PRO BAHN sieht in Mittelhessen überwiegend positive Signale zum Fahrplanwechsel am 10.12.2017

Der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen sieht dem Fahrplanwechsel am 10.12.2017 fast ausschließlich positiv entgegen. Es werden, wohl auch wegen der für Hessen in größerer Summe zur Verfügung stehenden Regionalisierungsmittel, im Schienenpersonennahverkehr Verbesserungen angeboten, welche sich auch für die Region in Hessens Mitte Auswirkungen haben.

Hinweis: Bildquelle RMV

Hinweis: Bildquelle RMV

Der Bahnhof in Gießen.

Der Bahnhof in Gießen.

Aus Frankfurt am Main kann man an Wochenenden künftig auch spätere Züge nach Mittelhessen nehmen. Dies liegt an der Umsetzung des Nachtverkehrs bei der S-Bahn Rhein/Main, wodurch auch zusätzliche ergänzende Regionalzugfahrten bestellt wurden. Wer abends in Frankfurt ins Theater oder in den Club will, kann sich künftig mehr Zeit lassen: Es gibt einen weiteren Zug, der zurück nach Mittelhessen fährt (Abfahrt 2.55 Uhr, Ankunft in Gießen 4.03 Uhr). Diese Verbindung besteht in den „Partynächten“, also vor arbeitsfreien Tagen und ergänzt das bisherige Angebot:
Seit Dezember 2016 besteht auf der Main-Weser-Bahn bereits eine Ausdehnung, so starten heute in Frankfurt Spätzüge um 0.46 Uhr und 2.08 Uhr, sie erreichen Gießen um 2.04 Uhr bzw. 3.19 Uhr.
Neu ab dem 10.12.2017 wird der dazu passende Anschluss in den Lahn-Dill-Kreis bzw. zur Dillstrecke sein: In den Partynächten fährt eine Regionalbahn um 2.10 Uhr von Gießen über Wetzlar nach Dillenburg (Ankunft 2.52 Uhr). Wer also um 0.46 Uhr in Frankfurt startet, kommt noch bequem nach Wetzlar, Aßlar oder zu allen anderen Stationen an der Dillstrecke. Bislang war es letztmalig an allen Wochentagen um 23.24 Uhr letztmalig möglich in Frankfurt loszufahren, um nach Wetzlar oder Dillenburg zu kommen, man gewinnt also 82 Minuten für den Aufenthalt.

Einen Wehrmutstropfen gibt es jedoch. Seit Mitte Oktober wird in dem Teilabschnitt Frankfurt (Main)-West bis Bad Vilbel an dem viergleisigen Ausbau gearbeitet. In den Wochenendverkehren merkt man dies seither bereits. Da werden Züge ab Friedberg über Hanau umgeleitet, so der Mittelhessen-Express der Linien RB 40 und RB 41 aber auch einige Fahrten des Intercity (IC-Linie 26). Dadurch verlängern sich einige Verbindungen um rund 20 Minuten. Dieser Prozess wird uns nun bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein beschäftigen. PRO BAHN Mittelhessen sagt: „Der Ausbau ist positiv, endlich kommt er nach rund 3 Jahrzehnten.“ Jedoch dürfe dadurch nicht die Flügelung und Koppelung in Gießen leiden. Es war in den Ferienzeiten 2017 über Wochen feststellbar, dass die Zugteile aus Richtung Dillenburg nicht mit dem aus Marburg kommenden Zugteil in Richtung Frankfurt gekoppelt wurden. Gleiches galt für den umgekehrten Weg. Dadurch entstanden Erschließungsnachteile von und in Richtung der Dillstrecke.

Erfolg: Die Sonntagsfahrten auf der RB 95 (Sieg-Dill-Bahn) zwischen Siegen und Dillenburg kommen wieder.

Vor drei Jahren wurden die Sonntagsfahrten zwischen Siegen und Dillenburg mit den kleinen Unterwegshalten unter der Linie RB 95 eingestellt. Einziger Zwischenhalt an Sonn- und Feiertagen war seither nur Haiger. Der nördliche Zipfel des Lahn-Dill-Kreis war seither an den „roten Kalendertagen“ komplett vom ÖPNV abgehängt, da auch kein paralleler Busverkehr bestand. Der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen hat dies seinerzeit mit deutlichen Worten kritisiert. Wie an anderer Stelle (z.B. Unterwegshalte Gießen-Marburg alle 30 Minuten) musste der Aufgabenträger RMV auch zwischen Dillenburg und Siegen einsehen, dass eine Bedienung dringend geboten ist. PRO BAHN freut sich mit den Menschen in der strukturarmen Gegend, welche nun wieder über ein tägliches Grundangebot verfügen.
Der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen hat sich intensiv mit dem Fahrplan beschäftigt und begrüßt es außerordentlich, dass man seitens des RMV nun erkannt hat, dass sich sowohl im Berufsverkehr, als auch im Freizeitverkehr Verschiebungen der Bedürfnisse ergeben haben. Dass die zu Zeiten der Bundesbahn schon einmal vorhandenen Spätfahrten wieder kämen, ist eine überaus erfreuliche Nachricht
.
Allerdings hat PRO BAHN auch Forderungen, vor allem die nach geeigneten Anschlüssen in den Städten. Im Lahn-Dill-Kreis, dem drittschlechtesten ÖPNV-Angebot Hessens endet der Busverkehr um 22 Uhr, in Wetzlar mit Ausnahme der Spätbuslinie 007 faktisch bereits um 21.30 Uhr. Die lokalen Nahverkehrsorganisationen sind gefordert, zu den späten Bahnverbindungen attraktive Anschlüsse im Lokalbusverkehr anzubieten.

Lokal- und Stadtbusverkehr in Gießen, Wetzlar und Marburg

Man wird noch detaillierte Vergleiche anstellen müssen, um genau zu sehen, wo z.B. durch die Neuausschreibung von Linienbündel Veränderungen eingetreten sind. PRO BAHN hofft im Sinne der Fahrgäste, dass hier keine Einschränkungen erfolgt sind.

Drei Änderungen im positiven Sinne sind als Leuchtturmprojekte zum Fahrplanwechsel Ende 2017 anzusehen.

In Wetzlar wird die im fünfmonatigen Probebetrieb befindliche Linie 15 mit leicht verändertem Linienweg in eine Verstetigung überführt. Mit der Linie 15 wird das ehem. Kasernengelände, der Industrie- und Gewerbepark Spilburg, der Leitzpark mit seinen Innovationszentrum der optischen Industrie sowie Teile der Wohnsiedlungsflächen des Stadtbezirks Büblingshausen erschlossen.

In Gießen wird die Linie 10 erheblich verstärkt, sie stellt die Uni-Achse zwischen dem Bahnhof und der Rathenaustraße dar. Neben Verstärkungen in den seitherigen Angebotszeiten wird auch eine Ausdehnung im Abend- und Wochenendverkehr vorgenommen.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf steht exemplarisch eine weitreichende Veränderung an. Die Linie X 83 geht an den Start. Dies wird ein Schnellbus zwischen Gladenbach, dem Zentrum des Lahn-Dill-Berglandes sowie der Universitätsstadt Marburg sein, welcher auf direktem Weg über die Bundesstraße B 255 geführt wird. Damit verringert sich die Fahrzeit zwischen Gladenbach und Marburg um rund die Hälfte. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert seit vielen Jahren, Orte wie Gladenbach und Bad Endbach endlich an einen schnellen ÖPNV anzubinden. Nach rund 2 Jahrzehnten passiert nun etwas in der seither von PRO BAHN artikulierten Forderung. Jedoch kann auch ein Schnellbus nicht den vor 22 Jahren in dem Streckenabschnitt eingestellten Schienenpersonenverkehr der Aar-Salzböde-Bahn ersetzen.

Somit gilt am Ende seitens PRO BAHN als Fazit die gleiche Auffassung wie am Beginn. In Mittelhessen ist vom Grundsatz einiges im positiven Sinne zum Fahrplanwechsel zum 10.12.2017 erkennbar.

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