Wie bekommt man aus einer klassischen Straßenbahnstrecke eine u-bahn-taugliche Verbindung hin?

Haltestellen Musterschule und Glauburgstraße der U5 werden zu barrierefreien, 80cm hohen Verkehrsstationen umgebaut.

Seit Jahrzehnten ist die Eckenheimer Landstraße in Frankfurt in der Diskussion. Liegt doch hier aus der Zeit vor dem U-Bahn-Bau in der Mainmetropole zwischen der Eschenheimer Anlage und der Einmündung Oeder Weg, kurz vor dem Alleenring in Höhe der Deutschen Nationalbibliothek eine klassische Straßenbahntrasse mitten in der Fahrbahn zwischen Asphalt und Pflaster.

Die Haltestelle Musterschule in der Eckenheimer Landstraße, Bustelle am 02.04.2016 - hier entsteht ein Hochbahnsteig, bislang gings von der Fahrbahn in den Zug der U5.

Die Haltestelle Musterschule in der Eckenheimer Landstraße, Bustelle am 02.04.2016 – hier entsteht ein Hochbahnsteig, bislang gings von der Fahrbahn in den Zug der U5.

Schon vor Jahrzehnten sollte die Bahn hier unter der Erde liegen. Die Rampe aus dem Untergrund aus Richtung Konstablerwache, mitten in der Grünanlage der Eschenheimer Anlage gelegen, sollte Ende der 1970er Jahre nur vorübergehender Natur sein. Das Konzept der seinerzeitigen Magistrate und Stadtverordnetenversammlungen lautete „schienenfreie Innenstadt“ und so sollte der U-Bahn-Tunnel in der Eckenheimer Landstraße weiter Richtung Norden, unter den Allenring hinweg geführt werden, damit man dort an die Gleistrasse mit eigenem Bahnkörper anschließen konnte.

Baustellen-Hinweistafel Eckenheimer Landstraße - 2016-04-02

Nun ist es anders gekommen, es kamen diverse Kommunalwahlen, die Ausrichtung der verkehrspolitischen Einstellung änderte sich. Die Grünen zogen in den 1980er Jahren erstmals in den Magistrat ein, die schienenfreie Innenstadt war Vergangenheit. Der weitere U-Bahn-Bau stoppte. Lediglich die sog. C-Achse der heutigen Linien U6 und U7 wurde bis Ende der 1980er Jahre fertig gestellt. Zur Wende in der Verkehrspolitik kam zunehmend die Verschuldung der öffentlichen Haushalte, insbesondere der Metropolen und Oberzentren in Deutschland. Große Projekte, so der Schienennetzausbau stockte fortan. Über all dem überdauerte die „provisorische Rampe“ in der Eschenheimer Anlage, mitten in der alten Wallanlage der Stadt Frankfurt. 1978 existierte bereits eine „Zwitterlinie“ mit der Bezeichnung „U5“. Sie führte durch den sog. B-Achsen-Tunnel vom Hauptbahnhof am Dom/Römer und die Konstablerwache, kam in der besagten Eschenheimer Anlage über die Rampe an die Oberfläche und führte „in einer völlig anderen Welt“ auf der Eckenheimer Landstraße als klassische Straßenbahn, weiter nördlich zwar auf eigenem Bahnkörper aber durchgehend oberirdisch bis nach Preungesheim. Mitten drin lagen die Haltestellen „Musterschule“ und „Glauburgstraße“, während die Fahrgäste an der Konstablerwache noch barrierefrei ein- und aussteigen, fuhren an den nächsten Haltestellen die Stufen der Schienenfahrzeuge aus und man musste auf Asphaltniveau aussteigen, wie bei einer Straßenbahn eben. Dieser Zustand bestand so gut 34 Jahre lang bis im Jahr 2012. Immer wieder wurde sich über die Eckenheimer Landstraße unterhalten. Die politischen Farbenspiele wechselten, es schien so, als würde sich das Provisorium nicht mehr ändern.

In Bewegung kam alles dann wieder in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts. Einerseits wird seither die Verlängerung der U5 ab Preungesheim diskutiert, um rund 1,8 km nach Norden zum Frankfurter Berg zu verlängern und dort an die gleichnamige S-Bahn-Station anzubinden, so dass man in die S 6 Richtung Bad Vilbel und Friedberg umsteigen kann. Eine Realisierung wurde verschoben, ist aktuell für das Jahr 2018 vorgesehen. Am anderen Ende der U5 soll sich in den nächsten 5 Jahren auch etwas tun. Das auf dem ehemaligen zentralen Güterbahnhof entstehende Europaviertel mit neuen Wohn- und Geschäftshäusern mit rund 4.000 Einwohnern und rund 30.000 Arbeitsplätzen soll durch die ca. 2,8 km ab dem Hauptbahnhof nach Westen verlängerte U5 nahverkehrstechnisch erschlossen werden.

Auch die Schienen werden in dem Streckenabschnitt ausgetauscht.

Auch die Schienen werden in dem Streckenabschnitt ausgetauscht.

Hierdurch hat sich der Druck auf den mittleren Streckenabschnitt der U5 in der Eckenheimer Landstraße mehr und mehr erhöht. Zwischendurch war sogar darüber nachgedacht worden, die U5 aufzuteilen und den Bereich der Eckenheimer Landstraße in das klassische Straßenbahnsystem mit Niederflurfahrzeugen, wie dies bereits in der Friedberger Landstraße mit den Linien 12 und 18 besteht, einzubinden. Dies wurde jedoch verworfen und dagegen soll die U5 in ihrem Bestand gesichert werden. Nachdem bereits 2014 die Haltestelle „Deutsche Nationalbibliothek“ mit 80 cm-Bahnsteigen und damit barrierefrei ausgebaut wurde, laufen nach und nach die Ausbauten der Haltestellen nördlich des Alleenrings bis nach Preungesheim.

Seit dem 29.03.2016 läufts nun auch endlich im Straßenbahnausbauabschnitt der Eckenheimer Landstraße zwischen der Eschenheimer Anlage und dem Alleenring rund. Die Haltestellen Musterschule und Glauburgstraße werden mit barrierefreien Seitenbahnsteigen ausgebaut. Diese werden jedoch versetzt angelegt, um den Straßenraum nicht zu sehr einzuengen. Weiter nördlich wird noch eine im klassischen, alten Ausbau befindliche Station aufgegeben, so dass nach Fertigstellung der Stationen Musterschule und Glauburgstraße nur noch U5-Stadtbahnwagen, analog der U4 eingesetzt werden können. Dann endet auf der Gesamtstrecke der U5 über 4 Jahrzehnte andauerndes Provisorium.

An der Haltestelle Deutsche Nationalbibliothek an der Kreuzung Alleenring/Eckenheimer Landstraße gibt es schon eine Haltestelle mit Hochbahnsteigen für die U5.

An der Haltestelle Deutsche Nationalbibliothek an der Kreuzung Alleenring/Eckenheimer Landstraße gibt es schon eine Haltestelle mit Hochbahnsteigen für die U5.

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