Stockheimer Lieschen muss auch vor einem weiteren Ausbau besser werden

Niddertalbahn hat deutliche Fahrgastzuwächse, insbesondere im Pendler- und Schülerverkehr, jedoch die weitere technische Entwicklung und die angemessene Unterhaltung über das Notwendige hinaus stockt.

Ein Siemens Desiro ist für die Linie RB 34 der Niddertalbahn auf der Einfahrt in den Bahnhof Stockheim in der Gemeinde Glauburg (Wetteraukreis).

Ein Siemens Desiro ist für die Linie RB 34 der Niddertalbahn auf der Einfahrt in den Bahnhof Stockheim in der Gemeinde Glauburg (Wetteraukreis).

In jüngerer Zeit häufen sich Beschwerden von Fahrgästen auf dem sog. Stockheimer Lieschen, offiziell Niddertalbahn genannt. Sie verbindet den südöstlichen Wetteraukreis ab Glauburg-Stockheim über dem Kreuzungsbahnhof Nidderau im Main-Kinzig-Kreis mit dem Bahnhof Bad Vilbel der Main-Weser-Bahn mit einigen Unterwegshalten auf einer Länge von rund 31 km. Werktags so gut wie alle, samstags rund 60% der Leistung und auch einzelne Züge am Wochenende sind bis zum Frankfurter Hauptbahnhof durchgebunden, weil sich der östliche Wetteraukreis und der westliche Main-Kinzig-Kreis unmittelbares Einzugsgebiet der Mainmetropole Frankfurt sind. Die Pendlerzahlen aus diesen Kommunen sprechen eine deutliche Sprache.

Hier verkehren im Auftrag des Rhein-Main-Verkehrsverbundes Züge von DB Regio Mitte, derzeit mit Dieseltriebwagen der Baureihe 642 (Desiro), meist in Mehrfachtraktion. Es erfolgte eine Direktvergabe an DB Regio Mitte, weil sich kein weiterer Bewerber fand. In die eingleisige Strecke wurde in den 2000er Jahren einiges investiert, so sind die Bahnsteige erneuert, leider zu hoch auf 76 cm erhöht worden. Die Züge der Baureihe 642 haben eine Einstieghöhe von 55 cm.

Da sich die Fahrgastzahlen immer weiter nach oben entwickelten, stärker noch als in anderen Teilen Hessens, sind seit 2002 auch zwei- bis dreiteilige Doppelstockwagen mit Dieselloks im Einsatz, welche aber nur in der Hauptverkehrszeit verkehren. Die Zahl der Fahrten, in denen die Doppelstockzüge im Einsatz sind, wurden zwischenzeitlich jedoch wieder reduziert. Es handelte sich um Doppelstockzüge der ersten Nachwendegeneration der 1990er Jahre, welche inzwischen einem Redesign unterzogen wurden und andernorts zum Einsatz kommen. Es wird im RMV-Gebiet jedes rollende Rad benötigt.

Man könnte ja sagen, dann sind die Menschen entlang des Stockheimer Lieschens doch gut ausgestattet. Dennoch sagt der Alltag wohl etwas anderes. Die Dieseltriebwagen sind gebraucht in das Niddertal gekommen. Sie stammen aus Netzen in anderen Regionen Deutschlands, in denen die Deutsche Bahn Ausschreibungen verloren hat. Als die gebrauchten Triebwagen kamen, zeigte sich dies sehr offensichtlich, denn sie hatten keine Ausfahrstufen, so dass eine lange Zeit extra Personal an jeder der Bahnstationen bereitstehen musste, um den Menschen in den Zug helfen zu können.

Inzwischen sind die Triebwagen von Siemens Desiro nachgerüstet. Die Fahrgäste berichten jedoch inzwischen von vermehrten Störungen und Zugausfällen. Wie im sonstigen RMV-Netz sind gerade mal soviel Züge bereitgestellt worden, wie man auf der Strecke benötigt. Von einer nennenswerten Zahl von Ersatz-Triebwagen kann keine Rede sein. Nun müssen die Triebwagen Generaluntersuchungen unterzogen werden und das wirkt sich aktuell auf den Triebwagenbestand aus. Das ist aber nicht das einzige Problem, welches die Fahrgäste dem PRO BAHN Landesverband Hessen über das Empfangsportal „Fahrgastproblem“ schildern. Aufgrund fehlenden Personals wird auch das Reinigungsproblem vielfach geschildert, ebenso wie das Instandhaltungsproblem von Inneneinrichtungen wie Sitze und Toiletten.

Alles das ist sehr sehr unbefriedigend, so der Fahrgastverband PRO BAHN. Die Niddertalbahn wird, weil sie auf Frankfurt am Main zuläuft, immer wieder mit weiteren Ausbauideen in Verbindung gebracht. Das klingt zwar schön aber die Fahrgastvertreter fordern kurzfristige Maßnahmen.

So fordert der PRO BAHN Landesverband Hessen die Prüfung, inwieweit entweder als Neuanschaffung oder als Gebrauchtfahrzeuge aus Bestand zunächst eine Ergänzung zur Aufstockung der Gesamtflotte erfolgen kann. Neu auf die Strecke der Niddertalbahn gebrachte Triebwagen sollten in jedem Fall die Einstieghöhe von 76 cm haben, weil auf der Gesamtstrecke (mit Ausnahme Bad Vilbel Gleis 6) alle Bahnsteige diese Höhe aufweisen und in dieser urbanen Region endlich die Barrierefreiheit hergestellt werden muss. Schrittweise sollten nur noch 76 cm-Triebwagen die Strecke befahren.

Der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen hat sich bei seinem jüngsten Regionaltreffen intensiv mit dem Thema befasst.

Mittel- bis langfristig muss natürlich ein weiterer Ausbau der Strecke erfolgen. Dazu sieht man folgende Maßnahmen als dringend erforderlich an:
– Mehr Kreuzungsbahnhöfe entlang der Strecke und evtl. auch längere zweigleisige Abschnitte
– Elektrifizierung der Strecke
– Verlängerung von Bahnsteigen, um auch mit längeren Zügen, ggf. auch Einbindung in ein S-Bahn-System, selbst wenn nicht in den S-Bahn-Tunnel der Frankfurter Innenstadt eingefahren werden kann. Im Fahrzeugumlauf bei einer elektrifizierten Strecke kann eine Befahrung mit S-Bahn-Wagen, die zwangsläufig im Rhein-Main-Gebiet in großer Zahl vorhanden sind, durchaus von Vorteil sein.
– Einbindung der Stadt Büdingen in die Niddertalbahn. Bislang führt das Gleis der Niddertalbahn im Bahnhof Stockheim in Richtung Norden ein, weil sich dort früher die Anschlussstrecke in den Vogelsbergkreis nach Lauterbach anschloss. Deswegen müsste der Zug, wenn er bis zur alten Kreisstadt Büdingen verlängert werden soll, bei dem heutigen baulichen Zustand die Fahrtrichtung wechseln. Um diesen Aufwand zu vermeiden, müsste eine bauliche Veränderung erfolgen.

Es gibt also viel zu tun, dies sowohl kurzfristig als auch langfristig. Der Fahrgastverband PRO BAHN verspricht, wir setzen uns für die Verbesserung auf der Niddertalbahn ein. Es ist eine bedeutsame Bahnstrecke in Hessen.

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