{"id":3900,"date":"2017-02-05T22:06:48","date_gmt":"2017-02-05T20:06:48","guid":{"rendered":"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=3900"},"modified":"2017-02-13T01:01:50","modified_gmt":"2017-02-12T23:01:50","slug":"stellwerksausfall-in-friedberg-chaos-auf-main-weser-bahn-zwischen-giesen-und-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=3900","title":{"rendered":"Stellwerksausfall in Friedberg \u2013 Chaos auf Main-Weser-Bahn zwischen Gie\u00dfen und Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p><strong>PRO BAHN Mittelhessen sieht massive Fehler in Abl\u00e4ufen &#8211; im konkreten Fall aber auch Ergebnisse von grunds\u00e4tzlich falschen Ans\u00e4tzen bei \u00d6PNV-Organisation<\/strong><\/p>\n<p>Sonntag, 05.02.2017, 14:00 Uhr, eigentlich ein ganz normaler Sonntag, sogar die Sonne scheint ab und an, es ist trocken, keine Anzeichen von Wintereinbruch. Das anstehende Bundesliga-Lokalderby Eintracht Frankfurt gegen Darmstadt 98 um 17:30 Uhr in der Frankfurter Commerzbankarena l\u00e4sst mehrere tausend zus\u00e4tzliche Fahrg\u00e4ste auch auf der Strecke von Kassel \u00fcber Marburg und Gie\u00dfen nach Frankfurt erwarten. Sogar ein Sonderzug steht in Marburg abfahrbereit. Es deutet eigentlich nichts auf eine St\u00f6rung des normalen Verkehrsflusses im Zugverkehr hin, die Betonung liegt dann aber auf \u201eeigentlich\u201c. <\/p>\n<p><div id=\"attachment_3901\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/DSC08625-klein-600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3901\" src=\"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/DSC08625-klein-600-300x225.jpg\" alt=\"Der Bahnhof in Friedberg - so wie hier auf dem Bild war ab dem 05.02. nachmittags erstmal Schluss. Die S-Bahnen der S 6 fuhren fortan nur noch bis Nieder-W\u00f6llstadt.\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"size-medium wp-image-3901\" srcset=\"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/DSC08625-klein-600-300x225.jpg 300w, https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/DSC08625-klein-600.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3901\" class=\"wp-caption-text\">Der Bahnhof in Friedberg &#8211; so wie hier auf dem Bild war ab dem 05.02. nachmittags erstmal Schluss. Die S-Bahnen der S 6 fuhren fortan nur noch bis Nieder-W\u00f6llstadt.<\/p><\/div><!--more--><\/p>\n<p>Genau just in dem Moment, wo in Mittelhessen die doch recht zahlreichen Eintracht-Fans sich auf den Weg machen wollen, in Gie\u00dfen, Marburg und Wetzlar und diversen Unterwegshalten in Mittelhessen an den Bahnh\u00f6fen stehen, zusammen eben mit Wochenendpendlern und anderen Reisewilligen \u2013 da kommt die Durchsage, dass wegen einer \u201eStellwerksst\u00f6rung\u201c bis auf weiteres kein Zug nach Frankfurt (Main) Hbf. f\u00e4hrt. Gro\u00dfe Ratlosigkeit, denn was nun? Die Bahnsteige sind insbesondere in Gie\u00dfen voll, wie soll es weitergehen. In Gie\u00dfen kommt dann \u00fcber Lautsprecher ein Alternativvorschlag, man solle doch die Lahntalbahn bis Limburg nehmen und dort in den Regionalexpress nach Frankfurt fahren. Der Umweg w\u00e4re f\u00fcr die Fu\u00dfballfans zu sp\u00e4t. In der Bahnhofshalle dann wildes Getuschel \u2013 schnell stellt sich raus. Es kann mit der Sperrung in Friedberg l\u00e4nger dauern, es h\u00e4lt sich die Aussage: \u201eDas Stellwerk brennt\u201c. Schnell werden es zun\u00e4chst schon mal weniger Gestrandete, denn wer innerhalb Hessen sein Ziel hatte, ob Freizeit- bzw. Berufsreisender, der lief zum Auto und fuhr eben mit dem PKW an sein Ziel.<\/p>\n<p>Fakt ist, es dauerte Stunden, bis sich \u00fcberhaupt erstmal etwas bewegte. Zum aktuellen Fall weiter hinten im Text noch etwas mehr.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch andere Beispiele in der j\u00fcngeren Vergangenheit. Im Sommer 2015 st\u00fcrzte am Abend ein Baum zwischen Gie\u00dfen und Wetzlar nach einem Gewitterregen auf die Gleise. Die Strecke musste f\u00fcr den Rest des Tages bis in den anderen Morgen hinein gesperrt werden. Was war insbesondere passiert, der RE 99 war nun von Frankfurt (Main) Hbf. in Gie\u00dfen angekommen und konnte nicht weiterfahren. Der Zug war mit Menschen voll besetzt, die einerseits in die Orte im Lahn-Dill-Kreis wollten aber auch weiter Richtung Siegen und andere Orte in Nordrhein-Westfalen. Zum Gl\u00fcck hat Gie\u00dfen als Bahnhof der Kategorie 2 noch eine DB-Information, welche zu dem Zeitpunkt auch noch besetzt war. Es bildeten sich Schlangen und die Auskunft lautete: \u201eEs kommen mehrere Busse von der Firma \u2026\u2026\u201c. Der Verfasser dieses Artikels, selbst zu dem Zeitpunkt vor Ort, wunderte sich \u00fcber den Namen des Unternehmens. Was stellte sich heraus, um die Uhrzeit war bei dem kleinen Unternehmen keiner mehr telefonisch zu erreichen. Man erreichte die Wetzlarerer Verkehrsbetriebe und die erkl\u00e4rten sich  kurzerhand bereit, einen Teil der Stadtbusflotte, welcher schon im Depot war, f\u00fcr den Abend in Betrieb zu nehmen und die gestrandeten Fahrg\u00e4ste mit dem Stadtbus bis nach Siegen zu fahren.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Fall, am 12.09.2016, ebenfalls in Mittelhessen und wieder mit Anwesenheit des Verfassers. Der um 18:23 Uhr in Kassel Hbf. startende Doppelstock-Regional-Express ist zwischenzeitlich kurz vor Stadtallendorf. Es erfolgt die Durchsage, dass der Zug in Stadtallendorf endet und nicht weiter fahren kann, weil erneut aufgrund h\u00f6herer Gewalt mit Schaden bei Kirchhain die Strecke gesperrt ist. Die Menschen steigen in Stadtallendorf aus und kein seitens der Deutschen Bahn Verantwortung tragender Mensch wird vor Ort gesehen. In Stadtallendorf wird au\u00dfer dem Fahrdienstleiter kein weiteres st\u00e4ndiges Personal mehr vorgehalten. Die Menschen stehen 2 Stunden herum, es kommt niemand. In den gestrandenen Zug hineinsetzen und abwarten, das ging auch nicht, denn er war zwischenzeitlich wieder in Richtung Kassel gefahren. Die die es nicht soweit bis nachhause hatten (bis gesch\u00e4tzt 80 km je Richtung), wurden von auch hier von ihren Familienmitgliedern abgeholt. Einzelne ergatterten ein Taxi, es fanden sich letztlich sich einander \u00fcberhaupt nicht kennende Menschen in einem Taxi, um voran zu kommen. Gemeldet hat sich den ganzen Abend niemand mehr in Stadtallendorf. <\/p>\n<p>Nun wieder zum konkreten Fall am 05.02.2017 in Friedberg. Zun\u00e4chst hatte man die Uml\u00e4ufe auf der Main-Weser-Bahn (nach Norden) sowie der Dillstrecke inzwischen einigerma\u00dfen in den Griff bekommen. Dennoch, an normalen Fahrplanlagen war in dem Moment nicht mehr zu rechnen. Man k\u00fcndigte seitens der DB an, bis \u201eMontagmorgen\u201c (06.02.) wieder den normalen Fahrplan fahren zu k\u00f6nnen. Dieses Ziel wurde jedoch nicht gehalten. Am Montagvormittag hie\u00df es dann, dass der Stellwerksausfall zumindest bis Mittwoch (08.02.) andauere. Zwischenzeitlich hat man diesen Zeitpunkt im Wochenverlauf unbefristet nach hinten verschoben. Die in Friedberg vorhandene Technik, welche der elektronischen Weiterschaltung nach Frankfurt dient, ist wohl derart stark defekt, dass es noch mehrere Tage dauern wird. Vielleicht w\u00e4re es unter den Umst\u00e4nden besser, man w\u00fcrde von vorn herein einen l\u00e4ngeren Zeitraum festlegen, in dem es zu den Einschr\u00e4nkungen im Zugbetrieb kommt, z.B. bis zum Wochenende oder die Mitte der n\u00e4chstfolgenden Woche. Dann k\u00f6nnten die Arbeiten in Ruhe und mit der n\u00f6tigen Sorgfalt ausgef\u00fchrt werden und der Fahrgast h\u00e4tte auch Klarheit und k\u00f6nnte sich auf die Ver\u00e4nderungen einstellen. Allen ist damit geholfen, wenn Zeitr\u00e4ume so gew\u00e4hlt werden, dass sie auch einzuhalten sind.<\/p>\n<p>Es kam wie es kommen musste, ab Montag, die ersten Pendler strandeten am dunklen Wintermorgen des 06.02. insbesondere in Gie\u00dfen, je mehr die Hauptverkehrszeit anbrach, umso mehr ratlose Menschen standen an den Bahnsteigen und den Wartehallen. Sie strandeten nicht nur in der Universit\u00e4tsstadt, sondern auch in Butzbach. Es war kein Durchkommen auf dem Gleis m\u00f6glich. Erst im Tagesverlauf hatte man Busse beieinander, um mit 6 Transportgef\u00e4\u00dfen zwischen Butzbach und Nieder-W\u00f6llstadt einen Schienenersatzverkehr einzurichten. Zudem ist dann im 60-Minuten-Takt ein Zug im Abschnitt Gie\u00dfen-Butzbach-Friedberg-W\u00f6llstadt unterwegs, der keinen Gleiswechsel ben\u00f6tigt. Aus technischren Gr\u00fcnden kann nur dieser 60-Minuten-Takt gefahren werden, wo ansonsten alle 10-30 Minuten ein Zug f\u00e4hrt. Wie will man so zehntausende Pendler und andere Reisende  von Mittelhessen nach Frankfurt bringen? Es geht schlicht und ergreifend unter diesen Umst\u00e4nden nicht. Es m\u00fcssten mehr Ersatzbusse zur Verf\u00fcgung stehen aber keine der Nahverkehrsgesellschaften, kein Busunternehmer der Region kann \u00fcberhaupt in nennenswertem Umfang Busse bereitstellen, die man eben mal \u00fcbrig hat. Linienbusse werden eben nur gem\u00e4\u00df Ausschreibung von Linienb\u00fcndeln im f\u00fcr den Fahrplan n\u00f6tigen Umfang beschafft. <\/p>\n<p>Nun rufen die Menschen bei PRO BAHN an und stellen die Frage : &#8222;Warum kann denn die Bahn nicht mal einfach ausreichend Ersatzbusse bereitstellen?\u201c So unbedarft sind die Menschen, denn den gesellschaftlichen Wandel, dass in den letzten Jahrzehnten massiv Daseinsvorsorge auf der Strecke geblieben ist, dies geht leider in der aktuellen Debatte ebenso unter wie in anderen kurzfristig eintretenden Ereignissen. Es stehen eben, mit Ausnahme weniger Metropolregionen, in Deutschland nirgends entsprechende Kapazit\u00e4ten an Bussen und Personal zur Verf\u00fcgung. Man m\u00fcsste theoretisch den normalen Linienbetrieb im Lokalbusverkehr k\u00fcrzen, um dann den Schienenersatzverkehr zu erm\u00f6glichen. Wie auch immer geartete Vertr\u00e4ge, die in diese Richtung tendieren, gibt es jedoch nicht. <\/p>\n<p>Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert, dass der Gesetzgeber die Rechtsgrundlagen daf\u00fcr schafft, um bei unvorhergesehenen Ereignissen besser vorbereitet und ger\u00fcstet zu sein. Im Detail hei\u00dft dies, dass mehr Personal vorgehalten werden muss, welches in \u00fcberschaubaren Zeitr\u00e4umen selbst kleine Stationen anfahren kann, um vor Ort zu helfen. Dies bedeutet z.B., Fahrg\u00e4sten Ausk\u00fcnfte zu geben, die Weiterfahrt mit Ersatzbussen oder Taxen, ggf. sogar \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten zu organisieren. Der vorweg beschriebene Fall in Stadtallendorf w\u00fcrde so in der Form nicht mehr auftreten. Des Weiteren bedarf es im Buskontingent mehrerer Depots mit \u201estillen Reserven\u201c, so dass sie unmittelbar zur Verf\u00fcgung stehen und nicht ansonsten im Linienbetrieb im Einsatz sind. Es ist klar, dass das Geld kostet. Hierzu muss aber der Wille seitens der Verantwortungstr\u00e4ger in Politik und Verkehrswirtschaft vorhanden sein, denn die aktuellen Einsatzpl\u00e4ne sind einfach v\u00f6llig inakzeptabel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PRO BAHN Mittelhessen sieht massive Fehler in Abl\u00e4ufen &#8211; im konkreten Fall aber auch Ergebnisse von grunds\u00e4tzlich falschen Ans\u00e4tzen bei \u00d6PNV-Organisation Sonntag, 05.02.2017, 14:00 Uhr, eigentlich ein ganz normaler Sonntag, sogar die Sonne scheint ab und an, es ist trocken, &hellip; <a href=\"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=3900\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3900"}],"collection":[{"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3900"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3900\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3990,"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3900\/revisions\/3990"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}