PRO BAHN Mittelhessen kritisiert den RMV wegen der vorsätzlichen Abwertung der Lumdatalbahn

Der Bahnhof Londorf der Lumdatalbahn, Endbahnhof des Personenverkehrs bis Ende Mai 1981.

Mit Kritik und Verärgerung reagiert der Fahrgastverband PRO BAHN auf die aktuelle Entwicklung in Sachen Bahnstrecke Lollar-Londorf. Ein bisschen absehbar war das negative Ergebnis des Gutachtens der Lumdatalbahn schon im Vorfeld. Dies jedoch nicht weil der Betrieb der stillgelegten Bahnstrecke unsinnig erschien, sondern, so der Vorwurf des PRO BAHN Regionalverbandes Mittelhessen an den RMV, weil die Reaktivierung der heimischen Bahnstrecke verkehrspolitisch offensichtlich nicht gewollt ist.

Nach dem Motto: „Wer zahlt, bestimmt die Musik“ können Gutachten so ausfallen, dass das gewünschte Ergebnis herauskommt. Der RMV habe in all seinen Bewertungen keinerlei Nachhaltigkeitsfaktoren vorgesehen. So gehe man seitens der Nahverkehrsträger in Hessen auch für die künftigen 50 oder 100 Jahre davon aus, dass 95 Prozent der Bevölkerung in den ländlichen Räumen mit dem PKW im Alltag unterwegs sind. Dass sich trotz knapper werdender Rohstoffe daran nichts ändern werde, wenn so gut wie keine Alternativen zur Verfügung stehen, interessiert den RMV offensichtlich nicht.

Zudem gebe es in der Bewertung keine erkennbare Absicht, die derzeit parallel zur Bahnlinie verlaufende Linie 520 als Zubringer auf die zu reaktivierende Strecke umzuwidmen. Es werde der gleiche Fehler begangen wie seinerzeit in den 1960er und 1970er Jahren, als man den Bahnbus gleichzeitig zum Schienenbus fahren lies und somit vorsätzlich den Niedergang der Schiene auf den Nebenstrecken in den Regionen Mittelhessen und Nordhessen vorantrieb. Ein schlüssiges Zubringerkonzept verschiedener Verkehrsmittel mit direkten Verknüpfungen an die Unterwegs-Stationen der Lumdatalbahn ist beim RMV nicht erkennbar. Betroffen sind auch, so PRO BAHN, Kommunen, die etwas entfernter von der Bahnstrecke liegen: Homberg (Ohm) und Teile von Ebsdorfergrund sind heute durch das Lumdatal auf kürzestem Weg über die Straße nach Gießen angebunden. Nach der Reaktivierung der Lumdatalbahn würden die Buslinien die Zubringerfunktion aus den umliegenden Ortschaften übernehmen. Homberg (Ohm) und Ebsdorfergrund würden direkt an die Bahn angebunden. Durch den Verbund Bus/Zug könnten heute im ÖPNV in dieser Region nicht vorhandene Angebotsverbesserungen erzielt werden. Die Netzwirkungen eines solchen Systems, das haben diverse Beispiele in anderen Gegenden Deutschlands und Europas gezeigt, wären positiv für die Siedlungspolitik. Attraktive Reisezeitverkürzungen hätten zur Folge, dass deutlich mehr Verkehr von der Straße auf öffentliche Verkehrsmittel verlagert würde.

Doch aktuell haben wir es mit einer vollkommen unbefriedigenden Situation zu tun, für welche auch die politischen Vertreter Verantwortung tragen. Die Landkreise, meist vertreten durch ihre Landräte – und die Oberbürgermeister der 12 größeren Städte in Hessen – sie alle sind in der Verantwortung für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und haben auch eine Stimme im RMV.

Da man schon lange weiß, dass der RMV eine zur Nachhaltigkeit gegenläufige Infrastrukturpolitik betreibt, hätte ein anderes Unternehmen mit dem Gutachten beauftragt werden müssen. PRO BAHN bezweifelt die RMV-Politik deutlich und sieht es als unumstößlich an, dass was auf anderen Bahnstrecken in Deutschland mit entsprechender Bewertung angelaufen und erfolgreich in Betrieb ist, auch auf die Lumdatalbahn übertragbar sein muss.

Reinhard Ahrens vom PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen fordert grundsätzlich mehr Transparenz in laufenden Reaktivierungsverfahren. Außerdem fordert der Fahrgastverband Einsichtnahme in das vorliegende Gutachten. Es muss eine erneute gutachterliche Bewertung eines neutralen Institutes erfolgen.

PRO BAHN Mittelhessen sagt dem Verein Lumdatalbahn in seinem weiteren Kampf die uneingeschränkte ideelle Unterstützung zu und ruft alle Verbände zur gemeinsamen Aktion gegen die gutachterliche Bewertung und daraus abzuleitender Entscheidungen auf.

Anmerkungen: Diese Pressemitteilung ist nach unserer Einreichung in mehreren lokalen Tageszeitungen erschienen.

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