Umbau Bhf. Niederwalgern – PRO BAHN Mittelhessen sieht geforderte Mitfinanzierung durch Kommune kritisch und setzt sich für eine Durchbindung der geplanten Personenunterführung ein.

Gemeinde Weimar (Lahn) stimmt für den geplanten Umbau im Jahr 2019 mit den vorgesehenen Konditionen.

Zu seinem routinemäßigen Fahrgaststammtisch Marburger Land traf sich am 15.02.2017 der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen in Marburg. Niederwalgern war eines der Themen des Abends.

Der Bahnhof Niederwalgern von der Ostseite mit den Bahnsteigen der Main-Weser-Bahn

Der Bahnhof Niederwalgern von der Ostseite mit den Bahnsteigen der Main-Weser-Bahn

Der Bahnhof Niederwalgern, südlich von Marburg an der Main-Weser-Bahn Kassel-Gießen-Frankfurt (Main) gelegen, soll umgebaut werden. Das ist seit längerem bekannt und auch nötig. Der PRO BAHN Landesverband Hessen hat diesen Haltepunkt schon mehrmals als Thema aufgegriffen. Der bauliche Zustand der Gesamtanlage ist aus dem Dampflokzeitalter, der einstige Kopfbahnhof mit der abzweigenden ehemaligen Aar-Salzböde-Bahn noch deutlich erkennbar.

In einem im August 2011 seitens des Landes Hessen und der Deutschen Bahn vorgestellten Programm ist der Bahnhof Niederwalgern enthalten. Es handelte sich um 92 Stationen, welche im Zeitraum von 2011 bis 2019 saniert werden sollen. PRO BAHN hat ermittelt, dass von diesen Stationen aktuell Anfang 2017 gut 35% saniert sind oder sich in der Sanierung befinden. Das Land Hessen hatte 2011 auch erheblichen Nachholbedarf. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gab es hier außerhalb des Netzes der S-Bahn Rhein-Main kaum einen barrierefreien Bahnsteig, quasi keine Stationen im Regionalstreckennetz der Deutschen Bahn hatte das Maß von 55 cm über Gleisoberkante.

So ist die Situation heute noch in Niederwalgern. Dies soll sich nun ändern und so befasste sich die Gemeindevertretung von Weimar (Lahn), zu dieser Kommune gehört Niederwalgern seit 1974. Der Umbau sieht vor, anstelle des schmalen Mittelbahnsteigs für Fahrgäste in Richtung Marburg/Kassel an Gleis 2 einen umfassenden Neubau zu errichten. Die Fahrgäste dürfen nur auf die Bahnsteige, wenn der jeweilige Zug einfährt, der Bereich ist durch eine Schranke gesichert. Es kann, wenn auf Gleis 2 ein Personenzug steht, kein weiterer Zug in den Bahnhof einfahren. Es gibt östlich direkt neben dem Gleis 2 noch ein Gleis 3, welches als Überholgleis dient.

Daher sollen die Gleise 2 und 3 auf eine neue Lage gebracht werden. Das Gleis 2 wird dann parallel zu Gleis 1 ohne einen dazwischen liegenden Baukörper eingebracht und zwischen den Gleisen 2 und 3 wird ein neuer Mittelbahnsteig mit 6,10 m Breite und 240 m Länge und 55 cm Höhe über Gleisoberkante errichtet.

Der Hausbahnsteig für Gleis 1 wird ebenfalls neu errichtet und auf die Maße 240 m Länge und 55 cm Höhe gebracht.

Dadurch ist es möglich, künftig in Niederwalgern auf den Gleisen 1, 2 und 3 Personenzüge halten und Fahrgäste aussteigen zu lassen. Das ermöglicht dann auch, dass durchfahrende Züge in beide Richtungen den Bahnhof Niederwalgern ohne Halt passieren können, während ein Regionalzug zum Ein- und Aussteigen gerade hält.

Der neue Mittelbahnsteig für die Gleise 2 und 3 soll durch eine neu zu bauende Unterführung mit dem Bahnhofsumfeld verbunden werden. 2 Aufzüge sollen die Barrierefreiheit herstellen.

Was mit dem ehemaligen Gleis- und Bahnsteigbereich der Gleise 4 und 5 der ehemaligen Aar-Salzböde-Bahn passiert, wo die Gleise vor sich hin rotten und die Hof- und Bahnsteigflächen verrotten, das steht in den Sternen.

Die Gemeindevertretung Weimar (Lahn) hat nun den Beschluss gefasst, die seitens der Deutschen Bahn geforderte Mitfinanzierung vorzunehmen. Aus Sicht der Deutschen Bahn ist aufgrund der Einsteigerzahlen keine Barrierefreiheit erforderlich und wenn sie von der Kommune gewünscht wird, muss aus DB-Sicht für den Umbau in Niederwalgern eine kommunale Mitfinanzierung von 200.000 € plus 70.000 € Planungskosten erfolgen. Die Gemeinde Weimar (Lahn) stellt dieses Geld nun zur Verfügung.
PRO BAHN Regionalsprecher Reinhard Ahrens, der in Weimar (Lahn) für Bündnis 90/Die Grünen einen Sitz in der Gemeindevertretung hat, argumentiert gegen die Mitfinanzierung. Bei dem Fahrgaststammtisch am Mittwoch, den 15.02.2017 in Marburg wurde der Ausbau in Niederwalgern ebenfalls thematisiert. Der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen sieht es ebenfalls als sehr kritisch an, dass in fast allen Fällen seitens der DB versucht wird, die staatlichen Ebenen zur Mitfinanzierung heranzuziehen, obwohl es sich eindeutig um eine Anlage der Deutschen Bahn bzw. der Bundesrepublik Deutschland als 100% Eigentümer der DB handelt. In Bezug auf die Barrierefreiheit, welche für Niederwalgern ja als Grund der Mitfinanzierung ins Feld geführt wird, handelt es sich nach der Recherche von PRO BAHN um einen Missachtung des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes von 2002, wonach „die Eigentümer“ verpflichtet sind, für die baulichen Maßnahmen zur Herstellung der Barrierefreiheit generell aufzukommen.

Nichtsdestotrotz, es gibt nun eine Mehrheit in Weimar (Lahn), dass nach so vielen Jahrzehnten endlich wieder etwas am Bahnhof Niederwalgern passiert. Die letzte Investition in neue Bahnstationsinfrastruktur dürfte aus dem Jahr 1967 stammen, als die Main-Weser-Bahn elektrifiziert wurde.

Der Bahnhof Niederwalgern, man sieht noch die Bauart als Keilbahnhof. Links ist die Main-Weser-Bahn mit den Gleisen 1, 2 und 3, auf der rechten Seite die stillgelegte Aar-Salzböde-Bahn.  Die Gesamtanlage ist ein Sanierungsfall.

Der Bahnhof Niederwalgern, man sieht noch die Bauart als Keilbahnhof. Links ist die Main-Weser-Bahn mit den Gleisen 1, 2 und 3, auf der rechten Seite die stillgelegte Aar-Salzböde-Bahn. Die Gesamtanlage ist ein Sanierungsfall.

Der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen spricht für einen in den Gemeindegremien weiterhin im Geschäftsgang befindlichen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen aus, den vorgesehenen Personentunnel nicht nur bis zum Mittelbahnsteig zu bauen, sondern unter dem neuen Gleis 3 hindurch bis zur Ostseite, auf welcher sich heute freies Feld befindet. Die Möglichkeit, dort eine Radwegeverknüpfung zu errichten, wodurch der barriere- und kreuzungsfreie Radverkehr zwischen den Weimarer Ortsteilen Niederwalgern und Roth hergestellt würde. Die in der Oberhessischen Presse (11.02.2017) dargelegte Aussage des Bürgermeisters Peter Eidam ist falsch, dass es seitens der DB nicht erwünscht sei, dass Radverkehr und Personenbahnhofsunterführungen in einer Anlage gebaut würden. Es gibt in Hessen einige Beispiele, da ist genau dies so realisiert worden, so in Stadtallendorf und Wetzlar.

Der Fahrgaststammtisch von PRO BAHN nimmt auf jeden Fall den Fortschritt der Maßnahme Niederwalgern erfreut zur Kenntnis und die PRO BAHN-Gliederungen werden dies in den nächsten Jahren interessiert begleiten.

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