{"id":3564,"date":"2016-11-16T14:32:31","date_gmt":"2016-11-16T12:32:31","guid":{"rendered":"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=3564"},"modified":"2016-11-25T23:35:48","modified_gmt":"2016-11-25T21:35:48","slug":"fahrgastverband-pro-bahn-nimmt-zum-aktuellen-verfahren-des-tarifmodellversuchs-rmv-smart-stellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=3564","title":{"rendered":"Fahrgastverband PRO BAHN nimmt zum aktuellen Verfahren des Tarifmodellversuchs RMV-Smart Stellung"},"content":{"rendered":"<p><strong>PRO BAHN Regionalverband Gro\u00dfraum Frankfurt arbeitet in Klausur Position zum Thema RMV-Smart aus<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3573\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bild-Grafik-RMV-Smart.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3573\" src=\"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bild-Grafik-RMV-Smart-300x177.jpg\" alt=\"Quelle: RMV\" width=\"300\" height=\"177\" class=\"size-medium wp-image-3573\" srcset=\"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bild-Grafik-RMV-Smart-300x177.jpg 300w, https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bild-Grafik-RMV-Smart.jpg 683w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3573\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: RMV<\/p><\/div>\n<p>Der PRO BAHN Regionalverband Gro\u00dfraum Frankfurt begr\u00fc\u00dft den Versuch des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) f\u00fcr eine Tarifreform zur Abmilderung der Preisspr\u00fcnge zwischen den verschiedenen Preisstufen (PS). Seit Fr\u00fchjahr l\u00e4uft ein Pilotversuch exklusiv f\u00fcr Smartphone-Besitzer mit bis zu 20.000 Teilnehmern. PRO BAHN steht dem Feldversuch kritisch gegen\u00fcber und h\u00e4lt die Fortf\u00fchrung des Tests unter bestimmten Pr\u00e4missen f\u00fcr sinnvoll, um belastbare Ergebnisse zu erhalten.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Geschichtliches \/Einf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Gr\u00fcndung des RMV als Nachfolger des kleinen, aber feinen Verkehrsverbundes FVV mit seinem genialen Tarif \u201eFahr bunt\u201c, war es erkl\u00e4rtes Ziel der Gr\u00fcnder und der Politik, dass das Fahren mit Bussen und Bahnen im Gebiet der Gesellschafter preiswert, Fahrten in den Nachbarkreis und insbesondere in die Innenstadt von Frankfurt dagegen teuer sein sollten. Diese Art Preisphilosophie galt bereits damals als nicht zeitgerecht, noch mehr hat sie sich als Hemmnis herausgestellt, die Menschen dazu zu bewegen, bei bestimmten Fahrten in die Mainmetropole (Kurzstrecken) \u00f6ffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Der horrende Preis f\u00fcr die Kurzstrecke zeichnet mit f\u00fcr das Negativimage des RMV als einer der teuersten Verb\u00fcnde Deutschlands verantwortlich. Zur Ehrenrettung der damals Zust\u00e4ndigen darf man nicht vergessen, dass die Leistungsf\u00e4higkeit der Prozessoren in den Automaten und Modulen der Busse keine detailliertere Preisgestaltung erlaubten.<br \/>\nSchon Anfang der 2000-er Jahre hat der damalige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, Volker Sparmann versprochen, dass mit der Umstellung auf das elektronische Ticketing (PRO BAHN spricht von elektronischem Fahrgeldmanagement) eklatante Spr\u00fcnge zwischen den einzelnen Preisstufen in wenigen Jahren der Vergangenheit angeh\u00f6ren werden. Mit gro\u00dfem Medienrummel wurde in Hanau das von T-Systems entwickelte Pilotprojekt \u201eget in\u201c als Kopie der Londoner OysterCard gestartet. Es hat sich bereits nach kurzer Zeit als zu st\u00f6ranf\u00e4llig, zu teuer bei der Installation der Technik und dem alle 2 Stunden erforderlich Auslesen der Daten sowie als nicht manipulationssicher erwiesen und erf\u00fcllte zudem nicht die Anforderungen der Politik f\u00fcr eine Mitnahmeregelung in der Schwachlastzeit. Ein gro\u00dfes Manko war auch, dass Umwegfahrten im gesamten Verbundraum nicht ausreichend sicher dargestellt werden konnten und bei Bedienungsfehlern dem Fahrgast der H\u00f6chstbetrag f\u00fcr eine Tageskarte f\u00fcr den gesamten Verbund in Rechnung gestellt wurde. So wurde dieser Pilot schon nach wenigen Jahren klammheimlich zu Grabe getragen.<br \/>\nSeither arbeitet der RMV an einer Tarifreform und muss die \u00d6ffentlichkeit, seine Fahrg\u00e4ste aber auch die Gesellschafter j\u00e4hrlich aufs Neue vertr\u00f6sten. So wurden in den vergangenen zehn Jahren Modelle, wie bis zu 86 verschiedene Preisrelationen, eine Erweiterung von den bisher sieben auf zehn oder zw\u00f6lf Preisstufen oder die Aufteilung des Stadtgebietes Frankfurt in vier oder f\u00fcnf Waben durchgespielt und allesamt wieder verworfen.<\/p>\n<p><strong>Zu RMVsmart<\/strong><\/p>\n<p>Mit RMVsmart unternimmt der RMV nun einen dreij\u00e4hrigen Feldversuch f\u00fcr Smartphone-Besitzer zur Erprobung einer entfernungsabh\u00e4ngigen Berechnung des Fahrpreises. Dazu werden bis zu 20.000 Probanden gesucht, wobei sich aber bis heute nur etwa 8.000 Teilnehmer, meist aus dem Ballungsraum Rhein-Main gemeldet haben. Zumindest, was das Verhalten dieser User betrifft, l\u00e4sst dies nicht die beabsichtigte Hochrechnung auf das Gesamtverhalten der Fahrg\u00e4ste zu, da die Teilnehmer an dem Versuch keinen repr\u00e4sentativen Querschnitt f\u00fcr die Gesamtheit der Fahrg\u00e4ste des RMV darstellen und das Verhalten keine sicheren R\u00fcckschl\u00fcsse auf die zuk\u00fcnftige Einnahmeverteilung und \u2013ver\u00e4nderung zul\u00e4sst, da die Teilnehmer logischerweise nur dann den Smart-Tarif anwenden, wenn dieser preiswerter ist als der ebenfalls \u00fcber das Handy verf\u00fcgbare konventionelle.<\/p>\n<p>Einen entfernungsabh\u00e4ngigen Tarif zu entwickeln, ist ein m\u00f6glicher Weg in die richtige Richtung. Allerdings mussten die Macher von RMVsmart bei der Umsetzung ihrer Idee bald einsehen, dass f\u00fcr die sch\u00e4tzungsweise 125.000 Relationen im RMV dieses Konzept nicht mit allerletzter Konsequenz umzusetzen ist. <\/p>\n<p>Als Kompromiss unterscheidet RMVsmart zwischen einem Kern- und Regionalnetz mit Kilometerpreisen von 21,8 Cent bzw. 10,9 Cent sowie zwischen unterschiedlichen Pauschalen f\u00fcr die Kategorien der \u201eM-, L- und XL-St\u00e4dte\u201c und f\u00fcr die beiden \u201e\u00dcberlandgebiete M+\/L+ und XL+\u201c, jeweils zuz\u00fcglich eines fixen Grundpreis von derzeit \u20ac 1,69. Und schon wird die Angelegenheit noch intransparenter und teilweise noch ungerechter als bisher &#8211; bei Minutenpreisen zwischen 0,034 und 2,360 \u20ac und Kosten zwischen 2,56 \u20ac und 7,03 \u20ac f\u00fcr die gleiche Distanz (Luftlinie) bei den von PRO BAHN bisher untersuchten 300 Relationen. Eine Fahrt \u00fcber 10 Kilometer mit der Frankfurter U-Bahn kostet nach RMVsmart zum Beispiel 3,54 \u20ac, in der Stra\u00dfenbahn zahlt man 2,36 \u20ac und in allen anderen Verkehrsmitteln (Bus, RE, RB) in Stadt und Land wiederum um die 2,80 \u20ac.<br \/>\nDurch den vergleichsweise hohen Grundpreis verteuern sich gerade in den Ballungsr\u00e4umen die Tickets teilweise exorbitant und kollidieren damit mit dem Ziel, mehr Menschen vom Auto weg in \u00f6ffentliche Verkehrsmittel zu bringen. Hier m\u00fcssen die Parameter des Versuches dringend angepasst werden. Wenn aber das Credo einer einnahmeneutralen Tarifreform gelten soll, wird jede Preisreduktion an anderer Stelle im Verbund durch eine Preiserh\u00f6hung ausgeglichen werden m\u00fcssen. Hier sind im Zweifel auch die Politik und die Gesellschafter gefordert, umzudenken und stattdessen mehr in den umweltfreundlichen \u00f6ffentlichen Verkehr zu investieren, um Preiserh\u00f6hungen zu vermindern.<\/p>\n<p><strong>Forderungen<\/strong><\/p>\n<p>Die offensichtlichen M\u00e4ngel von RMVsmart liegen bereits heute auf dem Tisch. Zahlreiche handwerkliche Fehler sind offenkundig und eigentlich unstrittig.<\/p>\n<p>Wilfried Staub, Stellv. Regionalvorsitzender von PRO BAHN Gro\u00dfraum Frankfurt h\u00e4lt die Fortf\u00fchrung des Tests aber f\u00fcr einen zeitlich begrenzten Zeitraum und unter bestimmten Bedingungen f\u00fcr sinnvoll, wobei allerdings folgende Ziele bzw. Pr\u00e4missen f\u00fcr die Fahrgastvertreter als Bedingung unumst\u00f6\u00dflich sind:<\/p>\n<p>1.) Der endg\u00fcltige Tarif muss auch f\u00fcr den Verkauf an Fahrscheinautomaten und beim Busfahrer kompatibel sein, so wie es der RMV sich selbst als Ziel auferlegt hat. Betr\u00e4ge kleiner als 5 Cent sind allerdings nicht praktikabel bzw. an den g\u00e4ngigen Automaten zumindest derzeit nicht m\u00f6glich bzw. dem Busfahrern nicht zuzumuten. Es d\u00fcrfen keine neuen Zugangsh\u00fcrden zum \u00d6PNV oder Nachteile f\u00fcr Benutzergruppen ohne Smartphone aufgebaut werden.<\/p>\n<p>2.) Der Kauf von RMVsmart-Tickets darf den Vorgang am Automaten und beim Busfahrer gegen\u00fcber heute nicht verl\u00e4ngern und verkomplizieren. Durch RMVsmart d\u00fcrfen sich die Vorf\u00e4lle des Einzelfahrscheinkaufs im Vergleich zu bisher nicht erh\u00f6hen, damit der Verkauf am Automaten nicht behindert wird und die Fahrpl\u00e4ne der Busse mit Barverkauf eingehalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>3.) Es muss eine diskriminierungsfreie L\u00f6sung f\u00fcr Prepaid-Zeitkarten, gleich welcher Art (auch Wochenkarten!) und die Beibehaltung der Mitnahmeregelung vom ersten Tag der G\u00fcltigkeit der Zeitkarten an gegeben sein.<\/p>\n<p>4.) Die bew\u00e4hrten und beim Fahrgast beliebten \u00fcbertragbaren Tages- und Gruppenkarten m\u00fcssen mit den Vorz\u00fcgen der freiz\u00fcgigen Beweglichkeit in der gebuchten Tarifwabe \u2013 wie weltweit \u00fcblich &#8211; erhalten bleiben.<\/p>\n<p>5.) Anschlussfahrten, Fahrten in \u00dcbergangsgebiete und ein Upgrade in die 1. Klasse sowie Fahrten in zugelassenen Fernverkehrsz\u00fcgen der DB m\u00fcssen weiterhin m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>6.) Der Kilometerpreis sollte degressiv aufgebaut und f\u00fcr alle Verkehrsmittel gleich oder nur in abgemilderter Form abgestuft sein. Der Grundpreis sollte entfallen oder deutlich verringert werden, da er sich kontr\u00e4r zu gewollten preiswerten Kurzstreckenfahrten verh\u00e4lt (Minimierung MIV).<\/p>\n<p>7.) Wie international bei der Eisenbahn \u00fcblich muss \u00fcber eine Raumbegrenzung eine L\u00f6sung gefunden werden, dass f\u00fcr unterschiedliche Wege der gleiche Preis gilt und die Freiz\u00fcgigkeit innerhalb der gew\u00e4hlten Relation in gro\u00dfz\u00fcgiger Weise gegeben ist. F\u00fcr Fahrg\u00e4ste und Kontrolltrupps darf es dabei keinen Interpretationsraum geben.<\/p>\n<p>8.) Alternative Probleml\u00f6sungen f\u00fcr die Beseitigung der bisher gravierenden Preisspr\u00fcnge als Alternative zum Modellversuch RMVsmart sind unverz\u00fcglich in die weiteren \u00dcberlegungen einzubeziehen, so dass sp\u00e4testens in zwei Jahren die l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Tarifreform in Kraft treten kann.<\/p>\n<p>9.) Der zuk\u00fcnftige Tarif des RMV muss sich an den ge\u00e4nderten und zuk\u00fcnftigen Bed\u00fcrfnissen und Gewohnheiten der Fahrg\u00e4ste orientieren.<\/p>\n<p>10.) Bei den begleitenden Befragungen der Fahrg\u00e4ste zu RMVsmart m\u00fcssen zwingend auch am Feldversuch nicht teilnehmende Fahrg\u00e4ste und die Gruppe der Nicht-User des \u00d6PNV einbezogen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PRO BAHN Regionalverband Gro\u00dfraum Frankfurt arbeitet in Klausur Position zum Thema RMV-Smart aus Der PRO BAHN Regionalverband Gro\u00dfraum Frankfurt begr\u00fc\u00dft den Versuch des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) f\u00fcr eine Tarifreform zur Abmilderung der Preisspr\u00fcnge zwischen den verschiedenen Preisstufen (PS). 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