PRO BAHN zum Bus-Betreiberwechsel im Vorder- und Hochtaunus zum 11. Dezember 2016

Der PRO BAHN Landesverband Hessen e.V. bezeichnet die Zustände beim Betreiber-wechsel des Buslinien-Netzes im Vorder- und Hochtaunus als die katastrophalsten seit es Linienverkehre in Deutschland gibt. Zugegeben, man war in der Region mit dem bisherigen Dienstleister, der HessenBus, einem Tochterunternehmen der Hessischen Landesbahn, was Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Freundlichkeit der Fahrer und Sauberkeit der Fahrzeuge betrifft in der letzten 10 – 20 Jahren im Gegensatz zu anderen Regionen im RMV mehr als verwöhnt. Umso härter und umso unvorbereitet trifft es nun die Pendler im Main- und Hochtaunus-Kreis. Zwar waren zumindest die Insider ob des misslungenen Startes der DB Bustochter im Frankfurter Westen und beim Stadtverkehr Kronberg im vergangenen Dezember vorgewarnt. Was aber dann eintrat, schlägt deutschlandweit alle Negativrekorde.

Die Ausschreibung der Busverkehre in dieser Region zum Fahrplanwechsel haben zum großen Teil der Busverkehr Hessen (BVH), eine Tochter der DB AG und die Firma Transdev, ein europaweit als Verkehrsdienstleister tätiges Unternehmen mit Ursprung in Frankreich, sowie in stark abgespeckter Form die HLB gewonnen. Die Fahrpläne der Buslinien blieben im Wesentlichen unverändert, wurden in Einzelfällen lediglich leicht modifiziert bzw. um zwei Schnellbuslinien erweitert. Die erprobten Fahrpläne sind also ohne jede Einschränkung „fahrbar“ und können nicht als Ausrede herangezogen werden.

Während der Betrieb am ersten Gültigkeitstag des neuen Konzeptes, einem Sonntag, erfreulicherweise problemlos verlief, brach am darauf folgenden ersten Werktag das absolute Chaos aus. Auf einige Linien fielen zwei von drei Fahrten den kompletten Tag über aus. Oft verkehrte beim 30-Minutentakt nur alle zwei Stunden ein Bus. Die Zielanzeiger bei den Linien des BVH und die Fahrscheindrucker in den Bussen versagten ihren Dienst.

Schüler machten sich also zu Fuß auf bis zu drei Kilometer langen Weg zu den Schulen oder mussten sich von den Eltern chauffieren lassen. Beschäftigte erreichten ihre Arbeitsstätte nur mit Mühe und mit empfindlicher Verspätung. Busfahrer kannten den Linienweg nicht und mussten oft genug die Fahrgäste um Hilfe bitten. Die Busse, die vereinzelt fuhren, hatten und haben immer noch Verspätungen von bis zu 35 Minuten. Um nicht noch mehr Verspätungen einzufahren, haben die Fahrer in aller Regel den Fahrscheinverkauf eingestellt.

Inzwischen hat sich der BVH bei den Fahrgästen entschuldigt und bietet allen Fahrgästen, die von einem Fahrtausfall auf Grund von „unerwarteten Anlaufschwierigkeiten“ betroffen sind, eine „kulante Prüfung ihres Anliegens“ zu. Fahrt- oder Taxikosten werden bei Vorlage der Belege unbürokratisch erstattet. Dafür genügt eine E-Mail mit der gewünschten Kontoverbindung an: BVH-Kundenservice-Taunus@deutschebahn.com. Die Firma Transdev gibt als Grund für das Desaster das hohe Verkehrsaufkommen im Rhein-Main-Gebiet an.

Inzwischen hat sich der BVH bei den Fahrgästen entschuldigt und bietet allen Fahrgästen, die von einem Fahrtausfall auf Grund von „unerwarteten Anlaufschwierigkeiten“ betroffen sind, eine „kulante Prüfung ihres Anliegens“ zu. Fahrt- oder Taxikosten werden bei Vorlage der Belege unbürokratisch erstattet. Dafür genügt eine E-Mail mit der gewünschten Kontoverbindung an: BVH-Kundenservice-Taunus@deutschebahn.com. Die Firma Transdev gibt als Grund für das Desaster das „unerwartet“ hohe Verkehrsaufkommen im Rhein-Main-Gebiet an. Mit dieser fadenscheinigen Ausrede macht sich das Unternehmen selbst lächerlich.

Fest steht, dass beide Unternehmen den Wechsel auf die leichte Schulter genommen haben und darauf bauen, dass die drei Auftraggeber, der RMV, die MTV und der VHT, entsprechend im Vorfeld veröffentlichten Ankündigungen, den Neulingen großzügig eine gewisse Toleranz bei der Erfüllung der vertraglichen Aufgaben in der Startphase einräumen. Wohlweislich wieder einmal auf dem Rücken der Fahrgäste. Wie lange die derzeitige Misere andauern wird, darüber halten sich sich RMV und MTV derzeit bedeckt. Nach Ende des ausgedünnten Weihnachtsverkehrs wird es dann wieder heißen „Fortsetzung folgt“.

Immerhin hat der RMV am 15. Dezember 2016 abends eine Liste auf seiner Homepage mit rund 90 Fahrten veröffentlicht, die am folgenden Tag ausfallen werden, darunter, zur Verwirrung der Fahrgäste auch so genannte Leerfahrten. Auch stark betroffen von den Ausfällen ist das Prestigeobjekt des RMV, der Schnellbus X27, teilweise unter der Liniennummer 127 unterwegs. Entgegen der Ankündigung werden die stornierten Fahrten in der elektronischen Verbindungsauskunft des RMV aber als reguläre Fahrten angezeigt, da aufgrund eines seit mehr als zehn Jahren bekannten Programmierfehlers auch gecancelte Kurse im System als planmäßig aufgeführt werden. Hilfreich und international üblich wäre der direkte Hinweis: „Fahrt fällt aus“. Allerdings findet sich im Internet der Verweis auf die pdf-Tabelle des BVH der voraussichtlich ausfallenden Fahrten.

Da der Markt mit qualifizierten Busfahrern seit Jahren äußerst angespannt ist, hat Transdev in der Not eine Vielzahl von Fahrern eingestellt, die der deutschen Sprache auch nicht nur annährend mächtig sind. Diese werden auch in absehbarer Zukunft nicht in der Lage sein, Auskünfte zu erteilen, geschweige denn den komplizierten RMV-Tarif zu beherrschen, also Fahrscheine korrekt zu verkaufen oder in Ausnahmesituationen angemessen zu reagieren. Die Diskussionen in den entsprechenden Internetforen und die Häufung der Beschwerden beim RMV, den beiden anderen Bestellern und bei den Busunternehmen selbst, sowie die Presseberichte sprechen eine eindeutige Sprache: Traurig und auf der anderen Seite nicht nachvollziehbar, dass eine Industrienationen wie Deutschland sich bei der Organisation des ÖPNV auf den Stand von Schwellenländern herablässt.

Das Kind ist nun einmal in den Brunnen gefallen. Es führt jetzt kein Weg daran vorbei, die betroffenen Fahrgäste in angemessener Weise pauschal zu entschädigen. Nur die wenigsten werden erfahrungsgemäß davon Gebrauch machen, um Erstattung der Taxikosten nachzusuchen. Barzahler, die beim Busfahrer vergeblich einen Fahrschein lösen wollen, fahren in aller Regel derzeit sowieso kostenlos. Angemessen wäre es also, den betroffenen Zeitkarteninhabern, also die am meisten betroffene Gruppe der Stammkunden, eine gebührende Entschädigung zukommen zu lassen.

Für die Zukunft sollten die Besteller Vorkehrungen treffen, dass sich solche Vorfälle nicht mehr wiederholen können und Betreiber, die über Lohndumping versuchen, den Markt aufzubrechen, bei der Vergabe genauer auf deren Leistungsfähigkeit hin – wie in Bayern Usus – überprüft werden und die alten Betreiber, sofern deren Leistungen während der Vertragsdauer zufriedenstellend waren, bei der Vergabe einen Vertrauensbonus zugebilligt bekommen. Die Frage, ob es seitens der EG-Kommission glücklich war, den Fahrplanwechsel europaweit in den Winter und auf die Zeit vor Weihnachten zu legen, sollte einmal getrennt davon behandelt werden.

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