Bahnstrecke Korbach-Frankenberg am 11.09.2015 wiedereröffnet

Zwei Tage Feierlichkeiten im Norden Hessens – der Fahrgastverband PRO BAHN ist auch dabei

Freitag, 11. September 2015, genau 11:01 Uhr in Frankenberg. Der erste Personenzug außerhalb von Ausflugsfahrten startet auf der ausgebauten, reaktivierten Bahnstrecke in Fahrtrichtung Korbach. Genau 10.331 Tage fuhr zwischen dem südlichen und dem nördlichen Mittelzentrum des Landkreises Waldeck-Frankenberg kein Zug, das war zuletzt am 30.05.1987.DSC02868 zugeschnitten klein 600

Mit 6 Minuten Verspätung startete der mit viel Prominenz besetzte Sonderzug am neuen Gleis 1 des Frankenberger Bahnhofs, darunter der Hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tarek Al-Wazir, der Landrat des Landkreises Waldeck-Frankenberg Reinhard Kubat, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Hessen, Dr. Klaus Vornhusen. Auch Vertreter vom PRO BAHN Landesverband Hessen fuhren mit, so der Landesvorsitzende Thomas Kraft und der Stellvertreter Werner Filzinger.

Die Fahrt ging bis nach Herzhausen, welches etwa auf der Hälfte der etwa 31 km Strecke und am Anfang des Edersees liegt. Das Nationalparkzentrum Kellerwald-Edersee liegt ebenfalls in dem Ortsteil der Gemeinde Vöhl. In einer kleinen Feierstunde im gewöhnlichen Rahmen im Festzelt auf dem künftigen Park&Ride-Parkplatz

Der Fahrgastverband PRO BAHN hätte seinen Namen nicht verdient, würde er sich gegen die Reaktivierung von Bahnstrecken aussprechen. Daher begrüßt PRO BAHN, insbesondere der Regionalverband Nordhessen, in dessen Bereich die alte-neue Bahnstrecke liegt, die Wiedereröffnung außerordentlich. Dass Bahnstrecken reaktiviert werden, das ist in Hessen leider keine Selbstverständlichkeit. Eigentlich ist es die erste längere Streckeneröffnung außerhalb des S-Bahn-Netzes seit der Umstrukturierung der Bahn Anfang der 1990er Jahre, während in anderen Bundesländern teilweise 10 Strecken wiedereröffnet wurden.

In Hessen handelt es sich bislang nur um kleinere Streckenabschnitte. Dies sind:
a) Volkmarsen-Korbach-Korbach/Süd 1998/1999
b) Grävenwiesbach-Brandoberndorf 2000
c) Eschwege/West-Eschwege 2009

Dies ist sehr dürftig, doch die Worte des Hess. Verkehrsminsters Al-Wazir klangen heute durchaus positiv. Er sprach davon, dass es eines seiner Ziele sei, die Eisenbahn auch im ländlichen Raum auszubauen und dass es wohl „die einzige Reaktivierung in der laufenden Wahlperiode“ ist.

Der Hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tarek Al-Wazir am 11.09.2015 in Herzhausen.

Der Hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tarek Al-Wazir am 11.09.2015 in Herzhausen.


Der Fahrgastverband PRO BAHN kann weitere Beispiele nennen, bei denen in jedem Fall eine Reaktivierung in Angriff genommen werden sollte. Diese sind:

1.) Aartalbahn Wiesbaden-Bad Schwalbach-Diez
2.) Horlofftalbahn Friedberg-Beienheim-Hungen im Abschnitt Wölfersheim-Hungen
3.) Lumdatalbahn Lollar-Londorf
4.) Dietzhölztalbahn Dillenburg-Ewersbach (durchaus auch als Verlängerung ab Eschenburg mit Verknüpfung der Scheldetalbahn im Abschnitt Hirzenhain-Wallau/Biedenkopf
5.) Kanonenbahn Treysa-Homberg/Efze-Malsfeld

Sehr angetan kann man von der Arbeit des Landrats Reinhard Kubat sein. Man merkte förmlich an, wie ihm die Sache insgesamt zu Herzen gegangen ist. Er berichtete am 11.09. bei der Eröffnungsfeier in Herzhausen von früheren Zeiten, als bis 1987 die Züge im Unteren Edertal und im Ittertal noch rollten. Bis 2007 erschien es so, als dass die Bahnstrecke Korbach-Frankenberg im Kurhessenbahnnetz schon früher in Betrieb gehen konnte. Die allgemeine defizitäre Lage der öffentlichen Haushalte stoppte seinerzeit das Projekt. Der Landrat griff bei seinem Amtsantritt im Januar 2010 das Thema wieder auf. Es gab erneut Schwierigkeiten. Genügend Kräfte versuchten, die Reaktivierung „aus der Bahn zu kippen“. Fadenscheinige Argumente wurden herangezogen, so unter anderem die Verbindung von Industrie, Altlast und Naturschutz. Dann letztlich die Frage der Finanzierung. Reinhard Kubat war es, der letztlich die Situation so meisterte, dass man allen Widrigkeiten widerstand.

Um 14:07 Uhr startete der Sonderzug von Herzhausen wieder zurück nach Frankenberg und kam dort um 14:39 Uhr an. Ab dann ging es auch mit den ersten Eröffnungsfahrten los, welche am Freitag im Zwei-Stunden-Takt die alt-neue Strecke befuhren.

Das Wochenende bietet nun ein großes Eröffnungsfest mit vielen Sonderzugfahrten, auch mit historischen Zügen mit Dampf- und Dieselloks. Es lohnt sich also in den Landkreis Waldeck-Frankenberg zu kommen.

Der Fahrgastverband PRO BAHN hat nun auf dem neu gestalteten Bahnhofsvorplatz des Frankenberger Bahnhofs im Ensemble des großen Eröffnungsfests einen Infostand an beiden Festtagen des zweiten September-Wochenendes. Kommen Sie vorbei,

Weitere Informationen und Analysen zur Eröffnung Korbach-Frankenberg in kurzer Zeit hier an dieser Stelle.

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