Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert schlechtes Zugangebot zum Hessentag in Kassel

Der Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert, dass zum Hessentag 2013 wiederum nicht einmal ansatzweise ein erforderliches Angebot im Schienennahverkehr bereit gestellt wird. Auf den meisten Regionallinien gibt es tagsüber das ansonsten übliche Angebot. „Die Verantwortlichen haben auch für dieses Jahr nicht aus den Fehlern vergangener Jahre gelernt“, so der hessische Landesvorsitzende Thomas Kraft. Bei dem letzten Hessentag 2012 in Wetzlar war die Personenbeförderung auf der Schiene zeitweise zum Erliegen gekommen, die Züge mussten oftmals Stationen ohne Halt durchfahren, weil sie hoffnungslos überfüllt waren.

Der Regionalexpress RE 30 (Frankfurt-Gießen-Marburg-Kassel) fährt als Doppelstockzug nur alle 2 Stunden, wie hier am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.

Der Regionalexpress RE 30 (Frankfurt-Gießen-Marburg-Kassel) fährt als Doppelstockzug nur alle 2 Stunden, wie hier am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.

Wenn ein Hessentag stattfinde, könne man in der mobilen Gesellschaft nicht davon ausgehen, dass nur die Menschen aus der Gastgeberstadt zu den Veranstaltungen reisen und man, wie dieses Jahr in Kassel, nennenswert nur das Straßenbahn- und Busnetz der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) verstärke.

Eine Zumutung bezeichnet Kraft das Sonderheft „Hessentag mobil“, in welchem, wie in den Jahren zuvor, die Angebote des Öffentlichen Personennahverkehrs zum Hessentag aufgelistet sind. Erstmals gebe es in dem Sonderheft keinerlei Fahrplantabellen. Man setze voraus, dass mittlerweile alle Menschen ein internetfähiges Smartphone bei sich tragen. Anstelle der Fahrplantabellen finde man nur QR-Codes in dem Heft, um digitale Abfragen zu ermöglichen. Dies habe mit Transparenz und Übersichtlichkeit für alle nichts mehr zu tun, man schließe große Bevölkerungsgruppen, gerade ältere Menschen, in Sachen Fahrplaninformation einfach aus.

Ein Fehler liege auch darin, so PRO BAHN, dass die Verantwortungsträger meinen, Vergleichsfaktoren aus dem täglichen Betrieb heranzuziehen. Da sei klar, dass tagsüber große Kapazitäten in den Fahrzeugen frei sind. Es sei festzustellen, dass nicht nur bei Abendveranstaltungen, sondern auch vormittags und nachmittags ein großer Teil der Besucherinnen und Besucher mit dem Öffentlichen Personennahverkehr anreisten. Die Zahl der Fahrgäste betrage teilweise das 3-4-fache eines Normalbetriebs.

Die Linien des regionalen Schienenverkehrs in Nordhessen, welche aktuell von der Cantusbahn und der Kurhessenbahn (Deutsche Bahn) betrieben werden, würden nur mit einzelnen Abendzügen verstärkt.

Zum Hessentag denkt man in Kassel nur innerhalb der Stadt an Verstärkungen, hier Straßenbahnen am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.

Zum Hessentag denkt man in Kassel nur innerhalb der Stadt an Verstärkungen, hier Straßenbahnen am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.

Starke Kritik äußert der Fahrgastverband PRO BAHN, dass für das „Fest der Hessen“ aus dem Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes quasi überhaupt kein Zusatzangebot zur Verfügung stehe. Weiter nur im Normalbetrieb des 2-Stunden-Takts fahren auf der Main-Weser-Bahn Frankfurt-Gießen-Marburg-Kassel die Doppelstockzüge des Regionalexpress. Insbesondere an den Wochenenden seien diese erfahrungsgemäß mehr als überfüllt, eine Verstärkung wird seit Jahren erfolglos seitens der Interessenverbände eingefordert. „Nun sollen in den ohnehin überfüllten Doppelstockwagen die Gäste des Hessentags zusätzlich befördert werden – das ist schlicht und ergreifend eine Zumutung“, so der PRO BAHN-Landesvorsitzende. Aus dem Raum Fulda gebe es überhaupt keine Verstärkerzüge.

Stark angepreist werden im Sonderheft „Hessentag mobil“ die Zahl der einzelnen Zusatzfahrten in der Nacht. Diese fallen aber in dem ansonsten durchweg als negativ zu wertenden, unzureichenden Angebot überhaupt nicht ins Gewicht. Spät endende Konzerte, wie die „Just-White-Party“ finden in Bezug auf ihr tatsächliches Ende überhaupt keine Berücksichtigung.

Wenn denn an den Fuhrpark, wie früher, noch zusätzliche Waggons angehängt würden, wäre die Situation ja abzumildern. Nur das sei wegen der unterschiedlichen Wagentypen heutzutage vielfach nicht möglich. Da gelte heute der Gedanke „Augen zu und durch“. Lobpreisungen des Hess. Verkehrsministers Florian Rentsch (FDP) in der Broschüre „Hessentag mobil“ sind völlig abseits der Realität im ÖPNV rund um die Mehrtagsesveranstaltung.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, das Kombiticket für Großveranstaltungen. Dieses wird nur für die öffentlichen Nahverkehrsmittel im Nordhessischen Verkehrsverbund gelten. Hier werden 5 Millionen der 6 Millionen Hessen außen vor gelassen, weil sie im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes oder im Landkreis Bergstraße wohnen.

Alles in allem, so der Fahrgastverband PRO BAHN, ist den Verantwortlichen erneut wieder nicht der große Wurf gelungen, den Besuchern schon die An- und Abreise zu dem Volksfest des Bundeslandes schmackhaft zu machen. Man setze bei der Landesregierung, wie in vielen anderen Fällen, weiterhin auf das Auto, wobei aber auch hier wieder mit einem Verkehrskollaps zu rechnen ist. Bei einem vernünftigen, angemessenen Zugangebot müsse es weder auf der Straße, noch auf der Schiene zu Kapazitätsengpässen kommen.

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