PRO BAHN Hessen fordert komplett neue, doppelt so große Züge anstelle der Stadler-Flirt-Nahverkehrstriebwagen auf den Linien RE98 Frankfurt-Gießen-Marburg-Kassel und RE99 Frankfurt-Gießen-Wetzlar-Siegen

Der RE99 mit dem Stadler-Flirt, betrieben von der Hessischen Landesbahn, in Gleis 1 im Bahnhof Gießen. Dahinter das historische Bahnhofsgebäude.

Deutliche Kritik übt der Fahrgastverband PRO BAHN an den eingesetzten Zügen auf einer der wichtigsten Schienenverkehrsachsen Hessens. Die im Zwei-Stunden-Takt verkehrenden Linien des Schienennahverkehrs, RE98 und RE99 zwischen Frankfurt, Gießen, Marburg und Kassel sowie im Stundentakt zwischen Gießen, Wetzlar und Siegen, diese weisen aufgrund gestiegener Fahrgastzahlen menschenunwürdige Zustände auf. Dem verantwortlichen Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wird Tatenlosigkeit vorgeworfen.

Die seit Ende 2009 im Einsatz befindlichen Nahverkehrstriebwagen mit dem Namen Flirt des schweizer Herstellers Stadler mit rund 300 Sitzplätzen sind völlig unzureichend, um die seither erzielten Fahrgastzuwächse akzeptabel abzubilden. Setze man das Ziel einer Verkehrswende hin zur Bahn mit einer Fahrgaststeigerung von 50% als Maßstab, dann wird man eine Apokalypse herbeiführen, wie man sie nur aus Indien kennt.

Der PRO BAHN Landesverband Hessen weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass man dem ausführenden Bahnverkehrsunternehmen Hessische Landesbahn (HLB) keinerlei Vorwurf macht. In dem Vertrag hat der RMV der HLB seinerzeit vorgegeben, wieviel Nahverkehrszüge in welcher Größe auf den beiden betreffenden Linien RE98 und RE99 zum Einsatz kommen. Mit dem Wechsel Ende 2009 war dies eine Reduktion der Sitzplatzzahl gegenüber den vorher eingesetzten Zügen um stolze 40%. Damals ging auch die Direktverbindung zwischen Gießen und Köln verloren.

An dieser Bahn-Miniaturausgabe hält man seitens des RMV bis heute fest und will dies auch in den nächsten 20 Jahren tun. Die dann rund eineinhalb Jahrzehnte im Einsatz befindlichen Stadler-Flirt-Züge sollen generalüberholt und innen neu ausgestattet werden. Dann sollen sie mit gleicher Sitzplatzzahl mindestens bis in die 2040er Jahre weiter über die Schienen von Rhein/Main, Mittelhessen und Nordhessen rollen.

Die RMV-Annahme, dass die starke Auslastung lediglich im Zu- und Ablauf des Frankfurter Hauptbahnhofs gegeben sei, dies kann inzwischen deutlich widerlegt werden. Die Fahrgastzahlen zwischen den beiden Universitätsstädten Gießen und Marburg ist enorm angestiegen. Man bietet als schnelle Verbindung ohne Zwischenhalte im Nahverkehr bislang nur einen Stundentakt an. Der RE98 ist ein Teil davon und die Züge gerade zwischen den beiden Städten tageszeitweise hoffnungslos überfüllt, so dass sich Fahrgäste als Stückgutverladung betrachten müssen.

PRO BAHN sieht darin einen handfesten Skandal, in welcher sich einzelne leitende RMV-Mitarbeiter, leider ohne Einwirkung der nötigen Kontrollorgane, mit Vorsatz gegen die Bedürfnisse insbesondere von rund 1 Mio. Einwohnern in der Region Mittelhessen stellen. Die inakzeptable Aufgaben-wahrnehmung der leitenden RMV-Mitarbeiter über die eigene Dienstzeit hinaus, wodurch ein deutlicher volkswirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Schaden fundamentalisiert wird, muss verhindert werden. PRO BAHN sieht schon lange den Bedarf, den RMV strukturell neu aufzustellen.

Für die Linien RE98 und RE99 fordert PRO BAHN Hessen die Anschaffung neuer Züge mit einer etwa doppelten Sitzplatzzahl. Dies würde etwa den Zügen entsprechen, welche auf den parallel im Takt verkehrenden, zweistündigen Doppelstockzügen des RE30 zwischen Frankfurt, Gießen, Marburg und Kassel im Einsatz sind. Die seither auf dem RE98/RE99 im Einsatz befindlichen Stadler-Flirt-Züge könnten als Regionalbahnen auf den gleichen Bahnstrecken zum Einsatz kommen und zwar insbesondere als Fahrplan-Ausweitungskomponente auf den Linien RB41 Frankfurt-Gießen-Marburg-Treysa und RB40 Frankfurt-Gießen-Marburg-Dillenburg. Auch diese Linien fährt die HLB seit dem Fahrplanwechsel am 10.12.2023 für die Dauer von mindestens 15 Jahren und setzt da dem Stadler-Flirt etwa gleichwertige Triebfahrzeuge des Typs Alstom Coradia Continental ein. Schon heute sind diese beiden Triebfahrzeugtypen wechselweise für die gleiche Leistung im Einsatz.

Da die Revitalisierung der Stadler-Flirt-Triebwagen jetzt erst ansteht, die Leistung des RE98/RE99 erst 2025 in eine neue Vertragsphase mit der HLB einsteigt, ist angesichts der Szenarien an den Bahnsteigen und in den Zügen ein verantwortliches Handeln mit der unabdingbaren Zielsetzung größerer Züge für die beiden betroffenen Nahverkehrslinien gegeben.

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