PRO BAHN Hessen bezeichnet die Vorstellungen des Hess. Verkehrsministers Kaweh Mansoori als unrealistisch – Bahnsteige und Bahnstationen lassen sich in Deutschland nicht so ohne Weiteres mit Absperrungen abriegeln

Der Hessische Verkehrsminister Kaweh Mansoori möchte künftig Bahnstationen mit Absperrungen versehen, so dass man nicht mehr ohne Fahrschein in Gebäude bzw. auf den Bahnsteig gelangt. Der PRO BAHN Landesverband Hessen bezeichnet dies aus mehreren Gründen als unrealistisch.

In Hessen gibt es etwas über 400 Bahnstationen (ohne städtischen Nahverkehr). Man fragt sich, wie sich der Landesverkehrsminister bzw. diejenigen, die ihn beraten bzw. für ihn arbeiten, sich dies vorstellen. Die bauliche Situation von dem größten Teil der Stationen lässt dies doch überhaupt nicht zu. Das mag bei einer unterirdischen S-Bahn-Station oder U-Bahn-Station noch machbar sein, nur dann hört es auch schon auf. Die Zuwegung, z.B. beim Frankfurter Hauptbahnhof, die ist so unterschiedlich. Bei den meisten Stationen des Regionalzugverkehrs gibt es überhaupt kein Gebäude mehr. Da kann man einfach seitlich über ein Geländer springen und man ist auch auf dem Bahnsteig. Das übersteigt jedwede Vorstellungskraft, was investiert werden müsste, um die Stationen alle vom illegalen Zutritt abzuschotten.

Zudem lebt in größeren Bahnhöfen wie dem Frankfurter Hbf. auch der dortige Einzelhandel, die dortige Gastronomie von Laufkundschaft, welche nicht in einen Zug steigen will. Wir lehnen die Einführung von Zugangssperren unter den Gesichtspunkten ab. Eine Zugangssperre macht den ÖPNV deutlich unattraktiver, der Zug fährt einem vor der Nase weg, je nach Umfang des Fahrgastwechsels bilden sich lange Schlangen vor solchen Zugangssperren. Die Umsteigezeiten, teils zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln sind derart kurz, dass eine Zugangssperre solche Verkehrsbeziehungen für Fahrgäste unattraktiv bis unmöglich macht.

Wenn der Landesverkehrsminister solch eine Schlagzeile herausgibt, dann möge er mal konkret sagen, wie er diese horrende Summe aufbringen will und wie er sich das baulich bei den einzelnen Stationen vorstellt. Für die Investition in die Schiene an anderer Stelle fehlt schon jetzt hinten und vorn das Geld. Bauliche Maßnahmen, welche vor 10-30 Jahren schon fertig sein sollten, sind bis heute nicht umgesetzt. Wir halten es für viel sinnvoller, durch Personalaufstockung für mehr Sicherheit zu sorgen, so wie früher an vielen Bahnhöfen, welche heute verwaist sind, allein schon durch deren Präsenz mehr Sicherheit gegeben war. Dass es heutzutage mehr Gewalttaten, mehr Straftaten gibt, das ist nicht das Problem der Verkehrsinfrastruktur, sondern muss in einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz gelöst werden, nicht durch Barrieren zu Lasten der täglichen Fahrgäste.

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