PRO BAHN Starkenburg begrüßt die aktuellen Entwicklungen im Heppenheimer ÖPNV.

PRO BAHN begrüßt die aktuellen Entwicklungen im Heppenheimer ÖPNV. Unkoordinierte Einzelmaßnahmen allein werden aber nicht von Erfolg gekrönt werden. Weiterhin Handlungsbedarf durch unausgeschöpfte Verbesserungspotenziale. Beteiligung von Bürgern und Verbänden an Neukonzeptionen sollte verbessert werden.

Angesichts aktueller Entwicklungen im Heppenheimer ÖPNV meldet sich der Regionalverband Starkenburg des Fahrgastverbandes PRO BAHN zu Wort. Sehr erfreulich ist nach Einschätzung des Verbandes, dass sich die Stadtpolitik eine VRN-Preisstufe 0 einführen möchte, einem günstigeren Tarif für innerstädtische Fahrten. Damit folgt Heppenheim den Vorbildern Bürstadt und Viernheim. „Günstigere Fahrpreise im ÖPNV sind ein wichtiger Nutzungsanreiz für den ÖPNV.

Die von Bürgermeister Burelbach formulierte Hoffnung, dass allein dadurch die Fahrgastzahlen steigen und sich die Mehrkosten langfristig amortisieren, muss allerdings mit Vorsicht betrachtet werden“, gibt Peter Castellanos, Vorsitzender des PRO BAHN Regionalverbands Starkenburg und gelernter Verkehrsplaner für ÖPNV zu bedenken [1]. „Viel entscheidender für die Akzeptanz öffentlicher Verkehrsmittel, ist nämlich die Qualität des Angebots. Ohne intelligentes Konzept wäre auch ein fahrscheinloser ÖPNV vollkommen nutzlos.“ Nach Einschätzung des Fahrgastverbandes besteht in Heppenheim leider noch ein zu großer Handlungsbedarf in grundlegenden Fragen der ÖPNV-Gestaltung. Die bisherigen Angebotsausweitungen der Regionalbuslinien 643, 667 und 669 sowie der erkennbar gute Wille der Stadt, den Stadtbus durch andere Linienführungen und mehr Haltestellen im Stadtgebiet zu optimieren, sind zu begrüßen. Als Beispiel ist hier die vorausschauende Einbindung der Nordstadt II zu nennen. Leider ist aber noch längst kein Zustand erreicht, den man als „wahlkundenkompatibel“ bezeichnen kann. Pro Bahn skizziert folgende wichtige Themen des Heppenheimer ÖPNV:

 Der schlecht erlernbare 45-Minuten-Takt auf den Stadtbuslinien sowie schwierig zu erreichende Gebiete in der Stadt (z.B. Opelstraße und Eichendorff-/Gymnasiumstraße). Gleichzeitig bedient der Stadtbus das Kreiskrankenhaus, das eigentlich schon durch die Linien 669 und 643 attraktiv angebunden ist. PRO BAHN empfiehlt mindestens einen 30-Minuten-Takt auf den Stadtbuslinien mit einer fahrplanstabilen Linienführung – ein gut gemeintes Konzept aus dem Dezember 2018 war durch seine zu sportlichen Fahrzeiten zum Scheitern verurteilt.

 In Kirschhausen fehlt im Bereich Sudetenstraße noch immer eine Haltestelle für die Linie 667. Damit ist etwa ein Viertel der Kirschhäuser Bevölkerung vom ÖPNV abgehängt. Lange Fußwege zu Haltestellen sind nicht barrierefrei und nicht nutzergerecht. Steht das Auto in der Einfahrt vor der Haustür, beeindruckt man niemanden mit Fußwegen von über 400 Metern zur nächsten Bushaltestelle. „Es ist weder dem Kunden noch der Wirtschaftlichkeit des ÖPNV geholfen, wenn der Bus an seinen Potenzialen vorbeifährt“, bemängelt Castellanos den konkreten Fall.  Die potenzialstarken Stadtteile Unter-Hambach (ca. 1600 Einwohner) und Sonderbach (ca. 700 Einwohner) sind derzeit unzureichend nur per Schulbus und Ruftaxi angebunden. Das Ruftaxi ist eigentlich ein Instrument, um eine bezahlbare Daseinsvorsorge in potenzialschwachen Gebieten sicherzustellen. Durch die Vorbestellfrist von über einer Stunde ist es für den Nutzer zu unflexibel und damit keine attraktive Alternative zum Privat-Pkw. Einwohnerstarke Stadtteile sollten daher mit fest bedienten Buslinien angebunden werden.

 Im Ruftaxi sind Fahrkarten des RMV-VRN-Übergangstarifs ungültig. Damit werden unter anderem rund die Hälfte aller Heppenheimer Berufspendler mit Jobticket sowie alle RMV-Semesterticketinhaber mit Nutzungsberechtigung für den Übergangstarif von der zuschlagsfreien Nutzung des Ruftaxis ausgeschlossen. Hierzu hat PRO BAHN bereits vor einem Jahr – nur scheinbar erfolgreich – einen Antrag in den Fahrgastbeirat des Kreises Bergstraße eingebracht [2]. Getan hat sich bisher weder seitens des Kreises, noch vonseiten der Stadt nichts.
 Derzeit ist geplant, dass der Stadtbus – sobald die Straßen in der Nordstadt II befahrbar sind – über die Rebenstraße fahren soll. Dieser Bereich, ist schon heute teilweise durch die Linie 669 erschlossen. Aus Sicht von PRO BAHN sollte daher die parallellaufende bisher unerschlossene Blütenstraße bedient werden. Dadurch würde die „Ressource Stadtbus“ effektiver eingesetzt und neue Potenziale für den ÖPNV erschlossen.
 Der Stadtteil Kirschhausen (ca. 1900 Einwohner) ist nur durch umständliche und zeitraubende Umstiege mit der Tiergartenstraße, wo sich bekanntlich viele Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplätze tummeln, verbunden. Die aus Richtung Fürth kommende Linie 667 sollte daher mittelfristig über den Bahnhof Heppenheim und die Tiergartenstraße zum Kreiskrankenhaus verlängert werden. Eine Verlängerung dieser Linie bis Lampertheim sollte auch geprüft werden. Schließlich würden damit viele wichtige Orte in Heppenheim regional umsteigefrei erreichbar werden. Angesichts der vielen Detailthemen und etlichen Ineffizienzen zwischen Stadt- und Regionalbuslinien befürwortet PRO BAHN ein Gutachten mit dem Ziel einer Neuplanung aller Heppenheimer ÖPNV-Linien. Die Regional- und Stadtbuslinien sollen sinnvoll aufeinander abgestimmt und das Ruftaxi kundengerecht weiterentwickelt werden, sodass sich ein intelligentes Gesamtkonzept ergibt. Der Fachverband Pro Bahn Starkenburg möchte gerne seine Erfahrungen und Kenntnisse vor Ort in die Planungen einfließen lassen – wenn er schon bei der Neukonzeption des Heppenheimer Stadtbusses nicht beteiligt worden war. „Hier wünschen wir uns von Seiten der Stadt mehr Raum, um Innovationen zu diskutieren. Viele unserer Vorschläge lassen sich auch ohne großen Aufwand realisieren“, so Castellanos abschließend.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.