Mehr Intercity-Halte in Stadtallendorf und weniger in Wabern? Werden die beiden Kommunen gegeneinander ausgespielt? IC-Halt in Stadtallendorf und Wabern möglich, Strecke muss für kürzere Reisezeiten ausgebaut werden.

Ein Artikel Oberhessische Presse Marburg (OP) vom 02.07.2016 lässt den Eindruck zu, als sei der Fahrgastverband PRO BAHN gegen die Einrichtung des IC-Halts in Stadtallendorf. DIES IST NICHT SO. Dem mit der Kreistagssitzung Marburg-Biedenkopf kombinierten OP-Artikel liegt inhaltlich die nachstehende Pressemitteilung von PRO BAHN zugrunde, welche wir hier im Originaltext veröffentlichen.

Ein IC der Linie 26 (Hamburg-Hannover-Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt-Karlsruhe) fährt auf Gleis 1 durch den Bahnhof von Stadtallendorf. Wird er auch künftig hier mehrmals am Tag halten?

Ein IC der Linie 26 (Hamburg-Hannover-Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt-Karlsruhe) fährt auf Gleis 1 durch den Bahnhof von Stadtallendorf. Wird er auch künftig hier mehrmals am Tag halten?

Frankfurt am Main, 29.06.2016

Die Deutsche Bahn beabsichtigt, zum Fahrplanwechel im Dezember 2016 mehr Intercity-Züge in Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) halten zu lassen und dafür Stopps in Wabern (Schwalm-Eder-Kreis) zu streichen. Dazu nimmt der Landesverband Hessen des Fahrgastverbandes PRO BAHN wie folgt Stellung:
PRO BAHN Hessen begrüßt grundsätzlich die Ausweitung von Angeboten auf der Schiene, so auch mehr Intercity-Halte in Stadtallendorf. Allerdings darf dies nicht dazu führen, dass gleichzeitig andere Angebote eingeschränkt werden bzw. bisherige Halte wegfallen und Landkreise und Kommunen gegeneinander ausgespielt werden.

Dies ist offensichtlich jetzt der Fall: Wabern gegen Stadtallendorf und der Schwalm-Eder-Kreis gegen den Landkreis Marburg-Biedenkopf, der sich für die Ausweitung des Fernverkehrsangebotes in der zweitgrößten Gemeinde des Kreises stark gemacht hatte.

PRO BAHN gibt aber auch zu bedenken, dass der Fernverkehr der Deutschen Bahn als ein Gesamtsystem gesehen werden muss. Ein zusätzlicher Halt mag für eine einzelne Stadt bzw. Gemeinde ein Gewinn sein. Gleichzeitig verlängert aber jeder zusätzliche Stopp die Gesamtfahrzeit eines IC. Je mehr Halte, um so länger die Fahrzeit und um so unattraktiver die Fernzugfahrt für andere Fahrgäste. So könnten durch zusätzliche Halte auf der Main-Weser-Bahn auch Anschlussverbindungen zum Beispiel in Frankurt oder Kassel-Wilhelmshöhe verpasst werden. Im Extremfall könnten längere Fahrzeiten durch zu viele Halte sogar den Intercity auf der Main-Weser-Bahn insgesamt gefährden, weil dann viele Fahrgäste von Hamburg, Hannover und Kassel nur noch den schnelleren Weg über Fulda nach Frankfurt und Karlsruhe fahren. Über kurz oder lang würde dann gar kein IC mehr über Wabern, Stadtallendorf, Gießen und Marburg verkehren.

PRO BAHN Hessen plädiert deshalb dafür, bei zusätzlichen IC-Halten dafür zu sorgen, dass sich die Gesamtfahrzeit nicht verlägert, zum Beispiel durch Streckenausbauten auf der Main-Weser-Bahn. Außerdem fordert der Landesverband des Fahrastverbandes endlich ein konkretes, zukunftsweisendes Fahrplankonzept für die Strecke von Frankfurt nach Kassel über Gießen und Marburg. Dazu gehört auch, dass neben den zweistündlichen Intercity-Fernzügen stündlich ein „echter“ Regionalexpress (RE) in beide Richtungen auf der gesamten Main-Weser-Bahn fährt, der in größeren Städten und Bahnknotenpunkten entlang der Strecke hält ( also auch in Stadtallendorf und Wabern) und der nur unwesentlich länger für die Gesamtstrecke benötigt als der IC.

In den Hauptverkehrszeiten sollten diese Regionalexpress-Züge (RE) sogar alle 30 Minuten fahren. Bislang verkehren die „schnellen“ RE nur alle zwei Stunden von Kassel nach Frankfurt und retour. In den Zwischenstunden halten die Züge der Hessischen Landesbahn (HLB) zwischen Neustadt und Kassel an jeder Station.

Diese Aufgaben sollten nach Ansicht des Fahrgastverbandes in Zukunft von zusätzlichen Zügen übernommen werden, die an allen Stationen halten, aber auch umsteigefreie Verbindungen in die Metropolen gewährleisten. Auch der Mittelhessen-Express müsse in die Neukonzeption mit einbezogen werden. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 hat der Mittelhessen-Express mit Marburg, Kirchhain und Stadtallendorf unterschiedliche Endpunkte, nur einzelne Züge fahren bis Treysa durch. PRO BAHN fordert, dass die Züge, welche nicht bis Treysa durchfahren, künftig generell in Stadtallendorf enden, um so schon mal kurzfristig mehr Übersichtlichkeit im Fahrplan zu erreichen. Die Zwischenhalte Cölbe, Bürgeln und Anzelfahr hätten seit Ende 2015 wesentliche Verschlechterungen erfahren. Mit der Durchbindung könne Stadtallendorf im Falle des IC-Halts zusätzlich aufgewertet werden, in dem ein Umstieg zwischen IC und allen Mittelhessen-Express möglich ist.

PRO BAHN fordert die hessischen Verkehrsverbünde und die Deutsche Bahn auf, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und endlich ein Zukunftskonzept für die Main-Weser-Bahn zu entwickeln, das Fern- und Nahverkehr sinnvoll miteinander verknüpft und für alle Städte und Gemeinden einen optimalen Bahnanschluss bietet.

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