{"id":3810,"date":"2017-01-19T02:39:07","date_gmt":"2017-01-19T00:39:07","guid":{"rendered":"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=3810"},"modified":"2017-01-30T15:13:06","modified_gmt":"2017-01-30T13:13:06","slug":"streik-in-hessen-in-privaten-omnibusunternehmen-ein-personlicher-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=3810","title":{"rendered":"Streik in Hessen in privaten Omnibusunternehmen &#8211; ein pers\u00f6nlicher Kommentar"},"content":{"rendered":"<p><strong>Thomas Kraft, Landesvorsitzender des PRO BAHN Landesverbandes Hessen \u00e4u\u00dfert sich zu den aktuellen Busfahrerstreiks in Hessen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_1552060-klein-600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_1552060-klein-600-225x300.jpg\" alt=\"20170119_155206(0) - klein 600\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-3813\" srcset=\"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_1552060-klein-600-225x300.jpg 225w, https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_1552060-klein-600.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Seit rund zwei Wochen fahren in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten Hessens keine Linienbusse, eine Streikdauer, welche in der Ausweitung keiner erwartet h\u00e4tte. Nun ist w\u00e4re es einfach, als Fahrgastvertreter die Einhaltung einer festgelegten Leistung einzufordern, sprich den Fahrplan. Es ist klar, dass diese Leistung eigentlich unabdingbar ist, weil davon viele pers\u00f6nliche Schicksale abh\u00e4ngen. Ein nicht unerheblicher Teil der Menschen, in Hessen sind dies in und um die Gro\u00dfst\u00e4dte und St\u00e4dte \u00fcber 50.000 Einwohner nicht wenige, haben kein Auto, sind darauf angewiesen, dass sie mit dem Bus zur Arbeit fahren. Fast der gesamte Sch\u00fclertransport l\u00e4uft in Hessen \u00fcber den im Fahrplanbuch ausgewiesenen Verkehr. Dies w\u00e4re aber zu kurz gedacht, wenn man sich als Fahrgast darauf in der eigenen Auffassung zum Thema Streik beschr\u00e4nkt.<!--more--> <\/p>\n<p>Gerade als Funktionstr\u00e4ger eines gemeinn\u00fctzigen Verbandes, welcher damit auch eine sozialpolitische Verantwortung tr\u00e4gt, darf man eine Personengruppe nicht au\u00dfen vor lassen, es sind die Arbeitnehmer im \u00d6PNV, vorrangig die Busfahrer. Sie sind es, die aufgrund inakzeptabler rechtlicher Rahmenbedingungen (EU-Recht) seit 20 Jahren darunter leiden m\u00fcssen, dass bei Ausschreibungen immer die g\u00fcnstigsten Anbieter den Zuschlag f\u00fcr mehrj\u00e4hrig zu vergebende Nahverkehrsleistungen erhalten. Der Kostendruck auf die Leistungserbringer ist so enorm, dass sich viele Firmen nicht mehr an Ausschreibungen beteiligen k\u00f6nnen. Um dem ganzen Unterfangen gerecht zu werden, sind die \u00f6ffentlichen Leistungserbringer, meistens Stadtwerke, dem Trend gefolgt und haben privatrechtliche Verkehrsgesellschaften oder Tochterunternehmen gegr\u00fcndet. Dies f\u00fchrte dazu, dass die Stellen von vormals \u00f6ffentlich Bediensteten, bei Neubesetzungen zu den wesentlich niedrigeren Geh\u00e4ltern der privaten Unternehmensbranche entlohnt werden. Die Schieflage wurde eingel\u00e4utet und der Busfahrer verdiente in seinem verantwortungsvollen Job mitunter weniger als das Hauswirtschaftspersonal im Betriebsgeb\u00e4ude. <\/p>\n<p>Wozu f\u00fchrte diese niedrige  Entlohnung? Auch dazu, dass Personal auf den Buslinien nachr\u00fcckte, welches nicht in der eigentlich erforderlichen Qualit\u00e4t ausgebildet war und ist, oftmals dem Kunden keine ausreichenden Fahrplanausk\u00fcnfte und Fahrpreisinformationen liefern kann. Auch Fahrfehler passieren immer \u00f6fter, z.B. dass der Busfahrer nicht die Linienbusroute f\u00e4hrt.  Insofern ist nicht nur die Einhaltung des Fahrplans im Interesse des Fahrgastes, sondern es sind auch die Bedienqualit\u00e4t und die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Fahrer. Daher muss der Fahrgastverband PRO BAHN auch daf\u00fcr Verst\u00e4ndnis zeigen, dass die Busfahrer ordentlich entlohnt werden aber auch, dass die Manteltarifvertr\u00e4ge stimmen, in denen Dinge wie Arbeitszeiten und Festlegungen zu den Lenkpausen geregelt sind. Ich gehe noch ein St\u00fcck weiter. Hier haben wir alle eine gesellschaftliche Verpflichtung und die hei\u00dft, wir m\u00fcssen mehr Geld f\u00fcr unsere Daseinsvorsorge und unsere Infrastruktur in die Hand nehmen. Die Gesellschaft muss die  Politik dazu dr\u00e4ngen, dass mehr Mittel in die \u00f6ffentlichen Haushalte eingestellt werden, um Mobilit\u00e4t in unserem Land zu finanzieren. Wenn wir schon die Entwicklung des autonomen Fahrens auf den gut ausgebauten Stra\u00dfen mit gro\u00dfen Summen subventionieren, dann k\u00f6nnen wir den Busfahrer in Deutschland auch ordentlich entlohnen. <\/p>\n<p>\u201eGerechter Lohn f\u00fcr gute Arbeit\u201c, so lautet ein Slogan, mit dem die Gewerkschaft seit einigen Jahren f\u00fcr ihre Interessen und um Zuspruch wirbt. Diesen Satz kann man uneingeschr\u00e4nkt unterst\u00fctzen. Wenn in den Linienbussen Fahrer sitzen, die angemessen entlohnt werden, dann haben wir auch als Fahrg\u00e4ste einen Nutzen davon, n\u00e4mlich einen netten und zug\u00e4ngigen Busfahrer am Steuer sitzen, der meine W\u00fcnsche erf\u00fcllen wird. Daher bitte ich um Verst\u00e4ndnis, dass ich in gewisser Weise Sympathie f\u00fcr die Streikenden habe und dann auch mal in Ordnung finde, wenn sie streiken. Nur wer streikt denn im Moment? Es sind die ehemals \u00f6ffentlichen Verkehrsbetriebe mit ihren Mitarbeitern, die heute privatisiert sind. Es streiken leider nicht die Busfahrer der kleineren Unternehmen, welche schon immer privat waren. Der Organisationsgrad in den kleinen Unternehmen ist leider sehr gering und daher geht mein Appell gerade an diese Busfahrer, doch auch Mitglied der Gewerkschaft zu werden. Sie sind es, bei denen die Bedingungen mit Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und Gehaltseinstufungen noch schlimmer sind als in den gr\u00f6\u00dferen Unternehmen mit kommunaler Verflechtung. <\/p>\n<p>Was ich mir dann jedoch als Fahrgast w\u00fcnsche das ist, dass nach einem gewissen Zeitraum auch mal wieder Bewegung in die Tarifauseinandersetzung kommt und man von beiden Tarifkonfliktparteien Bereitschaft zur L\u00f6sung signalisiert. Vielleicht kann man noch ein bisschen umfassender durch Streik auf sich aufmerksam machen als dies aktuell der Fall ist aber bitte nicht mehr so lange wie aktuell. Nach so langer Zeit geht es den Fahrg\u00e4sten dann schon an die Substanz. M\u00f6ge die Bereitschaft von beiden Seiten vorhanden sein, nun doch wirklich in eine Schlichtung zu gehen und der Wille zur Einigung m\u00f6glich sein. Die Fahrg\u00e4ste werden es danken, wenn sie keine Bef\u00fcrchtungen mehr haben m\u00fcssen, p\u00fcnktlich zur Arbeit und in die Schule zu kommen.<\/p>\n<p>Thomas Kraft<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Kraft, Landesvorsitzender des PRO BAHN Landesverbandes Hessen \u00e4u\u00dfert sich zu den aktuellen Busfahrerstreiks in Hessen Seit rund zwei Wochen fahren in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten Hessens keine Linienbusse, eine Streikdauer, welche in der Ausweitung keiner erwartet h\u00e4tte. 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