Eine Bilanz: S-Bahn-Tunnel Frankfurt am Main war in den Osterferien dicht

Inzwischen haben sich die Frankfurter und die im Verhältnis zur Einwohnerzahl übergroße Zahl an Einpendlerinnen und Einpendlern daran gewöhnt. Wieder war es mal soweit, der S-Bahn-Tunnel, die Lebensader des Schienenpersonennahverkehrs in Mainhattan war über die gesamte Zeit der Osterferien dicht. Seit gut drei Jahren baut man in Form von wochenlangen Komplettsperrungen an der technischen Aufrüstung auf der gesamten unterirdischen Streckenlänge für ein elektronischen Stellwerk in der 710.000-Einwohner-Stadt.

1.) Mit den Wiederholungen der Sperrungen hat sich auch die Zuverlässigkeit der Ersatz-Fahrpläne deutlich verbessert. Es ist an den wichtigen Stationen, insbesondere am Hauptbahnhof einiges an Personal bereitgestellt gewesen, was in fast allen Fällen kompetente Informationen an die Fahrgäste weitergeben konnte. Uns als Fahrgäste ist daran gelegen, durchaus auch auf Mängel hinzuweisen, die bei den nächsten Sperrungen, jeweils an den anstehenden Feiertagen mit Brückentag sowie in den Sommerferien 2018 vermieden werden könnten.

2.) Es haben insbesondere am Hauptbahnhof, im Gegensatz zu früheren Sperrungen, große Hinweistafeln und Wegweiser gefehlt, wo die Fahrgäste ersatzweise oberirdisch ihre nach Westen bzw. Norden herausfahrende S-Bahn antreffen können.

3.) Der Streik am 28.3. hat die Situation ziemlich verschärft (aber insgesamt haben die Fahrgäste anscheinend überwiegend entspannt reagiert).

4.) Die große Straßenausbau am Kaiserlei, dem Gebiet der Stadtgrenze zwischen Frankfurt und Offenbach, man will dort weg vom Kreisel, hin zu Ampelkreuzungen, diese behindert den Bus 103 stark behindert, der aber eine Ausweichmöglichkeit während der Tunnelsperrung darstellt. Der PRO BAHN Regionalverband Großraum Frankfurt schließt sich der Forderung des Offenbacher Fahrgastbeirates an, den Bus 103 (dieser bedient u.a. den Kaiserlei und die Eisspothalle) mindestens während der nächsten Tunnelsperrung häufiger fahren zu lassen, da er eine wichtige, stadtnahe Tangentialverbindung ist, ein 30-Minuten-Takt ist zu wenig.

So sieht der Liniennetzplan für die S-Bahnen und U-Bahnen in und um Frankfurt am Main während der Tunnelsperrung aus. (Quelle: RMV)

So sieht der Liniennetzplan für die S-Bahnen und U-Bahnen in und um Frankfurt am Main während der Tunnelsperrung aus. (Quelle: RMV)

5.) Verwirrung stiftete wiederum die zweigeteilte Linie S 1. Es waren zwar auch andere Linien geteilt, nämlich die S 2, S 3, S 8 und S 9, jedoch fuhren die ihren klassischen Linienweg. Der östliche Ast der S 1 fuhr von Rödermark/Ober-Roden kommend ab Offenbach-Ost auf die Altstrecke der Deutschen Bahn über Offenbach Hbf. und Frankfurt-Süd zum Frankfurter Hauptbahnhof. Aufgrund dieser deutlichen Abweichung vom Linienweg schlägt der Fahrgastverband PRO BAHN seit drei Jahren die auf die Bauzeit befristete Umwandlung als Linie S 11 vor. Bei ihr wäre dann deutlich auffällig, dass sie eine abweichende S-Bahn-Verbindung ist.

6.) Der Fahrplan war nicht schlecht, aber die Realität sah für einige Fahrtbeziehungen anders aus. Wenn man nicht nach Darmstadt Hbf. wollte, sondern zu einem Bhf/einem Haltepkt. zwischen Frankfurt und Darmstadt, dann sollte man vom Frankfurter Hbf. mit der Straßenbahnlinie 17 zur Stresemannallee und dort in die S3 umsteigen. Allerdings gab es fahrplanmäßig nur 3 Minuten Umsteigezeit. Wenn die Tram 2 Minuten Verspätung hatte, was die meiste Zeit der Fall war, ist das nicht zu schaffen. Die im Halbstunden-Takt fahrende S3 wartete aber nicht auf die Tram vom Hbf., die Fahrgäste Richtung Darmstadt konnten ihr nur noch hinterher sehen. Auch hier ist also das Thema Reisekette zu erwähnen.

7.) Wieder waren die Straßenbahnen 11 und 21 auf der Mainzer Landstraße extrem stark belastet, das nicht nur auf dem zentralen Abschnitt zwischen Hbf. und Galluswarte auch über die Galluswarte hinaus bis zur Rebstöcker Straße überfüllt.

8.) Hinzu kam während der Osterferien auch die Teilsperrung des Abschnitts Frankfurt-West bis Bad Vilbel aufgrund des viergleisigen Ausbaus der Main-Weser-Bahn. Wie dies zu werten ist, das ist in einem extra Artikel nachzulesen.

Nun kommen die Feiertage des Mai und Ende Juni 2018 kommt dann die letzte Tunnelsperrung in Frankfurt am Main auf uns alle zu. Danach soll Schluss sein und das hoffentlich funktionierende elektronische Stellwerk für die S-Bahn Rhein/Main läuft dann störungsfrei.

Der Fahrgastverband PRO BAHN dankt allen Akteuren von der Deutschen Bahn (DB Station& Service, DB Netz), dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) einschl. seiner Tochterunternehmen und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (vgf) für die geleistete Arbeit. In diesen Gedanken schließen wir auch alle Mitarbeiter ein, die tagtäglich im Tunnel ihre handwerkliche und prüftechnische Arbeit leisten.

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