Planungskorridor zwischen Fulda, Hanau und Würzburg – Mottgers-Spange vom Tisch – Verbände der ArGe Spessart begrüßen Variantenfokussierung für Neubau zwischen Gelnhausen und Fulda

2 Trassenverläufe nahe der bestehenden Kinzigtalstrecke haben im breit angelegten mehrjährigen Dialogprozess Vorrang erhalten.

PRO BAHN, VCD, ProBahn&Bus und BUND stellen fest – Nun ist Weg frei für weitere Planungsschritte

Ein ICE fährt von Fulda kommend durch Gelnhausen weiter nach Frankfurt am Main auf der Bestandsstrecke durchs Kinzigtal.

Ein ICE fährt von Fulda kommend durch Gelnhausen weiter nach Frankfurt am Main auf der Bestandsstrecke durchs Kinzigtal.

(Gelnhausen) Die von der Deutschen Bahn am 3.5.2018 in Gelnhausen im Rahmen der 12. Sitzung des Dialogforums zur ABS/NBS Hanau – Würzburg / Fulda vorgestellte und begründete Fokussierung auf die Varianten IV und VII wird von der Arbeitsgemeinschaft Bahndreieck Spessart im Grundsatz begrüßt.

Alle Spessart-Varianten I bis III haben sich im Zuge der Sachprüfung als weniger tauglich bzw. gar verfahrenskritisch erwiesen und scheiden somit nach objektiven Kriterien aus den weiteren Prüfverfahren aus. Mehrere Verkehrs- und Umweltverbände hatten seit den 1990er Jahren auf die absehbaren verkehrlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Nachteile hingewiesen und insbesondere eine Südkurve (sogenannte „Mottgers-Spange“) vehement abgelehnt.

Nach dieser – im Rahmen des Bundesverkehrswegeplan (BVWP 2030) zunächst noch offen gelassenen – Grundsatzentscheidung ist nunmehr ein gezielter Ausbau des „Südkorridors“ (Frankfurt/M –) Hanau – Aschaffenburg – Nantenbach (– Würzburg) vertieft zu untersuchen. Nur so können die bestehenden Qualitätsmängel und die sich abzeichnenden Kapazitätsengpässe beseitigt sowie im Fernverkehr kürzere Fahrzeiten im Rahmen des künftigen „Deutschland-Taktes“ ermöglicht werden.

Durch den Wegfall der besonders problematischen Variante I ist es nun endlich möglich, den rasch und im Konsens zu realisierenden Ausbauabschnitt von Hanau bis zur Suchraumgrenze in Gelnhausen über Gelnhausen hinaus bis Haitz-Höchst zu verlängern. Alle verbleibenden Neubauvarianten sind zwischen Gelnhausen und Haitz-Höchst deckungsgleich. Eine vorgezogene Planung und Finanzierung ist insbesondere mit Blick auf die lärmvorbelasteten Gelnhäuser Wohngebiete in Hanglagen geboten (Alte Leipziger Straße, Nippel, Taubengarten, Haitz und Höchst). Zugleich können der barrierefrei Umbau der Bahnsteige in Gelnhausen und Haitz-Höchst, die Planung von Weichen und Signalanlagen sowie Anpassungsmaßnahmen im Straßennetz nunmehr zeitnah vorangetrieben werden.

Zur Optimierung der Variante IV im Abschnitt Haitz-Höchst bis Aufenauer Berg drängen die Verbände nochmals auf eine vertieftere Betrachtung des Bündelungsansatzes, bei dem nicht nur die zwei Neubaugleise sondern auch die zwei Bestandsgleise zusammen mit der A66 ein kompaktes, optimiertes Verkehrsband in der Kinzigau bilden würden. Dadurch kann auf die große Talbrücke südlich Wächtersbach in der bisher geplanten Form verzichtet werden, die Eingriffe im Bereich Kaltenborn/Neu-Wirtheim wären überflüssig und es gäbe spürbare Vorteile für den Regionalverkehr durch eine Verlegung des Bahnhofs Wirtheim sowie die Anhebung der Fahrtgeschwindigkeit von RegionalExpress-Zügen auf durchgehend 160 km/h.

Zu prüfen ist ferner die Möglichkeit einer Kombination der Varianten IV und VII im Bereich zwischen Schlüchtern und Flieden. Besonderer Wert wird auf die Schaffung leistungsfähiger Verknüpfungen mit der Bestandsstrecke gelegt, um im Plan– bzw. Störfall den Betrieb flexibler abwickeln zu können. Die DB wird angesichts von künftig erweiterten Regionalverkehrskonzepten sowie von Nutzungs– und Trassenkonflikten zwischen ICE- und Güterverkehren u.a. im Rahmen der Verkehrslenkung in Tagesrandlagen den Südzulauf zwischen Flieden und dem wichtigen Knoten Fulda nochmals intensiv prüfen müssen. Hierbei darf auch der abschnittsweise Ausbau der Bestandsstrecke bis an die Bahnsteige in Fulda kein Tabu sein.

Fazit: Auf dem Weg zu einem tragfähigen Gesamtkonzept für das Bahndreieck Spessart ist das bundesweit beispielhafte Dialogverfahren einen bedeutenden Schritt weiter gekommen. Ziel sollte sein, noch vor der Sommerpause 2018 eine optimierte Antragsvariante zu ermitteln, die von der DB in das formelle Raumordnungsverfahren eingebracht werden kann. Auf Basis des BVWP 2030 sowie den auf Bundesebene im Koalitionsvertrag formulierten Maßnahmen für besseren Lärmschutz besteht damit die begründete Hoffnung, dass nach jahrelangem Planungsstillstand und vierjähriger ergebnisoffener Öffentlichkeits-beteiligung die drückenden Engpässe im Bahndreieck zwischen Fulda, Frankfurt und Würzburg an zentraler Stelle im deutschen Schienennetz endlich so rasch wie möglich beseitigt werden!

Für die Verbände:
Christian Behrendt, Pro Bahn & Bus e.V.
Hermann Bulheller, PRO BAHN Bayern e.V., Bezirksgruppe Unterfranken
Thomas Elbert, BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Theo Grünewald, VCD Bayern, Kreisverband Aschaffenburg
Till Schäfer, VCD-Landesverband Hessen e.V.
Thomas Schwemmer, PRO BAHN Hessen e.V., RV Großraum Frankfurt e.V

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Die „Arbeitsgemeinschaft Bahndreieck Spessart“ wurde 2001 als projektbezogener, länderübergreifender Zusammenschluss mehrerer Fahrgast- und Verkehrsverbände sowie dem BUND Naturschutz in Bayern gegründet. Gemeinsames Ziel ist es, im hessisch-bayerischen Raum zwischen Fulda, Würzburg und Frankfurt am Main den Ausbau des Schienenverkehrs konstruktiv-kritisch zu begleiten und insbesondere bei der Umsetzung der Bundesverkehrswegeplanung die Interessen der Fahrgäste und Güterverkehrskunden koordiniert einzubringen. Die die ARGE tragenden Verbände waren von Beginn an im Dialogforum und allen begleitenden Arbeitsgruppen (= frühe Öffentlichkeitsbeteiligung) eingebunden, dort regelmäßig anwesend und haben sich mit zahlreichen fachlichen Hinweisen und Einschätzungen konstruktiv eingebracht.

Mitgliedsverbände der ARGE Bahndreieck Spessart:
Pro Bahn & Bus e.V. in Hessen
PRO BAHN Hessen e.V. Regionalverband Großraum Frankfurt e.V.
PRO BAHN Bayern e.V. Bezirksgruppe Unterfranken
VCD Landesverband Hessen e.V.
VCD Landesverband Bayern e.V.
BUND Naturschutz in Bayern e.V.

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