PRO BAHN Landesverband Hessen übt Kritik an der Deutschen Bahn bei unvorhergesehenen Streckensperrungen und Zugausfällen

Bild Schienenersatzverkehr 01

Der Fahrgastverband PRO BAHN, Landesverband Hessen kritisiert die Deutsche Bahn AG (DB) wegen ihres Managements bei unvorhersehbaren Streckensperrungen und Zugausfällen. Auf der Main-Weser-Bahn Frankfurt-Gießen-Marburg-Kassel beispielsweise gebe es gerade in den letzten Monaten fortwährend Oberleitungsschäden, so PRO BAHN. Beispiele seien hier aktuell am 06.07. zwischen Bad Nauheim und Friedberg im Rhein-Main-Gebiet sowie am 19.06. zwischen Borken und Wabern in Nordhessen und am 12.09.2016 bei Stadtallendorf in Mittelhessen.

Indes sei zu kritisieren, dass die Bereitstellung von Schienenersatzverkehr immer schlechter funktioniere. Nachdem die Deutsche Bahn ihre eigenen Bahnbusgesellschaften abgetreten hat, verfüge die DB seit Jahren über keine eigene Busflotte mehr. Völlig unzureichende Verträge wurden stattdessen mit kleinen privaten Busunternehmen geschlossen. Diese können den erforderlichen Fahrzeugbedarf überhaupt nicht erbringen, so dass im Präzedenzfall oftmals kein Schienenersatzverkehr für die gestoppten Züge bereitgestellt wird. Dem nicht genug. So gut wie immer steht an den betroffenen Bahnstationen kein Personal zur Information der Fahrgäste bereit. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert daher, dass flächendeckend in Deutschland seitens der Eisenbahnverkehrsunternehmen Personaleinheiten bereit gehalten werden, welche innerhalb einer angemessenen Zeit von max. 30 Minuten vor Ort an den betroffenen Bahnstationen eintreffen, um gestrandete Fahrgäste zu informieren. Mittlerweile seien Abschnitte von über 100 km wie zwischen Marburg und Kassel im Alltag ohne jedwedes Auskunftspersonal. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert den Bundesgesetzgeber auf, die Deutsche Bahn und die weiteren Eisenbahnverkehrs- und -infrastrukturunternehmen zu verpflichten, ausreichend Busdepots als „stille Reserve“ mit während der Betriebszeit bereit stehenden Bussen einzurichten und zu unterhalten. Hierzu muss der Gesetzgeber der Eisenbahnverkehrs- und -infrastrukturunternehmen die dazu notwendigen Mittel zur Aufbringung der Betriebskosten dieser Maßnahme zur Verfügung stellen.

Nicht nur bei der Personal- und Busbereitstellung habe die Deutsche Bahn Nachholbedarf. Auch müsse für alle störanfälligen Strecken ergründet werden, warum es so häufig zu Oberleitungsschäden komme. Die Elektrifizierung der Main-Weser-Bahn erfolgte im Jahr 1967, also vor genau 50 Jahren. Eine grundhafte Erneuerung habe auf dieser rund 200 km langen Strecke in Hessen ebenso wenig stattgefunden wie an anderen Stellen in Deutschland. Die Zuggattungen haben sich jedoch in den letzten 5 Jahrzehnten entscheidend verändert. Heute fahren, wenn auch auf der Main-Weser-Bahn als Ausweichroute, große ICE, welche einen viel stärkeren Druck mit ihren Bügeln auf die Oberleitung ausüben aber auch S-Bahnen und Nahverkehrstriebwagen. Die Technik an der Strecke hätte sich angesichts dieser verschiedenen Produkttypen auch verändern müssen. Das sei nicht geschehen, so PRO BAHN, so dass man auch aus diesem Grund immer mehr Oberleitungsschäden zu beklagen habe.

Bild Schienenersatzverkehr 02

Die Situation dürfe nun von der DB nicht ausgesessen werden. Es müsse noch im Jahr 2017 eine offene Gesprächsrunde gestartet werden, um zeitnah für Veränderungen und Verbesserungen im Sinne der Fahrgäste zu erreichen. Ein weiter so ist nicht hinnehmbar, so der PRO BAHN Landesverband Hessen.

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