Zugausfälle bei der Hessischen Landesbahn (HLB) können so nicht hingenommen werden

Ein Zug der HLB als Main-Lahn-Sieg-Express auf dem Weg von Siegen nach Frankfurt auf Gleis 4 im Bahnhof von Gießen. Auch auf der Linie RE 99 sind Ausfälle zu verzeichnen.

Ein Zug der HLB als Main-Lahn-Sieg-Express auf dem Weg von Siegen nach Frankfurt auf Gleis 4 im Bahnhof von Gießen. Auch auf der Linie RE 99 sind Ausfälle zu verzeichnen.

Der Lack ist schon lange ab bei der Hessischen Landesbahn (HLB), die seit ihrer Gründung im Jahre 2005 als das Vorzeigeunternehmen der privaten Bahnen in Deutschland galt, wobei der Ausdruck privat für die wenigsten Konkurrenten der Deutschen Bahn zutrifft, da sich diese meist im Besitz ausländischer Bahngesellschaften oder, wie bei der HLB, im Besitz des Landes Hessen befinden. Bereits seit Anfang 2014 häuften sich die Fälle, bei denen auf dem Streckennetz der HLB einzelne Züge tage- und bis zu wochenweise ausgefallen sind. Doch dabei handelte es sich meist um Einzelfälle.

Hier kann man nachlesen, welche Verbindungen der Hessischen Landesbahn auf den zugeteilten Linien Beeinträchtigungen erfahren bzw. ganz ausfallen:
Störungen Hessische Landesbahn (HLB)

Zugausfälle und Fahrplanabweichungen bei der Hessischen Landesbahn am 07.+08.01.2016:
Zugausfälle-Aufstellung HLB 07.+08.01.2016

Bis Weihnachten 2015 war die Welt bei der HLB also noch halbwegs in Ordnung. Danach und insbesondere in den ersten Tagen des Jahres 2016 nahmen die Zugausfälle aber ein Ausmaß an, das auf keinen Fall mehr hingenommen werden kann.

Alleine am 07. und 08. Januar 2016 sind beispielsweise, sofern die Aufstellung auf der Homepage der HLB vollständig ist, insgesamt 90 Züge ausgefallen (s. Aufstellung). Als Grund wird etwas fadenscheinig „Störung im Betriebsablauf“ angegeben, eine Begründung, die bei allen Bahnen anscheinend pauschal für jegliche Unzulänglichkeiten in der Organisation des Unternehmens herhalten muss. Angeblich ist es aber der hohe Krankenstand des fahrenden Personals, ein Phänomen, das wir schon lange über die Feiertage kennen, insbesondere dann, wenn wegen viel zu dünner Personaldecke ständig und ohne Rücksichtnahme auf persönliche Belange Überstunden angeordnet werden. Die Situation stellt sich zumindest im Westerwaldnetz für die Reisenden derzeit als völlig unhaltbar dar, da auf den kleineren Stationen keinerlei Information über die tatsächliche Betriebssituation erfolgt. Aber auch auf größeren Stationen sieht es oft genug nicht viel besser aus. Die Zugausfälle werden auf dem Internetauftritt des RMV nur lückenhaft dargestellt. In dem Reisenden-Informations-System der Deutschen Bahn (RIS) fehlt gleich jeglicher Hinweis, da es an einer Schnittstelle zwischen den verschiedenen Computersystemen mangelt.

Wilfried Staub vom PRO BAHN Landesverband Hessen (verantwortlich für Pressearbeit) im Interview mit der Hessenschau am 06.01.2016.

Wilfried Staub vom PRO BAHN Landesverband Hessen (verantwortlich für Pressearbeit) im Interview mit der Hessenschau am 06.01.2016.

Löblich ist, dass es der örtlichen Betriebsleitung kurzfristig gelungen ist, zumindest im Westerwald-Netz viele der ausgefallenen Züge durch einen Schienenersatzverkehr mit Bussen (SEV) halbwegs zu kompensieren. Die Deutsche Bahn wollte einmal Global Player werden und ist daran gescheitert. Die Hessische Landesbahn ist von dem unsäglichen Wunsch getrieben, in allen benachbarten Bundesländern präsent zu sein (s. Karte des HLB-Streckennetzes). In Bayern hat sie sich von der Kahlgrundbahn bereits wegen schwerwiegender Differenzen nicht mehr an der Neuausschreibung beteiligt. Es stellt sich zumindest für den Eigener die Frage, ob die Expansionsgelüste mit dem ureigenen Auftrag als Landesbahn noch in Einklang stehen, zumindest jedoch dann, wenn die Schiene irgendwann einmal keinen Gewinn mehr abwirft. Das dürfte spätestens dann der Fall sein, wenn man die Triebfahrzeugführer, um überhaupt noch genügend qualifiziertes Personal in dem leergefegten Markt requirieren zu können, übertariflich bezahlen muss.

Das Streckennetz der Hessischen Landesbahn mit Strecken auch in den benachbarten Bundesländern. Stand: Dezember 2015. Quelle: HLB

Das Streckennetz der Hessischen Landesbahn mit Strecken auch in den benachbarten Bundesländern. Stand: Dezember 2015. Quelle: HLB

Die Geschäftsleitung der HLB hat gegenüber der Hessenschau am 06. Januar 2016 zugesagt, dass der Betrieb mit Ende der Weihnachtsferien wieder normal verlaufen wird. Der Fahrgastverband PRO BAHN Hessen wird die Situation zeitnah und vor Ort verfolgen. Aber auch sonst gibt die HLB in den letzten Wochen kein Ruhmesblatt ab. Die Beschwerden häufen sich über überproportional oft verschlossene Toiletten, ständige Türstörungen und Triebfahrzeuge mit Ölverlust oder solche, die nur mit einem Motor betrieben werden können. Auch bei der Wartung der Fahrzeuge scheint die HLB inzwischen auf Sparflamme umgeschaltet zu haben. Bleibt zu hoffen, dass hierbei sicherheitsrelevante Bauteile nicht betroffen sind. Mit der Aufgabe der Werkstatt in Limburg dürfte man sich auch keinen Gefallen getan haben. In Zukunft werden die Fahrzeuge mit Standort an der Lahn im weit entfernten Siegen gewartet. Das bedeutet, dass für die Überführungsfahrten zusätzliches Personal benötigt wird und für die Überführungsfahrten Trassengebühren anfallen. Kaum von der Öffentlichkeit beachtet wurde, dass auch bei dem Standort Hofheim (Ts) bei der HLB Hessenbus GmbH in den Tagen nach Weihnachten mehrere Busdienste (Schichten) auf den Linien 804 und 810 komplett ausgefallen sind.

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