Kurhessenbahn bringt Wiederaufbau der Aar-Salzböde-Bahn im Abschnitt Niederwalgern-Hartenrod ins Gespräch – PRO BAHN Mittelhessen hat keine übersteigerten Vorstellungen, bittet aber darum, seitens der Kommunen den Verkehrsplanern mit ihren Ideen eine Chance zu geben.

Der ehemalige Bahnhof Lohra an der früheren Aar-Salzböde-Bahn. Im Hintergrund steht ein Supermarkt mitten auf der Bahntrasse. Werden die Ideen der Kurhessenbahn für eine neue Salzbödebahn Wirklichkeit, müsste an solchen Stellen vom alten Trassenverlauf abgewichen werden.

Der ehemalige Bahnhof Lohra an der früheren Aar-Salzböde-Bahn. Im Hintergrund steht ein Supermarkt mitten auf der Bahntrasse. Werden die Ideen der Kurhessenbahn für eine neue Salzbödebahn Wirklichkeit, müsste an solchen Stellen vom alten Trassenverlauf abgewichen werden.

Wenn Machbarkeitsstudie ein negatives Ergebnis ergeben sollte, dann können die Flächen immer noch anderweitig überplant bzw. weiter überbaut werden.

PRO BAHN Mittelhessen veröffentlicht Brief an Kommunen nach Zeitungsbericht, obwohl man zunächst hierzu nicht an die Öffentlichkeit gehen wollte.

Eine Vereinigung wie der Fahrgastverband PRO BAHN freut sich natürlich grundsätzlich über öffentliche Wahrnehmungen, Veröffentlichungen in den Medien und öffentliche Diskussionen, in denen der Verbandsname Erwähnung findet. Im Fall der Aar-Salzböde-Bahn kam die Erwähnung in den beiden Lokalzeitungen (Oberhessische Presse Marburg sowie Hinterländer Anzeiger) Mitte der 4. Kalenderwoche 2018 dennoch überraschend. Der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen hat einen Brief zum Thema in die vier Anliegerkommunen gesandt. Dieser ging nicht nur an die Bürgermeister mit ihren Exekutivgremien, sondern auch an alle Fraktionen der Kommunalparlamente sowie die Vorsitzenden der kommunalen Verkehrsausschüsse.

Worum geht es? Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, die Kurhessenbahn mit Sitz in Kassel hat den Wiederaufbau des östlichen Streckenabschnitts der ehemaligen Aar-Salzböde-Bahn (Niederwalgern-Herborn) ins Spiel gebracht, bei dem Stellv. Landrat und Kreisbeigeordneten für Verkehr im Landkreis Marburg-Biedenkopf, Marian Zachow, vorgesprochen. Die in diesem Landkreis und im benachbarten Lahn-Dill-Kreis ehemals verkehrende Bahnlinie soll nach den grundsätzlichen Gedanken der Bahntochter im Abschnitt zwischen Niederwalgern und Hartenrod wieder aufgebaut werden. Die Schwierigkeit dabei, Teile der Trasse sind bereits überbaut oder es laufen Bauleitplanverfahren, die Trasse in diversen Bereichen anderen, meist gewerblichen Nutzungen zuzuführen.

Der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen hat keine durch die Decke gehenden Vorstellungen und kennt die exorbitanten Schwierigkeiten, welche nun 12 Jahre nach dem Gleisabbau entstehen würden, käme es zu einem Wiederaufbau der Strecke. PRO BAHN Mittelhessen: „Gebt den Verkehrsplanern eine Chance“ und appelliert an die vier betroffenen Kommunen, dass zum späteren Zeitpunkt im Falle eines für die Bahnstrecke negativen Ergebnisses die Flächen immer noch anderweitig überplant und genutzt werden können.

Wir sind der Meinung, dass man das Gesamtthema sehr vorsichtig betrachten sollte. PRO BAHN wird wegen der Sensibilität in der Sache kein Öl ins Feuer gießen und den Prozess zurückhaltend und konstruktiv beobachten/begleiten.

Um hier dennoch die nötige Transparenz zu zeigen, was aus Zeitungsberichten nicht derart weitreichend hervorgehen kann. veröffentlichen wir hier den Rundbrief an die vier Kommunen:
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Absender:
PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen
Regionalsprecher Reinhard Ahrens und Thomas Kraft

Empfänger:
Gemeindevorstände der Gemeinden, Bad Endbach, Lohra, Weimar (Lahn)
Magistrat der Stadt Gladenbach
Fraktionen in den Gemeindevertretungen Bad Endbach, Lohra, Weimar (Lahn)
Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung Gladenbach
Vorsitzende der Ausschüsse für Verkehr der kommunalen Gremien der vier anliegenden Kommunen

Aktuelle Untersuchung einer Reaktivierung/eines Wiederaufbaus
der Aar-Salzböde-Bahn im Abschnitt Niederwalgern-Hartenrod

Sehr geehrte Damen und Herren,

niemand hat nach dem Rückbau der Bahntrasse der alten Aar-Salzböde-Bahn im Jahr 2006 wirklich damit gerechnet, dass das Thema noch mal an Aktualität gewinnt, auch wir vom Fahrgastverband PRO BAHN nicht. Wir stehen dazu, dass wir uns Zielen widmen, welche umsetzbar sind und für den Fahrgast im realistischen Zeit- und Finanzrahmen zu einer Optimierung der Beförderungsleistung und der Aufwertung der Daseinsvorsorge führen. Insbesondere der komplette Rückbau des Bahndamms im Abschnitt des Lahn-Dill-Kreises, die dortige massive Eingliederung in Straßen- und Siedlungsflächen hat auch bei uns zu einer Abkehr geführt.

Wir möchten an dieser Stelle nicht an die Diskussionen erinnern, die ab Mitte der 1990er Jahre bis zum Rückbau 2006 geführt wurden. Wir möchten mit Ihnen den Blick nach vorn richten. Nun hat ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, die Kurhessenbahn die Initiative ergriffen. Es sind also Fachleute, Verkehrswissenschaftler, Bahnfachleute, die auf die Region, auf die Kommunalpolitik und auf die Verbände zugekommen sind. Das Fachwissen läutet also eine Diskussion ein, nutzen wir sie, geben wir dem thematischen Diskurs eine Gelegenheit. Es liegen nun Gedankengänge auf dem Tisch, welche den Abschnitt Niederwalgern-Hartenrod betreffen. Bekanntlich hat sich der Verkehrsdezernent und Stellv. Landrat des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Marian Zachow (CDU) diesem Diskurs angeschlossen und spricht sich dafür aus.

Mit diesem Schreiben möchten wir nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Nein, wir bitten Sie vielmehr, einer weitergehenden Untersuchung, ob ein Wiederaufbau der Bahnstrecke zwischen Niederwalgern und Hartenrod möglich ist, nicht durch gegensätzliche Beschlüsse den Weg zu versperren.

Schauen Sie sich mal die Situation an. Drei von vier Kommunen entlang der zurückgebauten Bahntrasse haben rückläufige Bevölkerungszahlen. Sollte nicht jede Möglichkeit untersucht werden, diesem Trend entgegen zu treten?
Reaktivierungen im ländlichen Raum außerhalb Mittelhessens haben in den letzten zwei Jahrzehnten gezeigt, dass die Wiederbelebung der Bahn eine wesentliche Gegensteuerung erzielen kann. Das gilt auch für Stichstrecken.

Es ist bekannt, dass in der Nähe der alten Salzböde-Bahntrasse die Entwicklung von Gewerbeflächen und Wohnflächen geplant ist. Die Reaktivierung der Salzbödebahn hätte hier einen positiven Erschließungseffekt. Ohne einer Untersuchung vorgreifen zu wollen. Wie ist denn der Gedanke, dass durch ein bis zwei Haltestellen direkt im Gewerbegebiet zahlreiche Arbeitnehmer ohne Auto zu ihrem Arbeitsplatz kommen?

Fakt ist, dass der Linienbusverkehr im Landkreis Marburg-Biedenkopf in den letzten 23 Jahren das Potential nicht hat auffangen können. Ein schrittweise optimierter Regionalzugverkehr hätte sich das vorhandene Fahrgastpotential besser und komfortabler auffangen können. Die Buslinie 383 ist zu lange unterwegs und stößt an ihre Grenzen. Das gleiche gilt schon jetzt für die Schnellbuslinie X 38.

Der Kurort Bad Endbach ist nur völlig unzureichend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Kurgäste müssen oft aus gesundheitlichen Gründen mit dem Zug anreisen, danach wird auch ein Kurort gemessen. Bad Schwalbach versucht durch die Mitwirkung an der Citybahn Wiesbaden diesen Anschluss wieder zu erlangen.

Wie oben erwähnt, haben wir heute nicht die finale Lösung für den Öffentlichen Personennahverkehr im Lahn-Dill-Bergland, für die Kommunen Bad Endbach, Gladenbach, Lohra und Weimar vorzustellen. Es geht an Sie jedoch die Bitte, einer Untersuchung wohlwollend gegenüber zu stehen und bei der Entwicklung Ihrer Kommune, für die Sie zurecht eintreten und für die Sie gewählt worden sind, im Rahmen von anstehenden bzw. sich abzeichnenden bauleitplanerischen Entscheidungen und sich anschließenden Prozessen, auf eine anderweitige Überplanung der alten Aar-Salzböde-Bahn zu verzichten.

Wir sind auch überrascht, dass die Kurhessenbahn nun mit dieser Initiative vorstellig wird. Es zeigt aber auch, welches enorme Potenzial in der Aar-Salzböde-Bahn zu stecken scheint, trotz der Tatsache, dass an einzelnen Stellen schon Flächen überbaut wurden. Geben Sie den Verkehrsplanern der DB und anderen Kräften, geben Sie der Initiative des Kreisdezernenten Zachow eine Chance, geben Sie auch uns, dem Fahrgastverband PRO BAHN eine Chance.

Zu einem konstruktiven Gespräch stehen wir gerne zur Verfügung, wobei wir uns nicht nur für Bahnstrecken und ihre Fahrgäste einsetzen, uns sind auch andere öffentliche Verkehrsmittel wichtig, damit diese mit sinnvollen Konzepten die gesamte Region erschließen.

Mit freundlichen Grüßen

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Soweit der Text des Briefes

Unsere These:

Eine neue Salzbödebahn könnte dem negativen Trend entgegen treten und in der strukturschwachen Region des Lahn-Dill-Berglandes mit dem Kurort Bad Endbach vielleicht doch einen gewissen Aufschub bringen. Lassen wir doch mal Experten die Machbarkeit prüfen, dann sehen wir weiter.

Der Bahnhof in Niederwalgern, einem Ortsteil der Gemeinde Weimar (Lahn), ein eigentlicher Keilbahnhof der alsbald auf seinen Ausbau wartet. Links geht die Main-Weser-Bahn Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt (Main) vorbei und rechts zweigte die Aar-Salzböde-Bahn nach Lohra, Gladenbach, Bad Endbach, Hartenrod und bis nach Herborn ab, wo sie nach 43 km auf die Dillstrecke mündete. Auf einem Abschnitt von 19 km wird seit kurzem der Wiederaufbau diskutiert.

Der Bahnhof in Niederwalgern, einem Ortsteil der Gemeinde Weimar (Lahn), ein eigentlicher Keilbahnhof der alsbald auf seinen Ausbau wartet. Links geht die Main-Weser-Bahn Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt (Main) vorbei und rechts zweigte die Aar-Salzböde-Bahn nach Lohra, Gladenbach, Bad Endbach, Hartenrod und bis nach Herborn ab, wo sie nach 43 km auf die Dillstrecke mündete. Auf einem Abschnitt von 19 km wird seit kurzem der Wiederaufbau diskutiert.

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