PRO BAHN Hessen: Warum bleibt die exorbitante Steigerung der Kosten für den Bau der A 44 Kassel-Eisenach von allen politischen und gesellschaftlichen Lagern ohne wirkliche Reaktion bzw. öffentliche Äußerung? 600 Mio. mehr, ein Wahnsinn.

Am 06.01.2020 wird bekannt, der seit 40 Jahren geplante und inzwischen in Teilen in Betrieb befindliche Neubau des Teilabschnitts der A 44 zwischen Kassel und Eisenach wird 600 Mio. Euro teurer wird. Einer der wenigen Berichte findet sich hier:

https://www.hessenschau.de/wirtschaft/a44-bau-bei-kassel-kostet-600-millionen-euro-mehr,kurz-a444-bau-100.html

Erschreckend ist die Kürze der Berichte und die geringe Breite der Veröffentlichung. Dabei hätte es angesichts der Zahl 600 Mio. Euro einer weitreichenden gesellschaftlichen Diskussion bedurft. Das sind nicht nur 25% Mehrkosten im eigentlichen Projekt, es sind im Vergleich zwei Gesamthaushalte von drei Landkreisen oder Städten von 70.000-100.000 Einwohnern.

Als die Kosten bei der A 44 Kassel-Eisenach bereits vor vielen Jahren die Marke von 1 Mrd. Euro überschritten wurde, war es für die Hessenschau eine Sensationsmeldung. Denn bislang gab es kein Autobahnprojekt, welches so teuer geworden war. Nun sind es fast 2,5 Mrd. und medial ist es eine Randnotiz.

Wir machen als Fahrgastverband PRO BAHN aber lieber noch den Vergleich mit der Schiene. Mit dem Betrag von 600 Mio. Euro hätte man 30 Bahnstrecken reaktivieren oder 20 Bahnstrecken neu bauen können, geht man von einer Trassenlänge von 15-20 km aus.

Für jeden Meter Neubau und Ausbau von Gleisanlagen wird eine Wirtschaftlichkeitsprüfung verlangt. Es meinen sich, insbesondere im kommunalpolitischen Sektor, Menschen und Verantwortungsträger zu Wort zu melden. Zu ihnen muss man aufgrund ihrer Äußerungen anmerken, dass große Lücken im Wissen über das Verkehrsmittel Bahn vorhanden sind und eine Denkblockade gegeben ist, dies in den eigenen Wirkungskreis umzusetzen. So war es auch, als es darum ging, die in den 1980er Jahren stillgelegte Bahnstrecke Kassel-Waldkappel-Eschwege zu reaktivieren. Die Menschen aus der Kreisstadt des Werra-Meißner-Kreises müssen nun mit dem Zug über eine Stunde je Richtung reisen, um entweder über Eichenberg und Hann. Münden oder über Bebra die Nordhessenmetropole Kassel zu erreichen.

Nein, wir möchten an der Stelle nicht das Thema der Sinnhaftigkeit der A 44 in den Raum unserer Meinungsäußerung stellen, sondern vielmehr den Vergleich, dass X-fache Summen im Straßenbau allseits hingenommen werden. Zum Zeitpunkt der Verkündung dieser Mehrausgaben war bzw. sind an keiner Stelle die Mehrkosten irgendwie in der öffentlichen Finanzplanung vorgesehen. Auch der Bundesverkehrswegeplan gibt diese Summe nicht her. Durch Taschenspielertricks wird wohl durch Umschichtungen im Bundeshaushalt zur Verfügung gestellt werden.

Man möge sich nur vorstellen, wenn im Bahnsektor solch eine Summe als nicht abgesicherte Mehrkosten entstehen würde. Der Aufschrei wäre medial und politisch in der halben Welt zu hören.
Nur das grün regierte Landesverkehrsministerium schweigt, lässt die traurige Botschaft durch die nachgeordnete Behörde „Hessen Mobil“ verkünden.

Fazit von PRO BAHN Hessen: „Es muss sich im Bundesland Hessen noch viel tun, damit im Bundesland von einer Verkehrswende gesprochen werden kann. Im Moment tut kein politisches Lager, auch nicht die vorrangige Umweltpartei, wirklich etwas für eine Umsetzung.“

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