16.09. – Thema – Fernbahntunnel Frankfurt am Main: Bund, Land und Deutsche Bahn starten Machbarkeitsstudie

PRO BAHN Landesverband Hessen wird die Machbarkeitsstudie progressiv und konstruktiv aus Sicht der Fahrgäste begleiten

Das ist der Suchraum, in denen untersucht werden soll, wo ein Fernbahntunnel mit unterirdischem Fernbahnhof unter dem weiter bestehenden Hauptbahnhof entstehen kann. Quelle: Deutsche Bahn

Das ist der Suchraum, in denen untersucht werden soll, wo ein Fernbahntunnel mit unterirdischem Fernbahnhof unter dem weiter bestehenden Hauptbahnhof entstehen kann. Quelle: Deutsche Bahn

Der 16.09.2019 ist der Startschuss gefallen. Nun wird bis im Frühjahr 2021 untersucht, ob für die Mainmetropole Frankfurt unter dem Hauptbahnhof „zusätzlich“ einen Fernbahnhof als Durchgangsbahnhof erhält. Die Rede ist von 3,5 Mrd. Euro, die die knapp 5 km Tunnel nach einer ersten Schätzung kosten sollen.

Seit dem 06.11.2018 ist der Fernbahntunnel intensiver im Gespräch, weil im Rahmen der neuen Priorisierung des Bundesverkehrswegeplans 2030, der erst ein Jahr zuvor vom Bundestag verabschiedet wurde, das Großprojekt in den vorrangigen Bedarf vom Bundesverkehrsministerium hochgestuft worden ist.

Der PRO BAHN Landesverband Hessen und der PRO BAHN Regionalverband Großraum Frankfurt haben bereits am 25.01.2019 ein Positionspapier zur Idee eines Fernbahntunnels vorgelegt, welches man gerade im Zeitfenster der Machbarkeitsstudie als einen dynamischen Prozess ansieht, so der Landesvorsitzende Thomas Kraft.

Im DB-Skyview, im 31. Stock eines Hochhauses mitten in der Frankfurter Hochhauskulisse unterschrieben der Hess. Minister für Wirtschaft, Verkehr, Energie und Wohnen, Tarek Al-Wazir (Grüne) und der Parl. Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Enak Ferlemann (CDU) die Vereinbarung im Beisein von Gästen aus Kommunalpolitik, Verkehrsverbünden, Interessensvertretern, DB-Mitarbeitern, Planungsbüros, Landtags- und Bundestagsabgeordneten. Der PRO BAHN Landesverband Hessen war auch zu der Veranstaltung geladen und ist der Einladung gerne gefolgt.

PRO BAHN Hessen steht, ebenso wie der PRO BAHN Regionalverband Großraum Frankfurt, einem Fernbahntunnel Frankfurt am Main grundsätzlich positiv gegenüber, wenn diverse Kriterien erfüllt sind. Ganz wichtiger Aspekt, es darf kein zweites Stuttgart 21 entstehen, wo der bestehende Kopfbahnhof verschwindet. Frankfurt 21, ein früheres Großprojekt aus den 1980er Jahren sah dies vor und wurde im Jahr 2000 als Idee für immer beerdigt. Genau das soll ja nicht passieren, es sollen ja alle 25 oberirischen Gleise erhalten bleiben. Ein solches Großprojekt darf nicht in ein enges Korsett gesteckt werden, so dass Flexibilisierungen im Fahrplan und auch künftige deutliche Steigerungen der Fahrgastzahlen nicht eingerechnet sind. Bislang geht man von 30% Steigerung aus. PRO BAHN sieht jedoch Bedarf , von deutlich höheren Fahrgastzahlen auszugehen, wenn man es mit der Verkehrswende ernst meint und die Zwänge des Klimawandels das Umsteigen für weite Teile der Bevölkerung unumgänglich machen. Daher sind die ersten Gedankengänge, im Tunnel ein Gleis je Richtung zu bauen und im Fern-Tiefbahnhof zwei Mittelbahnsteige mit zwei Gleiskanten je Richtung in dem Stadium viel zu früh und sollten erst im Verlauf der Machbarkeitsstudie festgelegt werden. Es wird nicht (nur) für unsere Zeit geplant, sondern auch für nächstfolgenden Generationen, welche dann besser und störungsfreier durch Deutschland reisen sollen.

PRO BAHN Hessen sieht durchaus weitreichende Chancen für den Regionalbahn- und Regional-Express-Verkehr bei der Realisierung eines Fernbahntunnels in Frankfurt. Bisher müssen sich die Nahverkehrszüge, welche auf Frankfurt zulaufen und in weiten Teilen die Trassen mit den ICE und IC des Fernverkehrs teilen. Gerade der Bahnhof Frankfurt-Süd könnte bei einem Fernbahntunnel mit seinen Zulauftrassen ein reiner Regionalbahnhof werden und so für Südhessen, Osthessen und das Rhein-Main-Gebiet eine enorme Kapazitätssteigerung ermöglichen.

Seit 40 Jahren wird bereits über 15 kleinere Projekte in und um Frankfurt nachgedacht, die den Regionalzug- und den S-Bahn-Verkehr optimieren und ausbauen sollen. Nur wenige sind nach den vielen Jahrzehnten in die Umsetzungsphase gelangt. Dazu zählt der begonnene Ausbau des sog. Homburger Damms und der viergleisige Ausbau von Frankfurt über Bad Vilbel bis nach Friedberg. Zwei anstehende und in der Planungsphase befindliche größere Projekte sind die Nordmainische S-Bahn und die Regionaltangente West. Alle Projekte sind seit 2003 im Gesamtpaket Frankfurt Rhein/Main-plus zusammengefasst. Für den PRO BAHN Landesverband Hessen ist es unabdingbar, dass im Rahmen der Machbarkeitsstudie für alle nur möglichen Varianten von vorn herein klar ist, dass alle Projekte Frankfurt Rhein/Main-plus im schnellstmöglichen Zeitraum realisiert werden und keines dieser Projekte wegen eines Fernbahntunnels um Jahre oder gar Jahrzehnte nach hinten gestellt wird. Die heutigen Fahrgäste, die heutigen Pendlerinnen und Pendler in und um Frankfurt brauchen bereits spürbare Verbesserungen und Entlastungen.

Dennoch, auch für die künftigen Generationen muss geplant werden und – auch wenn das Jahr 2036 für eine Betriebsaufnahme sehr ambitioniert erscheint, die heute zu planenden bzw. dann umzusetzenden Klein- und Großprojekte für die Schiene sind für den Alltag im Jahr 2100 zu bauen. Dies stellt der PRO BAHN Landesverband Hessen in den Mittelpunkt all seiner Überlegungen, so Thomas Kraft. Man wird sich auch deshalb progressiv und konstruktiv einbringen. Als Zwischenstadium wird voraussichtlich im Frühjahr 2021 zu bewerten sein, ob man das Ergebnis der Machbarkeitsstudie aus Sicht von PRO BAHN befürwortet oder ablehnt.

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