Fahrgastverband PRO BAHN bezeichnet behindertenfeindliche Bahnsteigsanierung entlang der Vogelsbergbahn als skandalös

Auch am Bahnhof Nieder-Ohmen (Gemeinde Mücke/Vogelsbergkreis) sollen die Bahnsteige in der Oberfläche saniert werden, eine Anhebung auf 55 cm, um stufenlos in den Zug zu gelangen, soll es nicht geben.

Auch am Bahnhof Nieder-Ohmen (Gemeinde Mücke/Vogelsbergkreis) sollen die Bahnsteige in der Oberfläche saniert werden, eine Anhebung auf 55 cm, um stufenlos in den Zug zu gelangen, soll es nicht geben.

Der Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert die erneut erfolgenden halbherzigen Bahnsteigsanierungen entlang der Vogelsbergbahn, bezeichnet die Vorgehensweise als skandalös und fordert den sofortigen Stopp der Sanierungspläne. Grund für die Kritik ist, die Bahnsteige nicht auf eine den Triebfahrzeugen angepasste Höhe von 55 cm im Rahmen der Sanierung anzuheben, sondern auf 38 und weniger cm zu belassen. Dies ist nicht im Sinne des barrierefreien Ausbaus von Bahnstationen, so wie er eigentlich von der EU mit der Jahresmarke 2022 auf den Weg gebracht wurde. Grund für die aktuelle Kritik sind die anstehenden Sanierungen der Bahnsteige von Nieder-Ohmen und Angersbach.

PRO BAHN kritisiert insbesondere die Vernachlässigung des ländlichen Raums in Hessen. Das Bundesland in der Mitte Deutschlands hinke seit Jahren beim barrierefreien Ausbau von Bahn- und Busstationen sehr weit hinterher. Nun, nachdem offensichtliche Baufehler der letzten 15 Jahre in Hessen bekannt seien, werden auf gleicher Grundlage weiterhin öffentliche Mittel „falsch“ ausgegeben, dies nun insbesondere in Mittelhessen und auf der Vogelsbergbahn, so der Fahrgastverband.

Als „auf dem Irrweg unterwegs“ bezeichnet der Fahrgastverband PRO BAHN nicht nur das Land Hessen in den öffentlichen Verlautbarungen zu dem Thema, sondern auch den im Auftrag des Landes Hessen tätigen RMV. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund, der selbst kein Bauherr und großer Mitinvestor ist, stelle seit Jahren in auf kommerzielle Werbung ausgerichteten Präsentationen die Entwicklung der Bahnsteighöhen in verklärendem rosarotem Lichte dar. Auch so werde verhindert, dass die wahre schlechte Nutzbarkeit der Bahnsteige in Hessen analysiert wird und vernünftige Entscheidungen zur Barrierefreiheit von Bahnsteigen vollzogen werden. Man mache den Menschen glaubhaft, als sei man im Rahmen der Sanierungen auf dem richtigen Weg zur Barrierefreiheit und die unbedarften Politiker der Landes- und Kommunalebene nehmen diese fehlerhaften Darstellungen für bare Münze, gerade weil sie ohnehin so gut wie nie Öffentliche Verkehrsmittel nutzten. Die Leidtragenden seien die mobilitätseingeschränkten Menschen auf dem Land. So wie es jetzt umgesetzt werde, komme es im Vogelsbergkreis auch in den nächsten 100 Jahren zu keinem einzigen barrierefreien Bahnsteig. PRO BAHN misst die Hessische Landesregierung hierbei an ihren eigenen Worten, in dem sie für den ländlichen Raum extra Förderprogramme startet. Ein lebenswerter ländlicher Raum funktioniere aber nur mit einer vollständig inkludierten öffentlichen Infrastruktur.

Sehr verärgert zeigt man sich seitens des Fahrgastverbandes PRO BAHN, wie im lokalen Fahrgastbeirat des Vogelsbergkreises ein Meinungsbild herbeigeführt wurde. So wurde mit der sinngemäßen Floskel gearbeitet: „Wenn ihr nicht für die ausgebauten 38 cm-Bahnsteige seid, dann wird sich in den nächsten 20 Jahren überhaupt nichts Neues entlang der Vogelsbergbahn ergeben“. Mit solchen Worten dürfe in einer aufgeklärten Gesellschaft nicht gearbeitet werden, vielmehr müsse die Motivation gefördert werden, trotz aller Widrigkeiten als Gremium für eine wirkliche Barrierefreiheit zu kämpfen.

Das herunter gekommene unveränderte Erscheinungsbild aus der Kaiserzeit, wie es der heutige Anblick vieler Bahnstationen im Vogelsberg und in ganz Mittelhessen nach 120 Jahren immer noch offenbare, werde so oder so in Angriff genommen, dazu müsse man nicht mit überzogenen Szenarien arbeiten.

Kritik richtet sich aber auch beim geplanten Ausbau des Bahnhofs Grünberg. Das Gleis 3 sei abgetrennt und die Investition bedeute nur den Bau von zwei klassischen Seitenbahnsteigen, so dass keine Abstellmöglichkeiten oder kein längerer Aufenthalt beim Wenden von Triebwagen mehr möglich ist. Es sei
aber sehr wichtig, die wichtige Bahnstation im östlichen Landkreis Gießen so flexibel zu halten, dass Kapazitätserweiterungen möglich sind.

Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert von dem Hessischen Landtag, der Landesregierung und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund darauf einzuwirken, dass mit sofortiger Wirkung ohne Ausnahmen und Abstriche in unserem Bundesland nur noch mindestens 55 cm hohe Bahnsteige neu errichtet werden. Die aktuellen Nahverkehrstriebwagen der Hessischen Landesbahn für die Vogelsbergbahn haben eine Einstieghöhe von 55 cm und dies wird auch noch in der laufenden sowie der kommenden Vergabeperiode der Fall sein. Angesichts der seit rund 100 Jahren bestehenden eisenbahnbaurechtlichen Vorgabe mit dem deutschlandweiten Ziel von 76 cm hohen Bahnsteigen ist auch dann nicht zu erwarten, dass später einmal wieder „niedrigere Zeiten“ hereinbrechen, die heute einen Ausbau von 38 cm-Bahnsteigen rechtfertigen.

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