Sicherheit der Reisenden auf der Niddertalbahn wird verbessert

Intervention von PRO BAHN zeigt erste Früchte – jetzt gleich Nägel mit Köpfen machen

Der Verkehr auf der Niddertalbahn wurde bekanntlich vor Jahren durch den RMV europaweit ausgeschrieben. Keiner der Bieter hat aus der Sicht des Bestellers ein wirtschaftliches Angebot abgegeben, da die jährliche Fahrleistung für einzelne Zuggarnituren auf Grund der extremen Lastausrichtung der Reisendenströme morgens in und abends aus Richtung Frankfurt äußerst gering ist.

Desiro (Baureihe 642)

Der Desiro (Baureihe 642), er verkehrt seit einigen Monaten auf der Niddertalbahn.

Zudem werden am Wochenende nur zwei Fahrzeuge benötigt. Der RMV sah sich gezwungen nachzuverhandeln oder den Betrieb auf der Niddertalbahn auszudünnen oder gar einzustellen. DB Regio Hessen erklärte sich bereit, den Betrieb unter bestimmten Voraussetzungen weiter zu führen. Die Bahn bot an, den Verkehr neben einzelnen Dosto-Zügen mit demnächst neuen leiseren und effizienteren Diesellokomotiven und zusätzlich mit 15 redesignte Triebwagen vom Typ Desiro (Baureihe 642), die in Thüringen ausgemustert wurden, fortzuführen.
Dass diese Lösung ein Kompromiss darstellt, war allen Beteiligten von Anfang an bewusst. Die Desiro sind schmaler als übliche Fahrzeuge und haben eine 20 Zentimeter niedrigere Einstiegshöhe bezogen auf die „modernisierten“ Bahnsteige, so dass ein Ein- und Ausstieg für gehbehinderte Personen, insbesondere am Haltepunkt SchöneckKilianstädten, ohne Hilfe bzw. Hilfsmittel nicht gegeben ist.
Ob keine andere finanziell vertretbare Lösung möglich gewesen wäre, kannals Nichtbeteiligter schwer beurteilt werden. Erst nach heftigenProtesten der Fahrgäste, des Fahrgastverbandes PRO BAHN und derbetroffenen Gebietskörperschaften bei Bahn und RMV über diesenSachverhalt und viele andere Unzulänglichkeiten auf der Niddertalbahn,fahren nunmehr Zugbegleiter in den Desiro-Zügen mit. Sie sind denFahrgästen beim Ein- und Aussteigen auf Anforderung behilflich undachten auch darauf, dass Kinder nicht verunfallen (vgl. FAHRGASTZEITUNG* Nr. 96 Seite 18f. und PM des RMV vom 08.02.2013). „Dies alles kann jedoch keine Dauerlösung darstellen“, meint Thomas Kraft, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN Hessen.
PRO BAHN hat daraufhin das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in Bonn angeschrieben und mit Nachdruck auf die unhaltbaren Zustände hingewiesen sowie um eine rechtliche Prüfung des Sachverhalts gebeten. In zwei getrennten Antwortschreiben teilt das EBA nunmehr zusammenfassend folgendes mit:

1. Bei dem Triebwagen der Baureihe 642 handelt es sich um ein vom EBA zugelassenes Fahrzeug.

2. Der Betreiber, also die Bahn, hat entsprechend § 4 Absatz 1 und 3 des allgemeinen Eisenbahngesetzes die Verpflichtung, einen zu jederzeit sicheren Eisenbahnbetrieb zu gewährleisten. Wie dies zu erfolgen hat, müssen die Eisenbahnen im Rahmen ihrer Betreiberverantwortung grundsätzlich selbst festlegen. Das EBA schreitet nur dann ein, wenn grundlegende Sicherheitsanforderungen nicht erfüllt sind oder eine konkrete Gefahr für die Allgemeinheit gegeben ist.

3. Im Fall der Niddertalbahn hat das EBA nunmehr verpflichtend angeordnet, dass am Haltepunkt Schöneck-Kilianstädten Personal als Ein- und Ausstieghilfe bereitzustellen ist.

4. Das EBA empfiehlt der Bahn allerdings aufgrund der Sachlage eine umgehende Nachrüstung der Fahrzeuge mit geeigneten und vom EBA an anderer Stelle bereits zugelassenen Schiebetritten zur Spaltüberbrückung.

5. Sollten Personen beim Ein- und Aussteigen auf der Niddertalbahn zu Schaden kommen oder bereits gekommen sein, so können diese sich direkt an das „Referat Fahrgastrechte“ beim EBA in Bonn wenden.

Inzwischen hat die Bahn bestätigt, dass die Desiro-Fahrzeuge schnellstmöglich, allerdings, um den laufenden Betrieb nicht allzu sehr zu beeinträchtigen, peu à peu bis Herbst 2013 mit einer Spaltüberbrückung nachrüstet werden. Die Kosten von rund 2 Millionen Euro trägt der RMV. Hätte man diese Arbeiten weitblickend zusammen mit der seinerzeitigen Überholung der Fahrzeuge durchgeführt, so wären weniger als halb so hohe Kosten angefallen. Jetzt, so die zwingende Forderung von Wilfried Staub, Pressesprecher von PRO BAHN, sollte gleich auch die Anhebung des Einstiegsbereichs nach dem Vorbild von DB-Regio im Münsterland bei dem gleichen Fahrzeugtypgeprüft werden. Nur bei einer Erhöhung des Einstiegsbereichs kann toleriert werden, dass der Desiro weiterhin bis zum Ende seiner Einsatzzeit im Jahre 2027 auf der Niddertalbahn verkehrt.

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