{"id":4573,"date":"2017-07-25T00:42:09","date_gmt":"2017-07-24T22:42:09","guid":{"rendered":"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=4573"},"modified":"2017-08-02T02:01:51","modified_gmt":"2017-08-02T00:01:51","slug":"4573","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=4573","title":{"rendered":"&#8230;der Takt stimmt noch nicht!     PRO BAHN freut sich \u00fcber das &#8211; verbale &#8211; Interesse der CDU am \u00d6PNV der Region.  F\u00fcr nachhaltige Kundenbindung reicht der Takt allerdings noch lange nicht:  Worten m\u00fcssen Taten folgen!"},"content":{"rendered":"<p>Kreis Bergstra\u00dfe, 23.7.2017<\/p>\n<p>Der Fahrgastverband PRO BAHN begr\u00fc\u00dft das Interesse der CDU am \u00d6PNV in der Region [1]. F\u00fcr das Umsteigen vom eigenen Pkw auf den \u00d6PNV stimmt der Takt allerdings noch lange nicht \u2013 nicht nur bei den Fahrzeiten. Trotz einiger Erfolge in der Vergangenheit machen fehlende Verbindungen und mangelhafte Tarifangebote den \u00d6PNV f\u00fcr viele Menschen immer noch unzug\u00e4nglich.<\/p>\n<p><div id=\"attachment_4576\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/20160319_100708.-klein-400jpg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4576\" src=\"http:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/20160319_100708.-klein-400jpg-300x225.jpg\" alt=\"Der Bahnhof Bensheim an der Bergstra\u00dfe in S\u00fcdhessen.\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"size-medium wp-image-4576\" srcset=\"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/20160319_100708.-klein-400jpg-300x225.jpg 300w, https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/20160319_100708.-klein-400jpg.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4576\" class=\"wp-caption-text\">Der Bahnhof Bensheim an der Bergstra\u00dfe in S\u00fcdhessen.<\/p><\/div><!--more--><\/p>\n<p>Bus und Bahn an der Bergstra\u00dfe sind im Laufe der Jahre besser geworden: Man bem\u00fcht sich aktuell um eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Modernisierung von Bushaltestellen [2], einige Verbindungen wurden im Angebot verbessert1, das neue hessenweite Sch\u00fclerticket begl\u00fcckt viele Eltern und Jugendliche [4] und erst k\u00fcrzlich wurden Dynamische Fahrgastinformationssysteme in Bensheim am Bahnhof installiert (weitere sollen folgen [2]). Dar\u00fcber hinaus kann sich auch eine vergleichsweise moderne Niederflurbus-Flotte im Kreisgebiet sehen lassen und ein Fahrgastbeirat wird als lokales Dialogforum Basis f\u00fcr zuk\u00fcnftige Gespr\u00e4che zwischen den beteiligten Akteuren im \u00d6PNV bilden.<\/p>\n<p>Das sind alles positive Entwicklungen in der Praxis, die wir als Fahrgastverband durchaus anerkennen und z.T. mit angesto\u00dfen haben. Setzt man sich jedoch vertieft mit der Materie auseinander oder testet das Angebot einfach mal in einem \u201eMobilit\u00e4tspraktikum\u201c \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum selbst, stellt man neben den Lorbeeren schnell die Schattenseiten fest: Barrieren bei elementaren Grundlagen belasten die bisherigen Erfolge und lassen sie leider letztlich als eher \u00fcberf\u00e4llig eingesammelte \u201elow hanging fruits\u201c erscheinen.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr eine so prosperierende Region, in zentraler Lage zwischen zwei Metropolregionen, wird auf einigen Relationen im Kreisgebiet leider immer noch ein fast schon peinliches Angebot abgeliefert\u201c, findet Peter Castellanos, Erster Vorsitzender des PRO BAHN-Regionalverbandes Starkenburg e.V. \u201eIn den n\u00e4chsten Jahren muss man sich erst wichtigen M\u00e4ngeln st\u00e4rker widmen, ehe zu viel pauschales Lob ausgesprochen wird\u201c.<\/p>\n<p><strong>Kleine Analyse<\/strong><\/p>\n<p>Der klassische \u00d6PNV kann im gewohnten Linienverkehr nicht alle Bed\u00fcrfnisse befriedigen und steht unter Finanzierungsvorbehalt. weshalb das Zusammenspiel mehrerer Verkehrsmittel von elementarer Bedeutung ist (\u201eMultimodalit\u00e4t\u201c). In einem multimodalen Verkehrssystem dient der \u00d6PNV als wichtige R\u00fcckfallebene und sollte daher einen m\u00f6glichst breiten Kundenkreis durch ein offensives \u00d6PNV-Angebot erreichen. Dass dadurch Fahrgeldeinnahmen gesteigert werden k\u00f6nnen, wird oft vernachl\u00e4ssigt. Vertaktete Verbindungen zwischen Zentren, die an Verkn\u00fcpfungspunkten Anschl\u00fcsse im Integralen Taktfahrplan herstellen sind ein Kernmerkmal daf\u00fcr. Dazu m\u00fcssen aber \u00fcberhaupt erst Verbindungen auf bestimmten Relationen angeboten werden. Im Kreis Bergstra\u00dfe hapert es daran noch erheblich, wie ein Reisezeitvergleich zwischen motorisiertem Individualverkehr (MIV) \u2013 also Pkw bzw. motorisierte Zweir\u00e4der \u2013 und \u00d6PNV2 auf vergleichsweise nachfragestarken Achsen ohne akzeptablen \u00d6PNV deutlich zeigt.<\/p>\n<p>Es wurden beispielhaft Relationen zwischen zentralen Orten (Mittelzentrum oder Unterzentrum) ausgew\u00e4hlt, die nach Angaben der derzeit aktuellsten Verkehrsmengenkarte von Hessen mobil aus dem Jahr 20123 und eigenen Berechnungen4 mit \u00fcber 2 000 Kraftfahrzeugen pro Tag (ohne Schwerverkehr) belastet sind. Liegt das Reisezeitverh\u00e4ltnis niedriger als 1,5 \u2013 also ben\u00f6tigt man f\u00fcr die gleiche Strecke weniger als 1,5-mal mehr Zeit als der MIV \u2013 so gilt es noch als \u201eg\u00fcnstig\u201c [5]; liegt es dar\u00fcber entsprechend negativer. Betrachtet man die problematischen Relationen im Kreisgebiet wird deutlich, dass es unzumutbare Zeitaufw\u00e4nde auf gut nachgefragten Strecken gibt.<\/p>\n<p>\u201eDoppelte bis dreifache Reisezeiten durch Netzl\u00fccken sind genauso wenig Garant f\u00fcr Neukunden, wie mobilit\u00e4tseinschr\u00e4nkende Tarifgrenzen\u201c, so Castellanos weiter. Gerade Tarifgrenzen verlangen viel Engagement der L\u00e4nder und Verkehrsverb\u00fcnde, um verkrustete Tarifstrukturen aufzubrechen. Doch auch eine Initiative von Seiten des Bundes kann die Verb\u00fcnde zu mehr Tarifeinheit bewegen \u2013 etwa anhand einer entsprechenden fahrgastorientierten Rahmengesetzgebung. Den dringenden Handlungsbedarf zeigen uns neben eigenen Erfahrungen auch die Zuschriften von Fahrg\u00e4sten, die das Bild einer verfehlten Tarifpolitik best\u00e4tigen. Die M\u00f6glichkeiten der Digitalisierung bzw. elektronischen Tickets werden offensichtlich nicht genutzt \u2013 jeder Verbund kocht hier sein eigenes S\u00fcppchen.<\/p>\n<p>Zielgruppenorientierte Angebote werden aber gebraucht, um f\u00fcr Bewohner von \u201eGrenzregionen\u201c, wie dem Kreis Bergstra\u00dfe bezahlbare \u00f6ffentliche Mobilit\u00e4t anzubieten! Die bestehenden Strukturen bilden den Mobilit\u00e4tsradius der hier lebenden Menschen nicht ab! Schon die fehlende Integration des Ruftaxis im bestehenden Tarifdschungel auf lokaler Ebene zeigt: Weder RMV-Dauerkartenbesitzer, noch VRN-Tageskarten-Inhaber k\u00f6nnen Ruftaxis zuschlagsfrei nutzen. Das steigende Aufkommen im Tourismus5 findet ebenfalls keinen Niederschlag im Tarifportfolio der Verb\u00fcnde, z.B. in Form einer \u201eOdenwald-G\u00e4stekarte\u201c die eine Nutzung von Bus und Bahn unabh\u00e4ngig von Verbundzonengrenzen f\u00fcr \u00dcbernachtungsg\u00e4ste der Region erlaubte.<\/p>\n<p>Dass mit diesem mangelhaften Gesamtkonstrukt keine neuen, insbesondere \u201ewahlfreien\u201c Kunden erreicht werden k\u00f6nnen, \u00fcberrascht wenig. Insofern teilen wir nicht die Aussage des CDU-Kreistagsvorsitzenden Oehlenschl\u00e4ger &#8222;Die Fahrg\u00e4ste k\u00f6nnen sich auf den \u00d6PNV als Alternative zum Individualverkehr verlassen&#8220;. Wir empfehlen ein mehrw\u00f6chiges Mobilit\u00e4tspraktikum f\u00fcr Entscheidungstr\u00e4ger, damit die Wahrnehmung der Probleme und positiven Seiten des \u00d6PNV in der Region auf ein ausgewogenes Niveau bef\u00f6rdert werden. Tarifintegration und die Schlie\u00dfung von Netzl\u00fccken sind Schl\u00fcsselbegriffe, denen man sich u.a. im kommenden Nahverkehrsplan hoffentlich endlich umfangreich widmen wird.<\/p>\n<p>Hier nicht zu handeln ist auch wirtschaftlich desastr\u00f6s. Die Nachfrage an lokalem Nahverkehr muss zeitnah und kundenorientiert bedient werden! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kreis Bergstra\u00dfe, 23.7.2017 Der Fahrgastverband PRO BAHN begr\u00fc\u00dft das Interesse der CDU am \u00d6PNV in der Region [1]. 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