{"id":8550,"date":"2022-07-24T10:23:06","date_gmt":"2022-07-24T08:23:06","guid":{"rendered":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=8550"},"modified":"2022-07-24T11:09:20","modified_gmt":"2022-07-24T09:09:20","slug":"sperrung-der-main-weser-bahn-wegen-des-viergleisigen-ausbaus-im-sommer-2022-und-das-massivste-desaster-eines-umleitungsfahrplans-solange-man-aktuell-zurueckdenken-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/?p=8550","title":{"rendered":"Sperrung der Main-Weser-Bahn wegen des viergleisigen Ausbaus im Sommer 2022 und das massivste Desaster eines Umleitungsfahrplans, solange man aktuell zur\u00fcckdenken kann"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC02019-zugeschnitten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC02019-zugeschnitten-300x221.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"221\" class=\"alignright size-medium wp-image-2804\" srcset=\"https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC02019-zugeschnitten-300x221.jpg 300w, https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC02019-zugeschnitten-1024x755.jpg 1024w, https:\/\/pro-bahn-hessen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC02019-zugeschnitten.jpg 1758w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Landesausschuss des PRO BAHN Landesverbandes Hessen und PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen legen ein Standpunktepapier mit 19 Einzelpunkten vor. <\/strong><\/p>\n<p>Man sieht den Bedarf, nochmal konkret darzulegen, dass die Verantwortlichen des Verkehrswesens im Bezug auf dem Umleitungsfahrplan auf Ganzer L\u00e4nge versagt haben. Damit einhergehende Aspekte werden zus\u00e4tzlich genannt. Solch ein unw\u00fcrdiger Ausnahmezustand darf sich nicht wiederholen. Hier sind die 19 Punkte allesamt gelistet.<\/p>\n<p>Frankfurt am Main, 16.07.2022<br \/>\nGie\u00dfen, 20.07.2022<!--more--><\/p>\n<p><strong>Punkt 1:<\/strong><\/p>\n<p>Uns ist klar, dass die Sperrpause im Sommer 2022 nicht ohne Vollsperrung erfolgen kann. Die Ma\u00dfnahmen erfordern umfangreiche Ver\u00e4nderungen in elementaren Bauk\u00f6rpern des Streckenverlaufs. Dazu muss auch der technische Betrieb, insbesondere der Strom komplett abgeschaltet werden. Der PRO BAHN Landesverband Hessen hat daher vollstes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass der Schienenpersonenverkehr vom 09.07. bis 04.09. ausschlie\u00dflich \u00fcber die M\u00f6glichkeit des Umleitungsverkehrs abgewickelt wird.<\/p>\n<p><strong>Punkt 2:<\/strong><\/p>\n<p>Die nun im Betrieb befindlichen Baustellenfahrpl\u00e4ne der Zeitr\u00e4ume 13.06.-08.07. sowie 09.07.-04.09.2022 f\u00fcr die Main-Weser-Bahn stellen jedoch ein absolutes Desaster dar. Wer sich so etwas ausgedacht hat, der vers\u00fcndigt sich nicht nur an allen regelm\u00e4\u00dfigen Fahrg\u00e4sten, sondern auch an unserer gesamten Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die Deutsche Bahn-Tochter DB Netz und der Rhein-Main-Verkehrsverbund haben den aktuellen Baustellenverkehr auf der Main-Weser-Bahn zu verantworten. <\/p>\n<p><strong>Punkt 3:<\/strong><\/p>\n<p>Durch die Resolutionen der Kreistage und der Fahrgastbeir\u00e4te des Landkreises Marburg-Biedenkopf und des Lahn-Dill-Kreises, sowie der Stadtverordnetenversammlung Marburg, welche Ende Juni bis Mitte Juli 2022 gefasst wurden, f\u00fchlt sich der Fahrgastverband PRO BAHN in seiner Auffassung best\u00e4tigt. Sie sto\u00dfen in der Kritik an dem Desaster genau in die gleiche Richtung.<\/p>\n<p><strong>Punkt 4:<\/strong><\/p>\n<p>Inzwischen haben anscheinend auch RMV und DB Regio erkannt, dass die Kapazit\u00e4ten auf der Umleitungsstrecke \u00fcber Hanau hinten und vorn nicht ausreichen. Nun wurde zwischen dem RMV und DB Fernverkehr vereinbart, dass mit allen Zeitkarten, mit Ausnahme der 9-Euro-Tickets, man zwischen Friedberg und Frankfurt-S\u00fcd die 8 Fahrten je Richtung mit dem ICE ebenfalls nutzen darf. <\/p>\n<p><strong>Punkt 5:<\/strong><\/p>\n<p>Es ist v\u00f6llig inakzeptabel, dass lediglich f\u00fcr den Streckenabschnitt Friedberg-Frankfurt\/S\u00fcd die Mitnutzung durch Nahverkehrs-Zeitkarten erlaubt wird. Die Mitnutzung der ICE-Verbindungen h\u00e4tte auf dem Abschnitt Marburg-Gie\u00dfen-Friedberg-Frankfurt\/S\u00fcd erlaubt werden m\u00fcssen. F\u00fcr das eigentliche Kerngebiet Gie\u00dfen\/Marburg\/Wetzlar, in welchem \u00fcber 70% der 1 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner Mittelhessens wohnen, gibt es keinerlei Nachbesserung. <\/p>\n<p><strong>Punkt 6:<\/strong><\/p>\n<p>Die Mitnutzung des ICE muss bis zum 31.08.2022 auch f\u00fcr das 9-Euro-Ticket gelten, in anderen Bundesl\u00e4ndern ist dies auch bereits m\u00f6glich<\/p>\n<p><strong>Punkt 7:<\/strong><\/p>\n<p>Menschen in einfachen Arbeitsverh\u00e4ltnissen schreiben den Fahrgastverband PRO BAHN an, weil sie aller Voraussicht nach, ihre Arbeitspl\u00e4tze verlieren, sie haben durch die Umleitungsverkehre der letzten Wochen deutliche Fehlstunden auf dem Zeitkonten, dies wird sich noch versch\u00e4rfen und f\u00fcr viele Pendlerinnen und Pendler unzumutbar. Solche prek\u00e4ren Situationen d\u00fcrfen f\u00fcr Berufst\u00e4tige nicht entstehen, auch nicht in Tagesrandlagen.<\/p>\n<p><strong>Punkt 8:<\/strong><\/p>\n<p>Die Grundstruktur dieses Baustellenfahrplans stammt aus dem Jahr 2018. Das es zeitliche Vorl\u00e4ufe bedarf, um so etwas zu organisieren, wird vom Fahrgastverband PRO BAHN nat\u00fcrlich akzeptiert. Anpassungen wegen Corona und anderer gesamtgesellschaftlicher und weltpolitischer Entwicklungen h\u00e4tten erfolgen m\u00fcssen. <\/p>\n<p><strong>Punkt 9:<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den 1. Ausbauabschnitt nach aktuellem Stand letzten l\u00e4ngeren Baustellenfahrplan im Sommer 2023 m\u00fcssen die Strukturen ver\u00e4ndert, aus den Fehlern des aktuellen Baustellenfahrplans 2022 gelernt werden.<\/p>\n<p><strong>Punkt 10:<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den 2. Ausbauabschnitt Bad Vilbel-Friedberg muss das Besprechen im stillen K\u00e4mmerlein ein Ende haben. Es bedarf eines begleitenden Organs analog des Beteiligungsforums f\u00fcr Neubau-Schienengro\u00dfprojekte schon vom Beginn der Planungsphase bis hinein in die Phase der Umsetzung.<\/p>\n<p><strong>Punkt 11:<\/strong><\/p>\n<p>Die Einsetzung des unter Punkt 9 genannten Beteiligungsforums f\u00fcr den 2. Bauabschnitt Bad Vilbel-Friedberg wird mit deutlichem Ton eingefordert und dessen Start muss umgehend erfolgen.<\/p>\n<p><strong>Punkt 12:<\/strong><\/p>\n<p>Teil a:<br \/>\nWas sowohl im aktuellen Baustellenfahrplan, auch bei k\u00fcnftigen Baustellenfahrpl\u00e4nen nicht akzeptiert werden kann ist, dass man den Mittelhessen-Express nicht in die Frankfurter Stadtgrenze hineinfahren lassen m\u00f6chte, die Z\u00fcge in Hanau enden und so allein schon 40% der Reisenden von einer akzeptablen Fahrt ausgeschlossen sind. Ein Umstieg in Hanau in die v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten und oft deutlich versp\u00e4teten RE50\/RE51 ist inakzeptabel, ebenso in die anderen langsamen Verbindungen des Regional- und S-Bahn-Verkehrs.<\/p>\n<p>Teil b:<br \/>\nEs w\u00e4re besser gewesen, die aktuell aus anderen betrieblichen Gr\u00fcnden ausfallenden RB58 Frankfurt-Maintal-Hanau mit ihren Trassen f\u00fcr die RB40\/RB41 vorzuhalten, so dass ein gr\u00f6\u00dferer Teil der sog. Mittelhessen-Express-Z\u00fcge von Dillenburg\/Wetzlar und Treysa\/Stadtallendorf kommend, auch w\u00e4hrend der Sperrpause bis nach Frankfurt am Main Hbf. durchfahren kann. Weitere Kompensationen w\u00e4ren m\u00f6glich gewesen, z.B. einzelne Nahverkehrsfahrten von Aschaffenburg anstelle \u00fcber Maintal, \u00fcber Offenbach fahren zu lassen. Die nordmainische Strecke \u00fcber Maintal bietet jedoch noch einiges an Potential. <\/p>\n<p><strong>Punkt 13:<\/strong><\/p>\n<p>Die anderen SPNV-B\u00fcndel, welche Hanau ansteuern, vollkommen unber\u00fchrt zu lassen, ist angesichts des deutlich h\u00f6heren Fahrgastaufkommens v\u00f6llig inakzeptabel.<\/p>\n<p><strong>Punkt 14:<\/strong><\/p>\n<p>Hinzu kommen w\u00e4hrend der Vollsperrung die Probleme des Personalmangels. Schlimmste Auswirkungen, die Sperrung von Stellwerken und ganzen Streckenabschnitten \u00fcber Tageszeiten hinweg. So etwas war bis vor kurzem nicht vorstellbar und ist nicht akzeptabel. Keine Schuld trifft die Fahrdienstleiter\/innen und Lokf\u00fchrer\/innen selbst. <\/p>\n<p><strong>Punkt 15<\/strong>:<\/p>\n<p>Die vorhandenen Umleitungsstrecken geh\u00f6ren deutlich ert\u00fcchtigt. Nennenswerte Investitionen in die Umleitungsstrecke Friedberg-Hanau ist nicht erfolgt und auch ansonsten nicht weitergehend betrachtet worden. <\/p>\n<p><strong>Punkt 16:<\/strong><\/p>\n<p>Neben der Umleitung \u00fcber Hanau h\u00e4tte schon lange vor Baubeginn des 1. Ausbauabschnitts der Main-Weser-Bahn auch eine zweite Umleitungsstrecke ert\u00fcchtigt werden m\u00fcssen. Mit einer Elektrifizierung Friedberg-Friedrichsdorf w\u00e4re es m\u00f6glich, zumindest alle 60 Minuten einen Regionalzug umzuleiten, welcher sogar neben Friedberg auch Frankfurt-West anf\u00e4hrt. Hier w\u00e4ren sogar langfristige Perspektiven eines flexiblen \u00d6PNV zu erreichen. Aus Mittelhessen k\u00f6nnten die gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte des Hochtaunuskreises, Bad Homburg und Oberursel, umsteigefrei angebunden werden. Die Z\u00fcge der Main-Weser-Bahn k\u00f6nnten \u00fcber die gewohnte Gleisachse in den Frankfurter Hauptbahnhof einfahren. <\/p>\n<p>Dass zwischenzeitlich \u00fcber der A 5 nordwestlich von Frankfurt ein Br\u00fcckenschaden eintritt, war so nicht voraussehbar gewesen.<\/p>\n<p><strong>Punkt 17:<\/strong><\/p>\n<p>Die Fakten liegen auf dem Tisch, dass nur ein Ausbau der Gesamtstrecke von Frankfurt bis nach Gie\u00dfen auf vier Gleise einen wirklichen Schritt zur Verkehrswende bedeuten kann. Dies bedeutet auch, dass so schnell als irgend m\u00f6glich die ersten vorbereitenden Planungsschritte vollzogen werden m\u00fcssen, was den Abschnitt Friedberg-Gie\u00dfen anbetrifft.<\/p>\n<p><strong>Punkt 18:<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das bevorstehende Desaster tragen leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von DB Netz sowie im RMV die Verantwortung. Seit Jahren befindet sich der RMV-Verbundraum im Ranking der Hiobsbotschaften \u00fcber Chaos im \u00d6ffentlichen Personennahverkehr (\u00d6PNV) auf einem der vorderen Pl\u00e4tze. Daher kann, um wirklich eine fl\u00e4chendeckende Verkehrswende zu erzielen, es nur noch mit neuen Personen in Verantwortung gehen, das betrifft Teile der DB und insbesondere den RMV. Leider versteckt sich die Landespolitik seit 25 Jahren hinter der rechtlich selbst herbeigef\u00fchrten Blockade, selbst nichts entscheiden zu wollen und schieben die Verantwortung an die beiden Verkehrsverb\u00fcnde RMV und NVV und die sie tragenden Gebietsk\u00f6rperschaften ab. Hessen befindet sich in Sachen \u00d6PNV in der Selbstblockade von laufendem Betrieb und Investitionen. Wenn die Politik nicht umdenken will, m\u00fcssen auch hier Konsequenzen eingefordert werden.<\/p>\n<p><strong>Punkt 19:<\/strong><\/p>\n<p>Es hat, mit Ausnahme des um Jahrzehnte zu sp\u00e4t kommenden viergleisigen Ausbaus bis Bad Vilbel\/Friedberg, seit 55 Jahren keinen grundhaften Ausbau mehr in das Schienennetz f\u00fcr die Region Mittelhessen gegeben, sieht man von der Erneuerung von Bahnsteigkanten ab. Mehr als 25 Jahre falsche Strukturen (RMV, Hess. \u00d6PNV-Gesetz, Ausrichtung des DB-Gesamtkonzerns, schw\u00e4chelnde weitere Verkehrsunternehmen) sind genug. F\u00fcr die Verkehrswende und gegen den Klimawandel braucht man innovative Gestalter in solchen Positionen, keine Bremser gegen gesellschaftliche Grundbed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<p>Frankfurt am Main, 16.07.2022<br \/>\nGie\u00dfen, 20.07.2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Landesausschuss des PRO BAHN Landesverbandes Hessen und PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen legen ein Standpunktepapier mit 19 Einzelpunkten vor. 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