Im Norden nichts Neues – Bürgerversammlung in der Stadt Kassel zeigte keine „Veränderungen der Veränderungen“ in Sachen Kasseler Liniennetzreform

Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) stellte in der monatelang erwarteten Bürgerversammlung am 22.05. ihr neues Linienkonzept vor

Die Linie 6 am Ständeplatz in Kassel. Sie fährt bislang im Osten nach Wolfsanger. Das soll sich ändern, denn sie soll das Streckenende mit der Linie 7 tauschen und künftig in die Ihringshäuser Straße fahren, was sehr umstritten ist.

Die Linie 6 am Ständeplatz in Kassel. Sie fährt bislang im Osten nach Wolfsanger. Das soll sich ändern, denn sie soll das Streckenende mit der Linie 7 tauschen und künftig in die Ihringshäuser Straße fahren, was sehr umstritten ist.

Im Norden nichts Neues, das trifft schon zu, wenn man das auf die regionale Zuordnung im Bundesland Hessen bezieht. Rund 200 Bürgerinnen und Bürger waren am Montag, den 22.05. der Aufforderung gefolgt, etwas wenig aber vielleicht hat man sich in Kassel schon mit der Situation abgefunden. Seit rund zwei Jahren diskutiert man über die geplante Gesamtänderung. Lobenswert der VCD-Kassel, der vor der Tür mittels Flyer nochmal deutlich machte, was alles bei der Liniennetzreform falsch läuft. Der Linientausch zwischen der 6 und der 7 in Wolfsanger bzw. der Ihringshäuser Straße und dass in den Spätstunden nur noch die Linie 3 fahren soll, was eine Halbierung des Taktes bedeutet, zudem der Wegfall der Tram im Fasanenhof am späteren Abend, darauf wurde eindrucksvoll hingewiesen.

Was die KVG unter der Leitung von Dr. Thorsten Ebert am 22.05. im Bürgersaal des Kasseler Rathauses vorstellte, war letztlich nichts Neues, wenn man sich die 2. Version der Planung zur Kasseler Liniennetzreform mal zur Hand nimmt, die bereits vor gut einem Jahr vorlag. Man ist willens, dies durchzuziehen. Ein gewisses Maß an Verständnis mag man dann noch aufbringen, wenn ehrlich argumentiert würde, dass eine Mio. Euro eingespart werden muss. Dies tut man aber nicht und verkauft die Sache als den großen Wurf. Dabei ist es das bei weitem nicht. Während andere Städte, auch mit vergleichbarer Einwohnerzahl, z.B. Freiburg im Breisgau, dabei sind, ihr Straßenbahnnetz auszubauen, denkt man in Kassel an so etwas überhaupt nicht mehr. Kein Ansatz von Kapazitätserweiterung. Vielmehr werden nur an den Stellen dichtere Takte angeboten, wo die Bahnen völlig überfüllt sind, wie auf der Strecke Hellböhn-Brückenhof, dafür müssen aber andere Abschnitte leiden.

Sehr bezeichnend die Aussage des aktuellen Stadtkämmerers und künftigen Oberbürgermeisters Christian Geselle (SPD), dessen einziger Hinweis des Abends darin bestand, dass die Stadt Kassel 25-27 Mio. Euro jährlich für den städtischen Nahverkehr ausgibt.

Weiter im Konzept sind die neuen Linien 10,11 und 12, die in manchen Stadtteilen nur noch die Durchgangsstraßen bedienen und nur durch Anruf-Sammel-Taxen ergänzt werden. Auch sind einige Teile der Stadt künftig nicht mehr direkt mit der Innenstadt oder dem Fernbahnhof Wilhelmshöhe verbunden. Wenigstens in sehr einzelnen Fällen zeigt man sich noch gesprächsbereit, z.B. die Anbindung der Wohnbereiche von Wehlheiden, die künftig durch die Ringlinie 25 angebunden werden sollen, jedoch im vorliegenden Entwurf nur durch Umstieg in die Straßenbahn an die Innenstadt angebunden sind. Man duckte sich, wenn Fakten genannt wurden, wie z.B. die deutliche Verschlechterung für den Stadtteil Forstfeld, der zu weiten Tageszeiten nur noch mit Anruf-Sammel-Taxi angebunden werden soll und doch immerhin 8.000 Einwohner umfasst.

Fazit ist: Die KVG weiß die Stadt hinter sich und wird die Liniennetzreform wohl durchziehen. Die Zustimmung in der Stadtverordnetenversammlung am 19.06.2017 scheint gesichert. Wieder ist der Beweis angetreten, dass in Hessen die Uhren in Sachen ÖPNV und Verkehrswende langsamer gehen. Nach der fatalen Entscheidung gegen die Aartalbahn im Taunus ist dies ein weiterer Beweis, dass man in Sachen öffentlicher Personenbeförderung nicht zukunftsweisend unterwegs ist.

Mehr zu dem Thema wird der Fahrgastverband PRO BAHN noch veröffentlichen.

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