken. In die andere Richtung bietet sich eine Vernetzung über Gerstungen hinaus bis nach Bebra und weiter nach Nordhessen an.

Auf dem alten Bahndamm zwischen Philippsthal und Vacha die Herren Schlosser (LV Thüringen), Filzinger (LV Hessen) und Wagenländer (LV Bayern).

Auf dem alten Bahndamm zwischen Philippsthal und Vacha die Herren Schlosser (LV Thüringen), Filzinger (LV Hessen) und Wagenländer (LV Bayern).

Um hier Klarheit zu bringen, hat der PRO BAHN Landesverband Hessen bei dem zuständigen Regierungspräsidium Kassel eine Anfrage laufen. Der Fahrgastverband PRO BAHN hat hier landesübergreifend mit seinen Verbandsstufen großes Interesse, mit der Bevölkerung und den Verantwortungsträgern in einen konstruktiven Dialog einzutreten.

Aber nicht nur die Grenzregion zwischen Hessen und Thüringen ist für den PRO BAHN Regionalverband von Osthessen von großem Interesse. Voraussichtlich im März wird es eine Exkursion nach Niederaula geben. Hier wird seit längerem diskutiert, die Bahntrasse der Gründchensbahn (Bad Hersfeld-Alsfeld), welche in einem Teilabschnitt noch existiert und unter der Schnellfahrstrecke Hannover-Kassel-Fulda-Würzburg hindurchführt, für eine Ausfädelung von der Schnellfahrstrecke in den Bahnhof Bad Hersfeld zu nutzen. So könnte die Fahrtzeit für ICE von Frankfurt am Main über Fulda und Bad Hersfeld nach Erfurt deutlich verkürzen. Hierzu aber zu gegebener Zeit mehr.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>